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Mi, 13:17 Uhr
28.12.2016
Leinefelde-Worbis

Handballschiri - Ein undankbarer Job?

Schiri sein. Ein undankbarer Job, könnte man meinen. Doch zwei Männer aus dem Eichsfeld denken anders und haben trotz der teils schwierigen Bedingungen Freude an dieser Aufgabe gefunden....

Schiedsrichter (Foto: Kiara Marschausen) Schiedsrichter (Foto: Kiara Marschausen)

Mit Leidenschaft Schiedsrichter: Christian Liebergesell und Jens Kolle (re.)

„Die, die nicht Handball spielen können, werden Schiedsrichter“, sagt der Worbiser Jens Kolle zu Beginn des Gesprächs. Seit seiner Kindheit spielte er Handball und trainierte später auch eigene Gruppen. Doch das reichte ihm im Jahr 2000 nicht mehr, denn er wollte seinem Kumpel Christian Liebergesell gleichkommen und begann so einen Schiedsrichterlehrgang.

Dieser hatte den Lehrgang, welcher aus vier Tagen besteht, bereits 1998 besucht. „Man musste damals Aufgaben im Verein übernehmen. Und die Arbeit als Schiedsrichter war eine lukrative Aufgabe, mit der man auch noch Geld verdienen konnte.“, so der Heiligenstädter. Doch wie man schnell an den Worten der beiden Männer merkt, ist dieses Geld heute nicht mehr wirklich dem hohen Zeitaufwand angemessen, den der Schiedsrichterjob erfordert.

Da die Sportler seit diesem Jahr in der Oberliga pfeifen und Worbis in dem niedersächsischem Verband gemeldet ist, sind die Fahrtwege oft sehr lang. „Manche Tage gehen dann einfach nur für Handball drauf. Dafür ist das Geld eigentlich viel zu wenig.“, sagt der 45-jährige Jens. Zeitlich sehr eingespannt in ihrem Schiedsrichterjob sind die Beiden auch, weil es immer weniger Schiedsrichter in der Region gibt und sie so noch zusätzliche Spiele übernehmen müssen.

Seit sie in der Oberliga pfeifen, stehen sie zusätzlich bei jedem Spiel unter der Kontrolle vom Handballbund. Somit ist es jedes Mal wie eine kleine Prüfung, die den Männern viel abverlangt. Dabei ist es wichtig auch an schlechten Tagen den Überblick über das Spiel zu behalten. Selbst dann, wenn eine Situation unübersichtlich wird. „Emotionen sind im Handball immer vorhanden.

Aber selbst wenn mal ein Pfiff von einem Spieler nicht so verstanden wird, wie wir ihn vielleicht verstehen, ist spätestens nach dem Spiel wieder alles gut.“, sagt der Sportler. Christian fügt noch hinzu, dass man über den Zurufen aus dem Publikum stehen muss, da man dagegen einfach nichts machen kann.

Außerdem merken sie zufrieden an, dass das Spiel in den steigenden Ligen immer sauberer wird. So hat man beispielsweise in der Oberliga viel weniger zu pfeifen, als in den unteren Ligen. Wenn man dann pfeift, muss man aber genau erklären können weshalb, da sich natürlich auch Spieler und Trainer auskennen. Auf die Frage, ob es ihnen manchmal schwer fällt nicht parteiisch zu sein, finden sie schnell eine Antwort: „Nein, das fällt uns überhaupt nicht schwer. Wir kennen in der Oberliga höchstens mal den Trainer einer Mannschaft von früheren Zeiten und grüßen ihn, aber sonst gelten auf dem Spielfeld die Handballregeln.“

Beim ersten Mal scheitere ihr Versuch als Schiedsrichter in die Oberliga der Frauen zu gelangen, weshalb sie jetzt sehr stolz sind, dass es beim zweiten Versuch schließlich geklappt hat. „Wir haben uns hoch gekämpft und unser letztes Ziel ist es nun die Oberliga der Männer zu pfeifen.

Vielleicht klappt das ja im nächsten Jahr.“, so der 36-jährige Liebergesell. Im Handball stehen immer zwei Schiedsrichter zugleich auf dem Platz. Christian und Jens sind schon seit 2003 als Schiedsrichtergespann unterwegs. „Wenn du nicht deinen Gespann-Partner hast, mit dem du schon jahrelang pfeifst, funktioniert es eigentlich nicht, da wir uns fast blind verstehen.“, so die Handballer.

Auf die abschließende Frage an Jens was Ehrenamt für ihn bedeutet, reagiert er wie folgt: „Die Vereine, wie der SV Einheit Worbis, werden sich wegbewegen müssen vom reinen Ehrenamt hin zu Dienstleistungen, bei denen die Trainer bezahlt werden. Damit können wir uns auch irgendwann von günstigen Vereinsbeiträgen verabschieden.“ Er macht damit deutlich, dass man auch die Schiedsrichter in Zukunft nur noch über das Geld bekommen werde. Wer gute Schiedsrichter und Trainer mit guter Leistung haben wolle, der müsse dafür bezahlen.

Christian Liebergesell fügt als letzten Gedanken an: „Wenn man sich Regionsspiele anschaut, sollte man nie die Bundesligaspiele als Maßstab nehmen, weil dort die Schiedsrichter vor jedem Spiel gesagt bekommen, was sie pfeifen und was sie durchgehen lassen sollen. Ab der Oberliga abwärts wird dann aber das komplette Regelbuch durchsetzt.“
Kia Marschhausen

Autor: en

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