Di, 18:04 Uhr
21.06.2016
Gedenkttag bei Tierschützern
Braunbär Bruno wurde vor zehn Jahren erschossen
Am kommenden Sonntag wehen schwarze Fahnen im sonst so naturbelassenen Gelände des Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald und auch im Alternativen Bärenpark wird man an einen Tag erinnern. Grund hierfür ist der zehnte Todestag des Braunbären JJ1, der als vermeintlicher Problembär BRUNO in die Geschichte einging. Seine Mutter JURKA lebt heute in Deutschland.....
Brunos Abschuss im Fußballsommer 2006 zeigte, wie verheerend unvorbereitet wir auf Wildtiere waren. Pure Ironie, dass die FIFA noch im Vorfeld der WM die Kampagne Green Goal startete, mit der ein Zeichen für Naturschutz und Umweltbewusstsein gesetzt werden sollte.
Naturschutz braucht jedoch nicht nur ein Image, sondern vor allem Identität. Daher deklarierte die STIFTUNG für BÄREN den 26-6 als Bärengedenktag. Ein Symbol für den Ruf nach einem einheitlichen, europaweiten Handlungsplan im Umgang mit großen Wildtieren, vor allem in Zentraleuropa, wo die Besiedlungs- und Verkehrsdichte am größten ist.
Verkörpert wird jener Ruf durch JURKA. Die einstige Wildbärin ist BRUNOs Mutter. Auch sie wurde Opfer menschlicher Gedankenlosigkeit und schließlich zum Problembär erklärt. Doch wie entwickelt unsere Lebenskultur sogenannte Problemtiere? Das Schicksal von JURKA und ihren Kindern gibt darüber Aufschluss. Als Wildbärin wurde sie in Slowenien geboren und von Menschen angefüttert.
Da sie menschliche Nähe nicht negativ empfand, konnte sie für ein Wiederansiedlungsprojekt in Italien eingefangen und dort ausgewildert werden. Ihre Erfahrung hatte sie gelehrt, dass es in Menschennähe Nahrung gibt. Jenes Wissen gab sie auch an ihre Nachkommen weiter. BRUNO und seine Geschwister merkten schnell, dass es in Siedlungen einfache Beute gibt. Schließlich wurden sie getötet. Durch menschliches Fehlverhalten mussten also vier Bären sinnlos sterben.
JURKA selbst lebt heute im Tierschutzprojekt der STIFTUNG für BÄREN, dem Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald. Ihr Freiheitswille ist auch nach all den Jahren gegenwärtig. Sie klettert in die Spitzen der Fichten, versucht mit Ästen den Stromzaun zu erden und vermittelt natürliche Intelligenz bei Wildbären. Wenn der Mensch schon soviel Aufwand betreibt um Wildtiere durch Stromzäune und dergleichen einzusperren, warum kriegen wir es dann nicht hin, unser Hab und Gut so zu schützen, damit Bären und Wildtiere frei in unseren Wäldern leben können?
Fakt ist: zentraleuropäische Lebensweise ist schädlich für die wildlebenden Tiere. Ursachen dafür sind: zu wenig Lebensraum, zu wenig Nachhaltigkeit im Interesse der Natur und besonders schwerwiegend das Müllverhalten der Menschen, welches die Tiere zu opportunistischen Lebensweisen verführt. Auch andere Wildtiere, allen voran der Wolf, haben derzeit mit diesem Problem zu kämpfen.
Die STIFTUNG für BÄREN unterbreitet den Vorschlag zur Bildung einer oder mehrerer flexiblen Einsatzgruppen. Diese A-Teams sollten sich aus verschiedenen Bereichen zusammensetzen. Tierschützer, Forstwirte, Landwirte, Jäger und Wissenschaftler. Sie sollten Theorie und Praxis vereinen, Wildtiermanagement, Monitoring und Vergrämungsmaßnahmen umsetzten. Dazu bedarf es einer guten, technischen Ausrüstung und Erfahrung. Beispiele für ein funktionierendes Zusammenleben mit Bären durch eben solche Einsatzgruppen gibt es in Slowenien, Polen oder Italien.
Der Tod von BRUNO war sicherlich unnötig, aber hoffentlich nicht umsonst. JURKA als Botschafterin der Wildtiere erinnert uns daran, dass wir Geschehenes nicht ungeschehen machen können. Wir können und sollten jedoch daraus lernen. Daher sollten wir uns fragen: Haben wir die letzten zehn Jahre auch hinreichend genutzt? Denn der nächste Bär kommt bestimmt und dann sollte es wirklich heißen: Die Welt zu Gast bei Freunden.
