Sa, 07:50 Uhr
25.01.2014
Gymnasiasten in Stasi-Ausstellung
Die im Dezember 2013 eröffnete Dauerausstellung Haft, Diktatur, Revolution. Thüringen 1949—1989 in der Erfurter Stasi-Gedenkstätte Andreasstraße bietet interessierten Besuchern einen Einblick in die Geschichte des Landes unter dem DDR-Regime. Das haben jetzt auch Worbiser Schüler erfahren...
12 Schüler des Geschichtskurses des Marie-Curie Gymnasiums Worbis in Begleitung ihres Lehrers Jan Gebhardt besuchten am 13. Dezember 2013 im Rahmen des Unterrichtskomplexes Reform & Revolution die Gedenkstätte. In einer ca. zweistündigen Führung mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Christiane Metag und dem Zeitzeugen Guntram Erbe, der kurz vor dem Mauerfall selbst dort Gefangener war, konnten die Zwölftklässler erahnen, was es bedeutete in die Fänge des DDR-Regimes zu geraten.
Die Besichtigung begann im Haftbereich, der noch vollständig aus dieser Zeit erhalten ist. Beim Betreten ließ nicht nur der Temperaturabfall die Schüler frösteln. Individuell sahen sie sich die einzelnen Zellen an. Alles wirkte irgendwie dumpf, kalt, unwirklich. Das Gefühl der Beengtheit war überall, es erstickte sinnbildlich den Atem der Freiheit. Im Vernehmungszimmer wurde den Jugendlichen erklärt, dass die dort statt gefundenen Erstvernehmungen für die Häftlinge die schlimmste aller Vernehmungen waren, da diese meist besonders lange dauerten - Verhöre bis zu 20 Stunden seien bekannt – und besonders intensiv waren.
Ebenfalls schockierten die Jugendlichen die verschiedenen Methoden der Stasi, psychische Gewalt auf die Häftlinge auszuüben. Durch verschiedene Zeitzeugeninterviews, die in Videos in den Zellen gezeigt wurden, und die Ausführungen des Zeitzeugen entstand ein sehr authentisches und zugleich objektives Bild über die historischen Zusammenhänge.
In den weiteren Ausstellungsräumen abseits des Haftbereiches, in denen die DDR als Diktatur und die friedliche Revolution im Vordergrund standen, begeisterte alle der vielfältige Medieneinsatz. So wurden historisch komplexe Zusammenhänge für die Schüler einfach nachvollziehbar.
In der Diskussion stellten die Zwölftklässler die Frage, welcher Kategorie Mensch ein Stasi-Mitarbeiter angehörte, da sie nicht nachvollziehen konnten, wie Intellektuelle zu solchen Taten fähig sein konnten. Eines wurde hier schon klar deutlich: In der DDR-Historik gibt es kein Schwarz oder Weiß: Es gab 16 Millionen verschiedene Schicksale.
Der letzte Teil der Ausstellung, Revolution bildete für die Jugendlichen Anfang und Ende. Zunächst verdeutlichte das Ereignis Mauerfall, dass Diktaturen durch friedliche Mittel besiegbar sind und dass es sich lohnt, für seine Meinung und politischen Ziele Mut zu zeigen und das Risiko nicht zu scheuen.
Gleichzeitig forderte der Zeitzeuge die Jugendlichen dazu auf, aus dieser Vergangenheit zu lernen und die Erkenntnisse auch aktiv umzusetzen. So hielt er alle dazu an, sich mit links- und rechtsextremen politischen Strömungen kritisch auseinanderzusetzten, denn diese Kräfte waren zu Diktaturen fähig und sind es heute immer noch.
Anna Hesse
Autor: en12 Schüler des Geschichtskurses des Marie-Curie Gymnasiums Worbis in Begleitung ihres Lehrers Jan Gebhardt besuchten am 13. Dezember 2013 im Rahmen des Unterrichtskomplexes Reform & Revolution die Gedenkstätte. In einer ca. zweistündigen Führung mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Christiane Metag und dem Zeitzeugen Guntram Erbe, der kurz vor dem Mauerfall selbst dort Gefangener war, konnten die Zwölftklässler erahnen, was es bedeutete in die Fänge des DDR-Regimes zu geraten.
Die Besichtigung begann im Haftbereich, der noch vollständig aus dieser Zeit erhalten ist. Beim Betreten ließ nicht nur der Temperaturabfall die Schüler frösteln. Individuell sahen sie sich die einzelnen Zellen an. Alles wirkte irgendwie dumpf, kalt, unwirklich. Das Gefühl der Beengtheit war überall, es erstickte sinnbildlich den Atem der Freiheit. Im Vernehmungszimmer wurde den Jugendlichen erklärt, dass die dort statt gefundenen Erstvernehmungen für die Häftlinge die schlimmste aller Vernehmungen waren, da diese meist besonders lange dauerten - Verhöre bis zu 20 Stunden seien bekannt – und besonders intensiv waren.
Ebenfalls schockierten die Jugendlichen die verschiedenen Methoden der Stasi, psychische Gewalt auf die Häftlinge auszuüben. Durch verschiedene Zeitzeugeninterviews, die in Videos in den Zellen gezeigt wurden, und die Ausführungen des Zeitzeugen entstand ein sehr authentisches und zugleich objektives Bild über die historischen Zusammenhänge.
In den weiteren Ausstellungsräumen abseits des Haftbereiches, in denen die DDR als Diktatur und die friedliche Revolution im Vordergrund standen, begeisterte alle der vielfältige Medieneinsatz. So wurden historisch komplexe Zusammenhänge für die Schüler einfach nachvollziehbar.
In der Diskussion stellten die Zwölftklässler die Frage, welcher Kategorie Mensch ein Stasi-Mitarbeiter angehörte, da sie nicht nachvollziehen konnten, wie Intellektuelle zu solchen Taten fähig sein konnten. Eines wurde hier schon klar deutlich: In der DDR-Historik gibt es kein Schwarz oder Weiß: Es gab 16 Millionen verschiedene Schicksale.
Der letzte Teil der Ausstellung, Revolution bildete für die Jugendlichen Anfang und Ende. Zunächst verdeutlichte das Ereignis Mauerfall, dass Diktaturen durch friedliche Mittel besiegbar sind und dass es sich lohnt, für seine Meinung und politischen Ziele Mut zu zeigen und das Risiko nicht zu scheuen.
Gleichzeitig forderte der Zeitzeuge die Jugendlichen dazu auf, aus dieser Vergangenheit zu lernen und die Erkenntnisse auch aktiv umzusetzen. So hielt er alle dazu an, sich mit links- und rechtsextremen politischen Strömungen kritisch auseinanderzusetzten, denn diese Kräfte waren zu Diktaturen fähig und sind es heute immer noch.
Anna Hesse
