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Sa, 09:46 Uhr
15.12.2018
Weiße Weihnachten:

Lag früher wirklich häufiger Schnee?

Nur noch zwei Wochen bis Weihnachten und die Frage nach Schnee zum Fest wird immer lauter. Schneeballschlacht und Schlittenfahrt standen schließlich in früheren Wintern ständig auf der Tagesordnung – das bilden wir uns zumindest ein. Die Wetterdaten belegen eine Erinnerungstrübung...


14 Tage vor Weihnachten kann man durchaus schon mal anfangen, leise zu spekulieren, ob es Schnee zu Weihnachten gibt. Die Tendenz sieht nach derzeitigem Stand sogar nicht mal schlecht aus. Nach dem vierten Advent könnte ein neuer Schwall kalter Luft zu uns gelangen. Ob dies dann auch Flocken bis in die Täler bedeutet, bleibt allerdings abzuwarten.

„Leider stehen die Chancen für Weiße Weihnachten statistisch gesehen aber grundsätzlich schlecht.: Eine weihnachtliche Winterlandschaft in Deutschland ist mit einer Wahrscheinlichkeit von unter 20 Prozent eher die Ausnahme und kommt nur alle fünf bis zehn Jahre vor“, erklärt Matthias Habel, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline.

Demnach vermitteln die romantisch verklärten Weihnachtsszenen aus Filmen, Fernsehen und Werbung ein Ideal und nicht den Normalzustand. In Deutschland gab es zuletzt 2010 ein weißes Fest. „Grund für die schneefreien Feiertage ist das sogenannte Weihnachtstauwetter, welches mit recht hoher Wahrscheinlichkeit rund um die Weihnachtstage eintritt. Wir Meteorologen bezeichnen ein solches Phänomen als Singularität“, so Wetterexperte Matthias Habel und erläutert: „Wenn Tiefs mit ihren Wetterfronten von Nordsee und Atlantik wärmere Luft zu uns führen, so führt dies in Deutschland zu mildem und regnerischem Wetter, eventuell vorhandener Schnee schmilzt rasch.

Die Vorkriegszeit war schneeärmer

Die kollektive Erinnerung, dass es wenigstens abseits des Weihnachtsfestes früher mehr Schnee gab, entpuppt sich ebenso als Illusion. Ein Blick auf die Wetterdaten der vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass sich eine stetige Abnahme der Schneemenge nicht nachweisen lässt. Vielmehr ist es so, dass auch in früheren Jahrzehnten die meisten Weihnachtsfeste grün waren.

Dass viele Menschen sich dennoch an weißere Winter erinnern, liegt an einer positiven Gedächtnisverzerrung, die mit dem Alter zunimmt, sagen Psychologen. Man erinnere sich generell besser an besondere Ereignisse aus der Vergangenheit. Das heißt, der schneereiche Winter aus der Kindheit überstahlt in der Erinnerung alle anderen Winter, die nicht so verschneit waren. Das einmalige Ereignis wird dann als Bild für alle Winter abgespeichert. Weiße Winterlandschaften, die durch Kunst, Literatur und Medien als winterliches Ideal verbreitet werden, bestätigen diese Erinnerung zusätzlich.

Wer es ganz genau wissen will, findet auf www.wetteronline.de/schnee die Angaben zu den aktuellen Schneehöhen in Deutschland. Über die WetterOnline App oder die WetterOnline WhatsApp Benachrichtigung erfährt man zudem in Echtzeit, ob man sich über einen weißen Winter freuen kann. Bild: WetterOnline
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Kommentare

16.12.2018, 00.42 Uhr
Bodo Schwarzberg | Weiße Weihnachten: nicht wirklich wichtig
Der Beitrag macht leider keine Unterschiede zwischen dem stärker atlantisch geprägten West- und dem stärker kontinental geprägten Ostdeutschland und er bezieht zu wenig die klimawandelbedingten Veränderungen ein.

