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Mo, 16:09 Uhr
21.09.2015
Musikerfahrungen von Gehörlosen

Sebastians Traum

Ob sein Traum in Erfüllung gehen wird und er als gehörloser Mensch lernen kann, Violoncello zu spielen? Für Menschen, die normal hören können, ist es vielleicht nur eine Frage des Interesses, für Sebastian Braun ist das eine Herausforderung, er ist gehörlos....

Sebastian Braun (Foto: Gisela Reinhardt) Sebastian Braun (Foto: Gisela Reinhardt) „Sie weiß nicht, dass der Schnee lautlos auf die Erde fällt. Merkt nichts vom Klopfen an der Wand. Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist....Wenn der Boden unter den Füßen bebt. Dann vergisst sie, dass sie taub ist.“ Herbert Grönemeyer beschreibt in seinem Song ganz einfühlsam, wie eine junge gehörlose Frau Musik wahrnimmt und beschreibt gleichsam mit einfachen Worten, wie wichtig Musik auch für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung sein kann.

„Der Mann ihrer Träume muss ein Bassmann sein. Das Kitzeln im Bauch macht sie verrückt. Ihr Mund scheint vor lauter Glück still zu schreien. Ihr Blick ist der Welt entrückt.“ Viele Forscher haben belegt, dass sich Musik, die über das Ohr aufgenommen wird, positiv auf die soziale und geistige Entwicklung (Schulung von Konzentration und Gedächtnis) des Menschen sowie positiv auf das Wohlbefinden auswirkt. Doch wie kann ein Mensch, dessen Hörvermögen beeinträchtigt oder nicht mehr vorhanden ist von Musik profitieren?

Dieser Frage wurde am Samstag im 2. Teil des Projektes „Musik erleben“, das von der Lebenshilfe Leinefelde-Worbis initiiert und im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, nachgegangen.

Hierbei haben gehörlose Menschen nicht nur Resonanzwahrnehmungen und Schwingungen von lauten und tiefen Bassklängen gespürt, sondern jeder hatte die Möglichkeit, selbst ein Instrument zu spielen. Sie entdeckten die Musik über ihr eigenes Musikspiel, gewissermaßen von innen über die direkte Erfahrung des eigenen Spiels. Es gab „Aha-Erlebnisse“ beim Fühlen und Spielen. Das vibrierende Gefühl in Brust und Bauch war für die Teilnehmer am deutlichsten spürbar, daher löste das Erlebnis mit dem Instrument eine große Faszination aus.

Aber auch die Hände und Fingerspitzen, die mit den meisten Sensoren ausgestattet sind, ermöglichen eine genaue Frequenzunterscheidung. Für die hörenden Teilnehmer war es ein emotionales, unvergleichliches Erlebnis, mit welchem Eifer, Spaß und sichtbarer Überraschung die gehörlosen Teilnehmer die Instrumente spielten. Dabei war es sehr schwer, mussten Sie doch den Anweisungen des Musiklehrers und der Übersetzung durch die Gebärdendolmetscher folgen, auf die Noten schauen und ganz nebenbei auch noch die richtigen Saiten anschlagen.

Das war eine enorme Herausforderung, die aber von allen gut gemeistert wurde. Zuzuschauen, mit wie viel Freude geübt wurde und wie gut alles gelang, sorgte für emotionale Rührung und Freudentränen bei den Projektverantwortlichen.

Sebastian Braun, 26 Jahre alt, gehörlos und Beschäftigter in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung bei der Lebenshilfe Leinefelde-Worbis war vom eigenen Violoncello-Spiel vollkommen begeistert. Seine Augen glänzten vor Aufregung und er staunte über sich selbst und seine neuen Erfahrungen. Er gebärdete, dass es sein größter Traum ist, das Instrument Violoncello spielen zu lernen.

Die Gebärdendolmetscher scherzten, dass das dann auch für sie eine nicht gekannte Herausforderung wäre. Ob sein Traum in Erfüllung gehen wird und er als gehörloser Mensch lernen kann, Violoncello zu spielen?
Gisela Reinhardt
Autor: en

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