Fr, 07:22 Uhr
06.11.2015
Tourismusbranche vor Strukturwandel
Niedrige Umsätze und Gewinne
Niedrige Umsätze und Gewinne bremsen Investitionen und notwendige Umstrukturierungen im Thüringer Hotel- und Gaststättengewerbe. Das sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee mit Blick auf die gestern vorgelegte Konjunkturumfrage des DEHOGA Thüringen.....
Bei einem durchschnittlichen Umsatz von 182.000 Euro pro Unternehmen liegt die Thüringer Branche deutlich (um ca. 140.000 Euro) unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt und auf dem letzten Platz aller Bundesländer. An dieser Tatsache hat sich seit 1998 der ersten derartigen Konjunkturerhebung wenig geändert.
Die Situation ist paradox, sagte Tiefensee. Umsätze und Gewinne im Tourismus schrumpfen seit Jahren trotz steigender Gäste- und Übernachtungszahlen. Über ganz Thüringen gesehen ist die Nachfrage also da, aber die Unternehmen können davon nicht ausreichend profitieren, so der Minister. Das hat vor allem damit zu tun, dass außerhalb der großen Städte und bekannten Tourismusmagneten die Nachfrage zurückgeht. Die Hauptursachen sieht der Wirtschaftsminister vor allem in der Kleinteiligkeit der Thüringer Branche oft kleine Familienbetriebe mit zwei bis drei Beschäftigten , dem Bevölkerungsrückgang gerade im ländlichen Raum Thüringens sowie einem geänderten Konsum- und Mobilitätsverhalten.
Ein zentrales Problem sind die vielen kleinen Hotels und Restaurants in Thüringen, die sich mangels Nachfrage inzwischen kaum noch selbst tragen, sagte der Minister. Teilweise würden hier Jahresgewinne von lediglich 7.000 bis 18.000 Euro erzielt, von denen dann u.a. Gehälter, Versicherungen, Kreditraten und Investitionen bezahlt werden müssten. Hier werde es ganz sicher gewisse Marktanpassungen und einen Konzentrationsprozess geben, so Tiefensee: Die öffentliche Hand kann nicht am Markt vorbei ein flächendeckendes Angebot an Dorfkneipen aufrechterhalten, wenn es gerade im ländlichen Raum die Nachfrage danach nicht mehr gibt, sagte der Minister. Zum geänderten Konsumverhalten gehöre es, dass die Menschen weniger ausgingen, dann aber das besondere Erlebnis suchten und dafür auch längere Anfahrten in Kauf nähmen. Das mag man bedauern, aber man darf die Augen nicht davor verschließen: Wie der Handel steht auch die gesamte Tourismusbranche heute vor einem tiefgreifenden strukturellen Wandel.
Das Thüringer Gastgewerbe muss mehr in sein Wachstum, in neue Angebote und in die Qualitätssicherung investieren, um diesen Wandel zu meistern, zieht Wirtschaftsminister Tiefensee die Konsequenz aus den DEHOGA-Zahlen. Er kündigte eine neue touristische Wachstums- und Investitionsoffensive an. Dabei gehe es vor allem um Investitionen in hochwertige Gastronomie und Hotellerie, aber auch um den Ausbau der touristischen Infrastruktur. Das Land stelle dafür allein in diesem Jahr rund 40 Millionen Euro für die Tourismusförderung bereit, bis 2020 rund 250 Millionen Euro. Das ist ein tourismuspolitischer Hebel, den wir gezielt einsetzen werden, sagte Minister Tiefensee. Die Spirale kleine Betriebe geringe Umsätze niedrige Investitionen muss durchbrochen werden.
Wichtig sei es darüber hinaus, die Profilierung von wichtigen Tourismusstandorten und regionen voranzutreiben sowie Imagebildung und Marketing für das Reiseland Thüringen insgesamt zu verbessern. Dazu gehöre es, das Auslandsmarketing zu verstärken, so Tiefensee. Hierfür werde das Thüringer Wirtschaftsministerium deshalb bis 2020 jährlich rund eine Million Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zusätzlich bereitstellen.
Der Minister teilt die Auffassung des DEHOGA Thüringen, dass steigende Betriebskosten, fehlende Fachkräfte und geringe Investitionsspielräume für die unbefriedigende Umsatz- und Wettbewerbssituation im Thüringer Gastgewerbe verantwortlich seien. Er widersprach aber der Annahme, die schwierige Gewinn- und Umsatzsituation des Gastgewerbes sei auf bürokratische Vorschriften etwa bezüglich Kennzeichnung, Hygiene, Arbeitszeiterfassung, Arbeits- oder Datenschutz und den Mindestlohn zurückzuführen. Das schließe ich aus, sagte der Wirtschaftsminister.
Zum einen habe die Branche in ganz Deutschland mit denselben Vorschriften zu tun und entwickele sich dennoch vielerorts hervorragend. Zum anderen sei seit der Einführung des Mindestlohns kein Trend zum Negativen erkennbar im Gegenteil: Im Vergleich zum Januar 2014 war die Zahl der Betriebe lediglich noch um zwei Unternehmen zurückgegangen. Und: Erstmals seit 2005 waren im ersten Halbjahr 2015 die Umsätze wieder gestiegen um 2,7 Prozent.