Klimaforscher prognostizieren für Deutschland tatsächlich eine stärkere Verlagerung der Jahresniederschläge in die Wintermonate, was, sofern sie als Schnee fallen, sogar zu einer gelegentlich gefühlten Zunahme der Schneetage oder Schneemenge führen könnte. Andererseits werden unsere Winter, so besagen es die Messwerte, im langjährigen Mittel immer milder. Es könnte also durchaus sein, dass wir bedingt durch gelegentliche Extremwetterlagen bezüglich "Weißer Weihnachten" einer doppelten Täuschung unterliegen.

Die (Weißen) Weihnachten beinhalten zudem nur einen winzigen Auschnitt des Winters. Die Tendenz zu insgesamt milderen und regen- statt schneereichen Wintern wird durch Messwert-Mittel gestützt.

Der Nordhäuser Lehrer und Wetterbeobachter Josef Tauchmann stellte zwischen 1955 und 1980 für Nordhausen im Mittel 35 jährliche Tage mit einer geschlossenen Schneedecke fest. ( Quelle: Tauchmann, J. (1982): "Wetterkundliche Betrachtungen des letzten Vierteljahrhunderts im Raum Nordhausen." - In: Beiträge zur Heimatkunde in Stadt und Kreis Nordhausen 7 (13-18).

Für einen nnz-Kommentar mache ich mir hier allerdings nicht die Mühe, die Daten der letzten 30 Jahre für unser Gebiet zu ermitteln, um Tauchmanns Daten exakt vergleichen zu können.

Ich wage aber die (garantiert unwissenschaftliche) Behauptung, dass wir in den letzten 20 Jahren nicht auf 35 Tage jährlicher Schneebdeckung in Nordhausen kommen. Das könnte sich aber für andere Regionen ganz anders darstellen: Daher meine Kritik am obigen Beitrag: Er ist geografisch zu allgemein.

Als ebenso unwissenschaftlicher "Beleg" mögen z.B. die Klagen der Wintersportzentren in den Alpen gelten, die wegen der immer milder werdenden, schneearmen Winter immer größere finanzielle Einbußen festellen. Statt natürlicher Schnee wird "Winter" mit Schneekanonen "produziert", man hört sogar von eingelagertem Schnee aus schneereichen Wintern für kommende schwere Zeiten (!).

Dass es aber künftig auch ganz anders kommen kann für unsere Winter, besagen Studien, die die weitere Abnahme der Intensität des atlantischen Golfstroms prognostizieren.

Messungen besagen, dass er bereits, ich glaube um rund 15 % weniger warmes Meerwasser in Richtung Nordatlantik transportiert. Das ist eine Folge des zunehmenden Abschmelzens des arktischen Eises infolge des menschgemachten Klimawandels, wodurch das nach Norden strömende schwerere Salzwasser zunehmend verdünnt und so die atlantische Umwälzpumpe gebremst wird.

Forscher warnen, dass ein weiteres Abschwächen des Golfstromes zu einem drastischen Absinken der Temperaturen in Europa führen kann. Die dadurch unter Umständen erzeugten regelmäßigen Weißen Weihnachten wären aber teuer erkauft und gewiss keine Freude mehr.

Denn ein um mehrere Grad kühleres Klima würde zu ebenso gravierenden Problemen führen, wie sich dies bereits durch das eine Grad Erwärmung andeutet, das wir für Deutschland bereits nachweisen können.

Unterdem Strich bleibt: Wir sollten es tunlichst vermeiden, für einen mehr als zweifelhaften materiellen Wohlstand weiter in jene Gleichgewichte einzugreifen, die unser Leben ermöglichen. Schließlich, so wünschen es sich die meisten Eltern, solle es ja ihren Kindern mal "besser gehen".

Der Mensch "funktioniert", glaubt man Studien, am besten bei Temperaturen um 15 °C. Und es erscheint mir ethisch fragwürdig, die zunehmenden Hitzetoten gefühlt als Kollateralschäden unserer Wohlstandsgesellschaft abzutun.

Weiße Weihnachten oder grüne Weihnachten, das ist nicht wirklich wichtig. In diesem Punkt hat der obige Beitrag recht: Klischees, Verdrängung und Werbung trüben den klaren Blick.

Frohe Weihnachten!

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