Di, 08:45 Uhr
01.07.2014
Ein Traum wurde wahr
Für blinde und sehbehinderte Menschen ist der normale Alltag eines Menschen sehr eingeschränkt. Das fängt ganz kleinen Dingen an, wie bei der Auswahl der Kleidung und geht bis hin zur Teilnahme am Straßenverkehr. Doch einige testeten sich jetzt als Dampflokführer...
Monika Eck aus Leinefelde auf der Dampflok
Können Blinde und Sehbehinderte eine Dampflok fahren? Nein, wird jeder sofort sagen. Auf Grund der großen Seheinschränkung ist das doch nicht möglich. Normalerweise bleibt dieser Wunsch eines Sehgeschädigten nur ein Traum. Diesen ließen kürzlich das Dampflokwerk Meiningen und der Meininger Dampflokverein in Zusammenarbeit mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband des Landkreises Schmalkalden-Meiningen Wirklichkeit werden.
Petra Paschel aus Gerbershausen beim Ertasten eines Rades
Die Kapazität war aber begrenzt. So reisten 60 Verbandsfreunde und ihre Begleitpersonen aus ganz Thüringen, unter ihnen auch Teilnehmer aus dem Eichsfeld, an einem Sonnabend nach Südthüringen.
Bevor sie aber fahren durften, erhielten die künftigen Lokführer auf Zeit eine Unterweisung über die Bestandteile und Funktionsweise einer Dampflok in Form eines Audio-Beitrages. Helfer brachten die Teilnehmer zur Lokomotive, die auf dem Außengelände des Werkes fahrbereit wartete.
Aus der Eichsfelder Delegation durfte Monika Eck aus Leinefelde als Erste die Lok fahren. Bequem, über eine extra, außen aufgestellte Treppe, gelangte sie auf den Führerstand der Lokomotive, wo ein Heizer und der erfahrene Dampflokführer Manfred Riesel bereits auf sie warteten. Vor Ort erfolgte eine nochmalige Einweisung und Monika Eck setzte die Lokomotive unter Anleitung ganz langsam in Bewegung. Aber schnell nahm das riesige, schnaufende Gefährt an Geschwindigkeit zu und entwickelte dabei ungeahnte Kräfte. Langsam bremste Monika Eck die Lok am Ende der Strecke ab und kam zum Stehen, bevor sie wieder zum Ausgangspunkt zurückfuhr.
Nach gelungener Fahrt und mit einem strahlendem Lächeln im Gesicht war ihr die Freude sichtlich anzumerken. Ich bin froh und glücklich, es ist ein unbeschreibliches Gefühl, so Eck beim Verlassen des Führerstandes. Stolz präsentierte sie dann ihre Urkunde, die sie sicherlich noch lange an diesen Tag in Meiningen erinnern wird.
Waggons der Harzer Schmalspurbahn zur Reparatur im Werk
Wer nach dem Erlebnis auf der Lok noch nicht genug von Nostalgie hatte, konnte an einer Führung durch die riesige Werkshalle, des 1914 gegründeten Dampflokwerkes teilnehmen. Mit diesem Werk verfügt die DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH heute über das letzte größere Instandsetzungswerk für Dampflokomotiven in Westeuropa. Wobei es sich in den letzten Jahren zu einem Kompetenzzentrum für historische Schienenfahrzeuge entwickelt hat.
Rainer Scholze stellte während der Führung den Blinden und Sehbehinderten die einzelnen Bereiche des Werkes vor.
Sehr alte Maschinen, teilweise aus dem Jahr 1942, versehen noch heute ihren Dienst. Im Werk arbeiten hochqualifizierte Mitarbeiter. Besonders beim Kesselbau sei große Erfahrung erforderlich. Interessiert hörten die Besucher, als Scholze auch über den Unfall im Jahr 1951, bei dem durch eine Kesselexplosion im Anheizhaus elf Personen ums Leben kamen, berichtete. Fotos auf Schautafeln im Werk zeigen die schlimmen Ausmaße des damaligen Unfalls.
Und überall in der großen Halle stehen Loks und Wagen, zur Reparatur und Instandhaltung, auch von der Harzer Schmalspurbahn. Viele Einzelteile warten darauf, später wieder an die richtige Stelle gebaut zu werden. Gern beantwortete Scholze die vielen Fragen der Besucher. Verbandsmitglied Petra Paschel aus Gerbershausen interessierte sich neben Monika Eck auch für die riesigen Räder, die einen Durchmesser von gut zwei Metern hatten und die sie selbstverständlich ertasten durften.
