Mo, 11:34 Uhr
30.06.2014
Verantwortung für zwei
Werdende und stillende Mütter sollten Medikamente nur einnehmen, wenn es unvermeidlich ist, raten Apotheker. Denn über Nabelschnur und Muttermilch erreichen die Arzneistoffe auch das Baby und können ihm zum Teil sogar erheblich schaden...
Vor jeder Medikamentengabe muss deshalb geklärt sein, dass die Wirkstoffe für das Kind unbedenklich sind. Thüringens Apothekerinnen und Apotheker sagen, worauf Schwangere und Stillende achten müssen – und was hilft.
Zwischen 15 und 50% aller Schwangeren nehmen Umfragen zufolge im ersten drittel der Schwangerschaft Medikamente ein – oft noch ohne zu wissen, dass sie schwanger sind. Doch nicht alles, was der Mutter hilft, ist auch gut für das Baby: Die in Arzneimitteln enthaltenen Wirkstoffe können die gesunde Entwicklung des Kindes beeinträchtigen und beim Ungeborenen zu schweren Missbildungen führen. Das Baby im Bauch der Mutter ist über Nabelschnur und Plazenta direkt an den mütterlichen Stoffwechsel angeschlossen.
Nahezu alle chemischen Substanzen, die in den mütterlichen Körper gelangen, erreichen auch das Kind, erklärt Apothekerin Andrea Seifert, Pressesprecherin der Region Nordhausen: Besonders kritisch ist das Embryonalstadium bis zum Ende der achten Schwangerschaftswoche, in dem die äußeren und inneren Organe angelegt werden. Später in der Schwangerschaft kann dagegen beispielsweise das Risiko einer Frühgeburt erhöht sein.
Und noch in der Stillzeit können sich derartige Einflüsse – auch Nikotin und Alkohol gehören dazu – über die Muttermilch negativ auf das Kind auswirken. Werdende und stillende Mütter sollten auf Medikamente daher am besten komplett verzichten.
Nicht immer ist das möglich: Wer unter chronischen Krankheiten wie Diabetes, Asthma oder Bluthochdruck leidet, benötigt oft eine Dauermedikation. Und Kopfschmerzen oder ein grippaler Infekt plagen auch Schwangere und Stillende. Was tun? Zunächst sollte die Patientin jeden behandelnden Arzt informieren, dass sie schwanger ist oder noch stillt, auch den Augen- oder Zahnarzt, rät Seifert: Zudem sollte sie jede geplante Arzneimittelanwendung mit dem Arzt oder Apotheker besprechen, gerade auch bei nicht Präparaten die verschreibungspflichtig sind und sogar bei äußerlich anzuwendenden Mitteln.
Das gilt auch für pflanzliche und homöopathische Präparate, die nicht immer so unbedenklich sind, wie viele glauben. Bei chronischen Leiden wird der Arzt gegebenenfalls das Arzneimittel austauschen oder die Dosis verändern. Am besten bespricht Frau das mit ihrem Arzt bereits vor Beginn einer geplanten Schwangerschaft. Keinesfalls dürfen ärztlich verordnete Medikamente eigenmächtig abgesetzt oder die Dosis verändert werden, warnt die Apothekerin.
Akuterkrankungen und Alltagsbeschwerden lassen sich oft schon mit bewährten Hausmitteln lindern: eine Spülung mit Salzwasser befreit die verstopfte Nase, Kamillendampf wirkt wohltuend auf die Atemwege. Bei Husten helfen Präparate mit Thymian- oder Efeuextrakt. Fieber lässt sich mit Wadenwickeln senken, bei Verdauungsproblemen wirkt oft schon ein wenig Bewegung Wunder. Gegen Magenbeschwerden haben sich Tees aus Anis, Fenchel, Kümmel oder Kamille bewährt. Auch Salbeitee zum Gurgeln und Pfefferminze z. B. gegen Kopfschmerzen stehen hoch im Kurs. Auf diese beiden sollten Stillende allerdings lieber verzichten: sie können die Milchbildung hemmen.
Erst wenn solche Maßnahmen erfolglos bleiben, sollte gemeinsam mit dem Arzt oder Apotheker der Einsatz eines Medikaments erwogen werden: Für die meisten Indikationen stehen Arzneimittel zur Verfügung, die schon jahrzehntelang komplikationsfrei bei Schwangeren eingesetzt und daher als ungefährlich eingestuft wurden, weiß Seifert. Vorsicht ist gleichwohl auch hier geboten: lange galt etwa Paracetamol als Schmerzmittel der Wahl. Mittlerweile gibt es Hinweise darauf, dass eine längerfristige Einnahme während der Schwangerschaft sich negativ auf die spätere Entwicklung des Kindes auswirken könnte.