Rüdiger Schmiedel
Geschäftsführer der STIFTUNG FÜR BÄREN Worbis
Autor: enBrunos Abschuss im Fußballsommer 2006 zeigte, wie verheerend unvorbereitet wir auf Wildtiere waren. Pure Ironie, dass die FIFA noch im Vorfeld der WM die Kampagne Green Goal startete, mit der ein Zeichen für Naturschutz und Umweltbewusstsein gesetzt werden sollte.
Naturschutz braucht jedoch nicht nur ein Image, sondern vor allem Identität. Daher deklarierte die STIFTUNG für BÄREN den 26-6 als Bärengedenktag. Ein Symbol für den Ruf nach einem einheitlichen, europaweiten Handlungsplan im Umgang mit großen Wildtieren, vor allem in Zentraleuropa, wo die Besiedlungs- und Verkehrsdichte am größten ist.
Verkörpert wird jener Ruf durch JURKA. Die einstige Wildbärin ist BRUNOs Mutter. Auch sie wurde Opfer menschlicher Gedankenlosigkeit und schließlich zum Problembär erklärt. Doch wie entwickelt unsere Lebenskultur sogenannte Problemtiere? Das Schicksal von JURKA und ihren Kindern gibt darüber Aufschluss. Als Wildbärin wurde sie in Slowenien geboren und von Menschen angefüttert.
Da sie menschliche Nähe nicht negativ empfand, konnte sie für ein Wiederansiedlungsprojekt in Italien eingefangen und dort ausgewildert werden. Ihre Erfahrung hatte sie gelehrt, dass es in Menschennähe Nahrung gibt. Jenes Wissen gab sie auch an ihre Nachkommen weiter. BRUNO und seine Geschwister merkten schnell, dass es in Siedlungen einfache Beute gibt. Schließlich wurden sie getötet. Durch menschliches Fehlverhalten mussten also vier Bären sinnlos sterben.
JURKA selbst lebt heute im Tierschutzprojekt der STIFTUNG für BÄREN, dem Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald. Ihr Freiheitswille ist auch nach all den Jahren gegenwärtig. Sie klettert in die Spitzen der Fichten, versucht mit Ästen den Stromzaun zu erden und vermittelt natürliche Intelligenz bei Wildbären. Wenn der Mensch schon soviel Aufwand betreibt um Wildtiere durch Stromzäune und dergleichen einzusperren, warum kriegen wir es dann nicht hin, unser Hab und Gut so zu schützen, damit Bären und Wildtiere frei in unseren Wäldern leben können?
Fakt ist: zentraleuropäische Lebensweise ist schädlich für die wildlebenden Tiere. Ursachen dafür sind: zu wenig Lebensraum, zu wenig Nachhaltigkeit im Interesse der Natur und besonders schwerwiegend das Müllverhalten der Menschen, welches die Tiere zu opportunistischen Lebensweisen verführt. Auch andere Wildtiere, allen voran der Wolf, haben derzeit mit diesem Problem zu kämpfen.
Die STIFTUNG für BÄREN unterbreitet den Vorschlag zur Bildung einer oder mehrerer flexiblen Einsatzgruppen. Diese A-Teams sollten sich aus verschiedenen Bereichen zusammensetzen. Tierschützer, Forstwirte, Landwirte, Jäger und Wissenschaftler. Sie sollten Theorie und Praxis vereinen, Wildtiermanagement, Monitoring und Vergrämungsmaßnahmen umsetzten. Dazu bedarf es einer guten, technischen Ausrüstung und Erfahrung. Beispiele für ein funktionierendes Zusammenleben mit Bären durch eben solche Einsatzgruppen gibt es in Slowenien, Polen oder Italien.
Der Tod von BRUNO war sicherlich unnötig, aber hoffentlich nicht umsonst. JURKA als Botschafterin der Wildtiere erinnert uns daran, dass wir Geschehenes nicht ungeschehen machen können. Wir können und sollten jedoch daraus lernen. Daher sollten wir uns fragen: Haben wir die letzten zehn Jahre auch hinreichend genutzt? Denn der nächste Bär kommt bestimmt und dann sollte es wirklich heißen: Die Welt zu Gast bei Freunden.
Rüdiger Schmiedel
Geschäftsführer der STIFTUNG FÜR BÄREN Worbis