Silke Senge
Autor: enMonika Eck aus Leinefelde auf der Dampflok
Können Blinde und Sehbehinderte eine Dampflok fahren? Nein, wird jeder sofort sagen. Auf Grund der großen Seheinschränkung ist das doch nicht möglich. Normalerweise bleibt dieser Wunsch eines Sehgeschädigten nur ein Traum. Diesen ließen kürzlich das Dampflokwerk Meiningen und der Meininger Dampflokverein in Zusammenarbeit mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband des Landkreises Schmalkalden-Meiningen Wirklichkeit werden.
Petra Paschel aus Gerbershausen beim Ertasten eines Rades
Die Kapazität war aber begrenzt. So reisten 60 Verbandsfreunde und ihre Begleitpersonen aus ganz Thüringen, unter ihnen auch Teilnehmer aus dem Eichsfeld, an einem Sonnabend nach Südthüringen.
Bevor sie aber fahren durften, erhielten die künftigen Lokführer auf Zeit eine Unterweisung über die Bestandteile und Funktionsweise einer Dampflok in Form eines Audio-Beitrages. Helfer brachten die Teilnehmer zur Lokomotive, die auf dem Außengelände des Werkes fahrbereit wartete.
Aus der Eichsfelder Delegation durfte Monika Eck aus Leinefelde als Erste die Lok fahren. Bequem, über eine extra, außen aufgestellte Treppe, gelangte sie auf den Führerstand der Lokomotive, wo ein Heizer und der erfahrene Dampflokführer Manfred Riesel bereits auf sie warteten. Vor Ort erfolgte eine nochmalige Einweisung und Monika Eck setzte die Lokomotive unter Anleitung ganz langsam in Bewegung. Aber schnell nahm das riesige, schnaufende Gefährt an Geschwindigkeit zu und entwickelte dabei ungeahnte Kräfte. Langsam bremste Monika Eck die Lok am Ende der Strecke ab und kam zum Stehen, bevor sie wieder zum Ausgangspunkt zurückfuhr.
Nach gelungener Fahrt und mit einem strahlendem Lächeln im Gesicht war ihr die Freude sichtlich anzumerken. Ich bin froh und glücklich, es ist ein unbeschreibliches Gefühl, so Eck beim Verlassen des Führerstandes. Stolz präsentierte sie dann ihre Urkunde, die sie sicherlich noch lange an diesen Tag in Meiningen erinnern wird.
Waggons der Harzer Schmalspurbahn zur Reparatur im Werk
Wer nach dem Erlebnis auf der Lok noch nicht genug von Nostalgie hatte, konnte an einer Führung durch die riesige Werkshalle, des 1914 gegründeten Dampflokwerkes teilnehmen. Mit diesem Werk verfügt die DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH heute über das letzte größere Instandsetzungswerk für Dampflokomotiven in Westeuropa. Wobei es sich in den letzten Jahren zu einem Kompetenzzentrum für historische Schienenfahrzeuge entwickelt hat.
Rainer Scholze stellte während der Führung den Blinden und Sehbehinderten die einzelnen Bereiche des Werkes vor.
Sehr alte Maschinen, teilweise aus dem Jahr 1942, versehen noch heute ihren Dienst. Im Werk arbeiten hochqualifizierte Mitarbeiter. Besonders beim Kesselbau sei große Erfahrung erforderlich. Interessiert hörten die Besucher, als Scholze auch über den Unfall im Jahr 1951, bei dem durch eine Kesselexplosion im Anheizhaus elf Personen ums Leben kamen, berichtete. Fotos auf Schautafeln im Werk zeigen die schlimmen Ausmaße des damaligen Unfalls.
Und überall in der großen Halle stehen Loks und Wagen, zur Reparatur und Instandhaltung, auch von der Harzer Schmalspurbahn. Viele Einzelteile warten darauf, später wieder an die richtige Stelle gebaut zu werden. Gern beantwortete Scholze die vielen Fragen der Besucher. Verbandsmitglied Petra Paschel aus Gerbershausen interessierte sich neben Monika Eck auch für die riesigen Räder, die einen Durchmesser von gut zwei Metern hatten und die sie selbstverständlich ertasten durften.
Silke Senge


