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Fr, 08:19 Uhr
04.10.2013

Profit für alle?

Ein Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA brächte Deutschland erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Nahezu alle Branchen in allen Bundesländern würden profitieren, und zu erwartende Lohnzuwächse verteilten sich über alle Einkommensgrup­pen. Zu dieser Einschätzung kommt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung und des ifo-Instituts...


„Gewinnen würden nicht nur Großkonzerne, sondern insbesondere der Mittelstand“, sagte Aart De Geus, Vorstandschef der Bertelsmann Stiftung. Ab Montag verhandeln die Europäische Union und die Vereinigten Staaten, die beiden größten Wirtschaftsräume der Welt, in Brüssel wie­der über eine umfassende Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP).

Die Studie rechnet mit 160.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen in allen Qualifikationsgruppen, falls EU und USA sich darauf einigen, Handelshemmnisse umfassend abzubauen. Aussicht besteht auch darauf, dass die Realeinkommen in allen Lohngruppen steigen. Für eine Verschärfung von Lohn­ungleichheiten durch ein transatlantisches Freihandelsabkommen sieht die Studie keine Anzei­chen. Der Wegfall von Handelsbeschränkungen dürfe, so De Geus, aber nicht den Abbau aller Restriktionen bedeuten: „Entscheidend wird sein, ob ein Freihandelsabkommen auch die Akzep­tanz der Bevölkerung findet. Deshalb ist es nicht nur wichtig, dass auch kleine Betriebe und niedri­ge Einkommensgruppen profitieren, sondern dass Verbraucher- und Arbeitnehmerschutz gewähr­leistet bleiben“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung.



Deutschland kann durch ein Freihandelsabkommen insbesondere Zuwächse beim Export in die USA erwarten, so die Studie. Im Nahrungsmittelgewerbe, in der Metallerzeugung und Metallbear­beitung sowie der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft könnte der Export in die USA um bis zu 50 Prozent wachsen. Das wiederum hätte positive Effekte auf Produktion und Beschäftigung, etwa in der Metallerzeugung, in der Elektroindustrie sowie in der Automobil- und Maschinenbauindustrie. Nachteilig auswirken würde sich ein Freihandelsabkommen hingegen auf den Textilhandel, der einen Rückgang des US-Exports um 20 Prozent befürchten müsste.

Allein das produzierende Gewerbe könnte dadurch rund 85.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Eine Senkung der Handelskosten würde sich auch auf Bereiche der Volkswirtschaft auswirken, die nicht direkt im Export beteiligt sind, darunter der Dienstleistungssektor, auf den 75.000 der neu zu er­wartenden Arbeitsplätze entfallen. Beispielhaft zu nennen sind hier etwa Kraftfahrzeughandel oder Reparaturdienstleistungen.

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Für alle Bundesländer sagt die Studie positive Wachstumseffekte voraus. Zu den größten Gewin­nern zählen die Bundesländer mit einem stark exportorientierten produzierenden Gewerbe. Nord­rhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg könnten mit einem Wertschöpfungszuwachs in Höhe von rund fünf Milliarden Euro und jeweils rund 20.000 neuen Arbeitsplätzen rechnen. Letzte­re verteilen sich voraussichtlich über alle Qualifikationsgruppen. Die Chancen von gering Qualifi­zierten verbessern sich etwa in der Metallerzeugung und -verarbeitung, im Elektroniksektor und in der Chemischen Industrie. Für Hochqualifizierte wären zusätzliche Arbeitsplätze neben der Elekt­roindustrie im Maschinenbau und in der Automobilindustrie zu erwarten. Zudem entsteht in den verschiedenen Berufsgruppen zusätzlicher Bedarf an Bürofach- und Hilfskräften, etwa bei Elektri­kern, Monteuren, Ingenieuren und Technikern.


Durch ein Freihandelsabkommen könnten die Exporte aus Thüringen in die USA um 28 Prozent steigen. Die Studie prognostiziert für Thüringen über 2.500 neue Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe, falls EU und USA sich darauf einigen, Handelshemmnisse umfassend abzubauen. Über 85 Prozent dieser zusätzlichen Jobs entstünden für gering- und mittelqualifizierte Arbeitnehmer. Der Wert aller in Thüringen zusätzlich hergestellten Güter stiege um über 100 Millionen Euro jährlich. Besonders stark in die USA exportieren aus Thüringen der Fahrzeug- und Maschinenbau sowie die Hersteller von Büromaschinen. „Gewinnen würden von einem Freihandelsabkommen nicht nur Großkonzerne, sondern insbesondere der Mittelstand“, sagte Aart De Geus, Vorstandschef der Bertelsmann Stiftung.

Die Löhne werden mit dem Abschluss eines Freihandelsabkommens laut Studie nahezu durch­gängig wachsen. Geringer qualifizierte Arbeitnehmer könnten sogar stärker profitieren als mittel- und hochqualifizierte Beschäftigte. So wird in den niedrig qualifizierten Gruppen ein Anstieg der Reallöhne um 0,9 Prozent erwartet. Die Reallöhne der mittel- und hochqualifiziert Beschäftigten steigen um 0,7 bzw. 0,6 Prozent.

Die Studie der Bertelsmann Stiftung ist Teil des Projektes „Global Economic Dynamics“ (GED). Es soll zu einem besseren Verständnis der wachsenden Komplexität globaler Wirtschaftsentwicklun­gen beitragen. Alle Analyseergebnisse werden dafür eigens multimedial aufbereitet und unter www.ged-shorts.org für PC und alle mobilen Endgeräte frei zur Verfügung gestellt.
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