Fr, 12:44 Uhr
30.10.2015
Offener Brief des Landrates an Landtagsabgeordnete
Es geht um die Brenntage
In einem Offenen Brief wendet sich der Landrat des Eichsfeldkreises, Dr. Werner Henning, an die Abgeordneten des Thüringer Landtages zum Erhalt der Brenntage....
Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordneten des Thüringer Landtages, derzeit macht die Diskussion um die Brenntage für das kommende Jahr im ländlichen Raum wieder die Runde. Dem Vernehmen nach soll es dann keine Rechtsgrundlage mehr geben, welche es den Landräten erlaubt, im bisherigen Rahmen das Verbrennen von Baum- und Strauchschnitt zuzulassen. Ich bitte Sie dringend, dieses noch einmal zu überdenken und es bei den Regelungen der letzten Jahre zu belassen.
Das Leben in Thüringen findet zumeist auf Dörfern und in Kleinstädten statt. Dazu gehören große Gärten und Streuobstwiesen, die gepflegt werden müssen. Der hier anfallende Baum- und Strauchschnitt ist nur mit einem unverhältnismäßig hohen Kraft- Logistik- und auch Kostenaufwand vollständig in dem gewünschten Wertstoffkreislauf energetisch zu nutzen. Wird aber nur dieses zugelassen, so werden die meisten größeren Streuobstwiesen langsam verwildern. Das Obst ist
ohnehin nur noch bedingt wirtschaftlich verwertbar.
Kommen dann die befürchteten großen Hürden in der Entsorgung der sonst verbrannten Schnittreste noch hinzu, dann werden viele ihre Gärten nicht mehr in der bisher gewohnten Weise pflegen. Ich bedauere den damit einhergehenden Mangel an Ordnung und den Niedergang der Kulturlandschaft.
Ohne polemisch werden zu wollen, bitte ich Sie dennoch, sich wirklich auf Ihre eigenen Kernaufgaben zu konzentrieren, die gewiss überaus beträchtlich sind. Mit den jetzt angedachten Einschränkungen im Gebrauch des Feuers berühren Sie aber wohl eher Fragen, mit denen Sie in die Tiefe kultureller menschheitlicher Belange vordringen.
So wurde Goethes Prometheus – in seinem gleichnamigen Gedicht - vom Göttervater Zeuss ja gerade dafür zur Strafe an den Kaukasus geschmiedet, weil er den Menschen das Feuer zu Ihrem Gebrauche brachte, womit sie in einem nicht gewollten Maße von den Göttern frei wurden.
Der Gebrauch des Feuers durch denen Menschen – ob arm oder reich - ist damit zu einem sehr wichtigen Symbol für die Freiwerdung des Menschen von göttlichen Zwängen geworden.
Ich bitte darum, diese Metapher auch für Ihr Tun zu beherzigen und unseren Menschen die Möglichkeit zum Verbrennen von Baum- und Strauchschnitt zu belassen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Werner Henning
Autor: enSehr geehrte Damen und Herren Abgeordneten des Thüringer Landtages, derzeit macht die Diskussion um die Brenntage für das kommende Jahr im ländlichen Raum wieder die Runde. Dem Vernehmen nach soll es dann keine Rechtsgrundlage mehr geben, welche es den Landräten erlaubt, im bisherigen Rahmen das Verbrennen von Baum- und Strauchschnitt zuzulassen. Ich bitte Sie dringend, dieses noch einmal zu überdenken und es bei den Regelungen der letzten Jahre zu belassen.
Das Leben in Thüringen findet zumeist auf Dörfern und in Kleinstädten statt. Dazu gehören große Gärten und Streuobstwiesen, die gepflegt werden müssen. Der hier anfallende Baum- und Strauchschnitt ist nur mit einem unverhältnismäßig hohen Kraft- Logistik- und auch Kostenaufwand vollständig in dem gewünschten Wertstoffkreislauf energetisch zu nutzen. Wird aber nur dieses zugelassen, so werden die meisten größeren Streuobstwiesen langsam verwildern. Das Obst ist
ohnehin nur noch bedingt wirtschaftlich verwertbar.
Kommen dann die befürchteten großen Hürden in der Entsorgung der sonst verbrannten Schnittreste noch hinzu, dann werden viele ihre Gärten nicht mehr in der bisher gewohnten Weise pflegen. Ich bedauere den damit einhergehenden Mangel an Ordnung und den Niedergang der Kulturlandschaft.
Ohne polemisch werden zu wollen, bitte ich Sie dennoch, sich wirklich auf Ihre eigenen Kernaufgaben zu konzentrieren, die gewiss überaus beträchtlich sind. Mit den jetzt angedachten Einschränkungen im Gebrauch des Feuers berühren Sie aber wohl eher Fragen, mit denen Sie in die Tiefe kultureller menschheitlicher Belange vordringen.
So wurde Goethes Prometheus – in seinem gleichnamigen Gedicht - vom Göttervater Zeuss ja gerade dafür zur Strafe an den Kaukasus geschmiedet, weil er den Menschen das Feuer zu Ihrem Gebrauche brachte, womit sie in einem nicht gewollten Maße von den Göttern frei wurden.
Der Gebrauch des Feuers durch denen Menschen – ob arm oder reich - ist damit zu einem sehr wichtigen Symbol für die Freiwerdung des Menschen von göttlichen Zwängen geworden.
Ich bitte darum, diese Metapher auch für Ihr Tun zu beherzigen und unseren Menschen die Möglichkeit zum Verbrennen von Baum- und Strauchschnitt zu belassen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Werner Henning