Wer auf Nummer Sicher gehen will, kann sich im Internet zu Verträglichkeit und möglichen Risiken der wichtigsten Medikamente und Wirkstoffe informieren: Unter www.embryotox.de hat man Zugriff auf die gesammelten Daten des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie der Charité Berlin.
Autor: redVor jeder Medikamentengabe muss deshalb geklärt sein, dass die Wirkstoffe für das Kind unbedenklich sind. Thüringens Apothekerinnen und Apotheker sagen, worauf Schwangere und Stillende achten müssen – und was hilft.
Zwischen 15 und 50% aller Schwangeren nehmen Umfragen zufolge im ersten drittel der Schwangerschaft Medikamente ein – oft noch ohne zu wissen, dass sie schwanger sind. Doch nicht alles, was der Mutter hilft, ist auch gut für das Baby: Die in Arzneimitteln enthaltenen Wirkstoffe können die gesunde Entwicklung des Kindes beeinträchtigen und beim Ungeborenen zu schweren Missbildungen führen. Das Baby im Bauch der Mutter ist über Nabelschnur und Plazenta direkt an den mütterlichen Stoffwechsel angeschlossen.
Nahezu alle chemischen Substanzen, die in den mütterlichen Körper gelangen, erreichen auch das Kind, erklärt Apothekerin Andrea Seifert, Pressesprecherin der Region Nordhausen: Besonders kritisch ist das Embryonalstadium bis zum Ende der achten Schwangerschaftswoche, in dem die äußeren und inneren Organe angelegt werden. Später in der Schwangerschaft kann dagegen beispielsweise das Risiko einer Frühgeburt erhöht sein.
Und noch in der Stillzeit können sich derartige Einflüsse – auch Nikotin und Alkohol gehören dazu – über die Muttermilch negativ auf das Kind auswirken. Werdende und stillende Mütter sollten auf Medikamente daher am besten komplett verzichten.
Nicht immer ist das möglich: Wer unter chronischen Krankheiten wie Diabetes, Asthma oder Bluthochdruck leidet, benötigt oft eine Dauermedikation. Und Kopfschmerzen oder ein grippaler Infekt plagen auch Schwangere und Stillende. Was tun? Zunächst sollte die Patientin jeden behandelnden Arzt informieren, dass sie schwanger ist oder noch stillt, auch den Augen- oder Zahnarzt, rät Seifert: Zudem sollte sie jede geplante Arzneimittelanwendung mit dem Arzt oder Apotheker besprechen, gerade auch bei nicht Präparaten die verschreibungspflichtig sind und sogar bei äußerlich anzuwendenden Mitteln.
Das gilt auch für pflanzliche und homöopathische Präparate, die nicht immer so unbedenklich sind, wie viele glauben. Bei chronischen Leiden wird der Arzt gegebenenfalls das Arzneimittel austauschen oder die Dosis verändern. Am besten bespricht Frau das mit ihrem Arzt bereits vor Beginn einer geplanten Schwangerschaft. Keinesfalls dürfen ärztlich verordnete Medikamente eigenmächtig abgesetzt oder die Dosis verändert werden, warnt die Apothekerin.
Akuterkrankungen und Alltagsbeschwerden lassen sich oft schon mit bewährten Hausmitteln lindern: eine Spülung mit Salzwasser befreit die verstopfte Nase, Kamillendampf wirkt wohltuend auf die Atemwege. Bei Husten helfen Präparate mit Thymian- oder Efeuextrakt. Fieber lässt sich mit Wadenwickeln senken, bei Verdauungsproblemen wirkt oft schon ein wenig Bewegung Wunder. Gegen Magenbeschwerden haben sich Tees aus Anis, Fenchel, Kümmel oder Kamille bewährt. Auch Salbeitee zum Gurgeln und Pfefferminze z. B. gegen Kopfschmerzen stehen hoch im Kurs. Auf diese beiden sollten Stillende allerdings lieber verzichten: sie können die Milchbildung hemmen.
Erst wenn solche Maßnahmen erfolglos bleiben, sollte gemeinsam mit dem Arzt oder Apotheker der Einsatz eines Medikaments erwogen werden: Für die meisten Indikationen stehen Arzneimittel zur Verfügung, die schon jahrzehntelang komplikationsfrei bei Schwangeren eingesetzt und daher als ungefährlich eingestuft wurden, weiß Seifert. Vorsicht ist gleichwohl auch hier geboten: lange galt etwa Paracetamol als Schmerzmittel der Wahl. Mittlerweile gibt es Hinweise darauf, dass eine längerfristige Einnahme während der Schwangerschaft sich negativ auf die spätere Entwicklung des Kindes auswirken könnte.
Wer auf Nummer Sicher gehen will, kann sich im Internet zu Verträglichkeit und möglichen Risiken der wichtigsten Medikamente und Wirkstoffe informieren: Unter www.embryotox.de hat man Zugriff auf die gesammelten Daten des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie der Charité Berlin.