Autor: enBei einem durchschnittlichen Umsatz von 182.000 Euro pro Unternehmen liegt die Thüringer Branche deutlich (um ca. 140.000 Euro) unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt und auf dem letzten Platz aller Bundesländer. An dieser Tatsache hat sich seit 1998 der ersten derartigen Konjunkturerhebung wenig geändert.
Die Situation ist paradox, sagte Tiefensee. Umsätze und Gewinne im Tourismus schrumpfen seit Jahren trotz steigender Gäste- und Übernachtungszahlen. Über ganz Thüringen gesehen ist die Nachfrage also da, aber die Unternehmen können davon nicht ausreichend profitieren, so der Minister. Das hat vor allem damit zu tun, dass außerhalb der großen Städte und bekannten Tourismusmagneten die Nachfrage zurückgeht. Die Hauptursachen sieht der Wirtschaftsminister vor allem in der Kleinteiligkeit der Thüringer Branche oft kleine Familienbetriebe mit zwei bis drei Beschäftigten , dem Bevölkerungsrückgang gerade im ländlichen Raum Thüringens sowie einem geänderten Konsum- und Mobilitätsverhalten.
Ein zentrales Problem sind die vielen kleinen Hotels und Restaurants in Thüringen, die sich mangels Nachfrage inzwischen kaum noch selbst tragen, sagte der Minister. Teilweise würden hier Jahresgewinne von lediglich 7.000 bis 18.000 Euro erzielt, von denen dann u.a. Gehälter, Versicherungen, Kreditraten und Investitionen bezahlt werden müssten. Hier werde es ganz sicher gewisse Marktanpassungen und einen Konzentrationsprozess geben, so Tiefensee: Die öffentliche Hand kann nicht am Markt vorbei ein flächendeckendes Angebot an Dorfkneipen aufrechterhalten, wenn es gerade im ländlichen Raum die Nachfrage danach nicht mehr gibt, sagte der Minister. Zum geänderten Konsumverhalten gehöre es, dass die Menschen weniger ausgingen, dann aber das besondere Erlebnis suchten und dafür auch längere Anfahrten in Kauf nähmen. Das mag man bedauern, aber man darf die Augen nicht davor verschließen: Wie der Handel steht auch die gesamte Tourismusbranche heute vor einem tiefgreifenden strukturellen Wandel.
Das Thüringer Gastgewerbe muss mehr in sein Wachstum, in neue Angebote und in die Qualitätssicherung investieren, um diesen Wandel zu meistern, zieht Wirtschaftsminister Tiefensee die Konsequenz aus den DEHOGA-Zahlen. Er kündigte eine neue touristische Wachstums- und Investitionsoffensive an. Dabei gehe es vor allem um Investitionen in hochwertige Gastronomie und Hotellerie, aber auch um den Ausbau der touristischen Infrastruktur. Das Land stelle dafür allein in diesem Jahr rund 40 Millionen Euro für die Tourismusförderung bereit, bis 2020 rund 250 Millionen Euro. Das ist ein tourismuspolitischer Hebel, den wir gezielt einsetzen werden, sagte Minister Tiefensee. Die Spirale kleine Betriebe geringe Umsätze niedrige Investitionen muss durchbrochen werden.
Wichtig sei es darüber hinaus, die Profilierung von wichtigen Tourismusstandorten und regionen voranzutreiben sowie Imagebildung und Marketing für das Reiseland Thüringen insgesamt zu verbessern. Dazu gehöre es, das Auslandsmarketing zu verstärken, so Tiefensee. Hierfür werde das Thüringer Wirtschaftsministerium deshalb bis 2020 jährlich rund eine Million Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zusätzlich bereitstellen.
Der Minister teilt die Auffassung des DEHOGA Thüringen, dass steigende Betriebskosten, fehlende Fachkräfte und geringe Investitionsspielräume für die unbefriedigende Umsatz- und Wettbewerbssituation im Thüringer Gastgewerbe verantwortlich seien. Er widersprach aber der Annahme, die schwierige Gewinn- und Umsatzsituation des Gastgewerbes sei auf bürokratische Vorschriften etwa bezüglich Kennzeichnung, Hygiene, Arbeitszeiterfassung, Arbeits- oder Datenschutz und den Mindestlohn zurückzuführen. Das schließe ich aus, sagte der Wirtschaftsminister.
Zum einen habe die Branche in ganz Deutschland mit denselben Vorschriften zu tun und entwickele sich dennoch vielerorts hervorragend. Zum anderen sei seit der Einführung des Mindestlohns kein Trend zum Negativen erkennbar im Gegenteil: Im Vergleich zum Januar 2014 war die Zahl der Betriebe lediglich noch um zwei Unternehmen zurückgegangen. Und: Erstmals seit 2005 waren im ersten Halbjahr 2015 die Umsätze wieder gestiegen um 2,7 Prozent.