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Mi, 11:55 Uhr
02.01.2019
Neues aus dem Südharz-Klinikum

Investition in modernste Strahlentherapie

Kürzlich erhielten der US-Amerikaner James Allison und der Japaner Takusu Honjo den Nobelpreis 2018 für Medizin. In der Reihe bahnbrechender medizinischer Entwicklungen der letzten Jahre nimmt ihre Entwicklung der sog. Checkpoint-Therapie eine herausragende Rolle ein und hat in kürzester Zeit die Tumorbehandlung revolutioniert...


Diese Therapie bieten Patienten mit weit fortgeschrittenen bzw. mit metastasierten Tumorerkrankungen, für die medizinisch lange Zeit kaum noch etwas getan werden konnte, einen erheblichen Überlebensvorteil und die Chance, das Tumorwachstum auch langfristig zu stoppen.

Allerdings: die neuen Therapeutika können jedoch die Entstehung von Hirnmetastasen in der Regel nicht verhindern. Mit dem längeren Gesamtüberleben dieser Patienten kommt der natürliche Verlauf der Erkrankung mehr zutage. Das ist unter anderem ein Einsatzgebiet der sogenannten stereotaktischen Strahlentherapie (SRS), die in diesem Jahr im Nordhäuser Südharz Klinikum zum Einsatz kommen wird.

Bei dieser Form der Therapie setzen die Strahlentherapeuten die Strahlung fast wie ein Skalpell ein: viele hochenergetische Strahlen werden von außen auf ein Ziel innerhalb des Körpers fokussiert, um dort ihre zerstörende Wirkung des Tumors zu entfalten. Jeder einzelne Strahl kann keine Schädigung bewirken, aber die Bündelung aller Strahlen im Zielpunkt führt zu einer hocheffektiven und millimetergenauen Zerstörung des Tumorgewebes mit hohen Energiedosen, so dass das Ergebnis mit einem chirurgischen Eingriff vergleichbar ist.

Diese Behandlung – bei der hohe Strahlendosen äußerst gezielt an die Tumoren abgegeben werden – bietet neue Hoffnung für Patienten, die inoperable oder schwer zu operierende Tumoren haben und auch nach der operativen Entfernung von Hirnmetastasen kann die stereotaktische Strahlentherapie verhindern, dass es frühzeitig zum erneuten Krebswachstum kommt. Außerhalb des ‘Strahlenfokus’ werden benachbarte strahlensensible, gesunde Strukturen optimal geschont, das bedeutet so gut wie keine therapiebedingte Nebenwirkungen für die Patienten. In den meisten Fällen wird die Hochpräzisionsstrahlentherapie mit wenigen Bestrahlungsfraktionen (eine bis fünf Behandlungssitzungen) durchgeführt, so dass die Behandlungszeit in der Regel nur wenige Tage beträgt.

Stereotaktische Bestrahlung bringt überzeugende Behandlungsergebnisse: Verglichen mit der üblichen flächenhaften "Ganzhirn"bestrahlung führt die lokalisierte hochdosierte Strahlentherapie entsprechend aktueller Studien bei Patienten mit weniger als vier Metastasen im Gehirn, die kleiner sind als vier Zentimeter zu einer deutlichen Verlängerung des Überlebens dieser Patienten. Darüber hinaus kann durch eine solche punktgenaue Bestrahlung das Risiko neurokognitiver Einschränkungen minimiert werden. Die bisher für die Bestrahlung von Hirnmetastasen übliche Ganzhirnbestrahlung mit 10 bis 20 Behandlungssitzungen wird zukünftig nur noch in Ausnahmefällen zum Einsatz kommen.

Die Durchführung der stereotaktischen Strahlentherapie ist technologisch sehr aufwendig, weshalb bislang universitäre Einrichtungen und wenige Zentren mit spezieller technischer Ausrüstung eine Vorreiterrolle einnahmen.

Eine Herausforderung bei der SRS sind einerseits die enorme Präzision, die noch einmal erhöhte Anforderungen an die technische Ausrüstung der Geräte stellt, aber auch die Therapiezeiten, die für die SRS einer singulären Hirnmetastase üblicherweise zwischen 30-45 Minuten liegen. Die das Südharz Klinikum ausrüstende Firma VARIAN hat im Rahmen des Strahlentherapie- Kongresses im Juni 2018 deutschlandweit erstmals das sogenannte HyperArc-System vorgestellt, das die gleichzeitige stereotaktische Bestrahlung mehrerer (bis zu 10) Hirnmetastasen erlaubt bei Therapiezeiten von nur acht bis zehn Minuten. Die Applikationszeiten werden somit regelhaft um das Achtfache verkürzt.

Die deutliche Reduktion des Zeitaufwands der SRS bedeutet eine weniger belastende Therapie für den Patienten und eine bessere Integration dieser Technik in die klinische Routine. Weitere Vorteile gegenüber alternativen SRS-Techniken sind der geringere Aufwand in der Vorbereitung der Applikation sowie die signifikante Reduktion der Strahlenbelastung der Risikoorgane und somit Einsatzmöglichkeiten des HyperArc-Systems auch für die Zweitbestrahlungen im Hirn- und HNO-Bereich.

Das Südharz Klinikum hat seit der Jahrtausendwende immer wieder eine Vorreiterrolle in der Einführung moderner Strahlentherapiegeräte und -techniken übernommen. Auch in diesem Fall orientiert sich die Geschäftsführung wieder an der zukunftsweisenden Technologie und beschloss mit einer Investition im oberen sechsstelligen EURO-Bereich die Installation von HyperArc.

Und noch eine weitere Neuerung wird im Zusammenhang mit der HyperArc- Installation eingeführt werden: Die sogenannte Echt-Zeit Patientenüberwachung der Firma VARIAN minimiert Lageunsicherheiten des Patienten während der SRS zusätzlich, indem das System die Oberfläche des Patienten kontinuierlich durch eine Laserkamera abtastet und durch optische und akustische Signale Abweichungen sofort registriert. Damit kann der Patient schneller und genauer gelagert – d.h. in Bestrahlungsposition gebracht werden. Auch Atembewegungen können erfasst und durch eine Verbindung zum Linearbeschleuniger zum Beispiel nur in einer bestimmten Atemphase der Bestrahlung frei gegeben werden. Jede unwillkürliche Änderung der Patientenposition wird aufgenommen und die Bestrahlung sofort unterbrochen, falls sich die Position -über zuvor individuell festgelegte Toleranzen hinaus- verändert. Zusätzliche Röntgenaufnahmen zur Lagerungskontrolle werden damit wesentlich seltener notwendig.

“Insgesamt wird es mit dieser Kombination aus modernster Beschleunigertechnik und Echtzeit-Patientenüberwachung möglich, den uns anvertrauten Patienten alle Behandlungsoptionen einer modernen Strahlentherapie unter den aktuell höchsten Sicherheitsstandards anzubieten”, erläutert die Chefärztin der Strahlentherapie, Dr. med. Bettina Hentschel.
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