Sa, 19:24 Uhr
02.02.2019
Leserzuschrift:
Ein Kampf zwischen David und Goliath?
Wilhelm Roth aus Heiligenstadt setzt sich vehement für die Artenvielfalt in der Natur ein.Dem Insektensterben und Vogelschwund will er begegnen.Geschäftsführer von Agrarbetrieben könnten durch ihre Arbeit entscheidend etwas für die Artenvielfalt tun,ist er überzeugt...
Eichsfeld. Das Ausmähen von Ackerrainen und Feldgräben als weitläufig sichtbares Zeichen des unberechtigten und schadhaften Eingriffes in die Natur sei einer der Gründe für das Insektensterben und den Vogelschwund. Nach § 39 des Bundesnaturschutzgesetzes ist das Zerstören solcher Pflanzengesellschaft untersagt.
Mit dem befremdenden Begriff Feldrandhygiene wurde die notwendige Bekämpfung von Schadinsekten, hartnäckigen Unkräutern wie Quecken und Wildwuchs, der Schnecken- und Mäuseabwehr als unerlässlicher Baustein begründet, um weniger Unkrautvernichtungsmittel schärferer Art einsetzen zu müssen. Welchen Einfluss aber sollte ein 1 m breiter Mulchstreifen mit 0.8 % zerstörten Lebensraum zu einer 25 ha großen Intensivkultur erbringen? Müsste nicht vielmehr den Ackerbegleitkräutern an Feldrändern mit den Ackerrainen der notwendigen Artenvielfalt mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden?
Zum Projekt Ackerbegleitflora in Niedersachsen galten bereits 1988 von 262 Ackerwildkräuterarten 20 als ausgestorben und 71 als vom Aussterben bedroht, was aus heutiger Sicht für unsere chemisierte Kulturen weit negativer zu beurteilen ist.Zoologen ermitteln weitreichende Folgen, dass 90 % von 1200 an Ackerwildkräutern lebende Tierarten, auch Nützlinge, ausgestorben oder stark bedroht sind. So die Wildbienen.
Den enormen Rückgang von 10 Vogelarten als Teilindikatoren der heimatkundigen Agrarlandschaft bezeugen u.a. Goldammern, Feldlerchen, Distelfink,Neuntöter und Rebhuhn. Der Rotmilan, dessen Besiedlungsschwerpunkt das Harzvorland ist, wird im Eichsfeld nur noch zur Hälfte als Zeuge eines beginnenden stummen Frühlings registriert. Die Meinung von Agrarleitern, dass die Landwirte die wahren Naturschützer sind, sollte in einem überzeugten Handeln seinen Ausruck finden, indem der Natur als vererbte moralische Pflicht des Landwirts lebensnotwendige Mosaiksteine überlassen werden..
Unverständlich ist auch, dass ein Straßengrabenrand keinen Schutzbalken aufweist und die Pflugfurche mit der Grabenkante erodiert sowie der Dünger- und Chemikalieneinsatz das Leben dieser Grenzlinien gefährdet. Die Meinung des Landwirtschaftsamtes Leinefelde, man sei nur für das Fachgebiet und nicht für den Naturschutz zuständig, ist unakzeptabel. Meine Bitte von der Abt. Agrarstruktur eine Information über die Kulappflächen der Betriebe zu erhalten, wurde aus Datenschutzgründen abgelehnt bzw. nur nach den Thüringer Umweltinformationsgesetz kostenpflichtig bis 100 € und darüber zugestimmt. Liegen die Belange des Naturschutzes im Geheimnis der Ämter und der Agrarbetriebe?
Die Farben- und Formenpracht mit emsigen Leben am Wegesrand kann unsere Kinder zur Heimatliebe mehr begeistern als ausgemähte Wegezeilen. Mag ich vielleicht wie David mit der Steinschleuder vor dem Riesen Goliath stehen, so will ich wenigstens dazu beitragen, die augenscheinlichen Mosaiksteine der Natur zu finden und zu beschützen.
Wilhelm Roth
Autor: redEichsfeld. Das Ausmähen von Ackerrainen und Feldgräben als weitläufig sichtbares Zeichen des unberechtigten und schadhaften Eingriffes in die Natur sei einer der Gründe für das Insektensterben und den Vogelschwund. Nach § 39 des Bundesnaturschutzgesetzes ist das Zerstören solcher Pflanzengesellschaft untersagt.
Mit dem befremdenden Begriff Feldrandhygiene wurde die notwendige Bekämpfung von Schadinsekten, hartnäckigen Unkräutern wie Quecken und Wildwuchs, der Schnecken- und Mäuseabwehr als unerlässlicher Baustein begründet, um weniger Unkrautvernichtungsmittel schärferer Art einsetzen zu müssen. Welchen Einfluss aber sollte ein 1 m breiter Mulchstreifen mit 0.8 % zerstörten Lebensraum zu einer 25 ha großen Intensivkultur erbringen? Müsste nicht vielmehr den Ackerbegleitkräutern an Feldrändern mit den Ackerrainen der notwendigen Artenvielfalt mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden?
Zum Projekt Ackerbegleitflora in Niedersachsen galten bereits 1988 von 262 Ackerwildkräuterarten 20 als ausgestorben und 71 als vom Aussterben bedroht, was aus heutiger Sicht für unsere chemisierte Kulturen weit negativer zu beurteilen ist.Zoologen ermitteln weitreichende Folgen, dass 90 % von 1200 an Ackerwildkräutern lebende Tierarten, auch Nützlinge, ausgestorben oder stark bedroht sind. So die Wildbienen.
Den enormen Rückgang von 10 Vogelarten als Teilindikatoren der heimatkundigen Agrarlandschaft bezeugen u.a. Goldammern, Feldlerchen, Distelfink,Neuntöter und Rebhuhn. Der Rotmilan, dessen Besiedlungsschwerpunkt das Harzvorland ist, wird im Eichsfeld nur noch zur Hälfte als Zeuge eines beginnenden stummen Frühlings registriert. Die Meinung von Agrarleitern, dass die Landwirte die wahren Naturschützer sind, sollte in einem überzeugten Handeln seinen Ausruck finden, indem der Natur als vererbte moralische Pflicht des Landwirts lebensnotwendige Mosaiksteine überlassen werden..
Unverständlich ist auch, dass ein Straßengrabenrand keinen Schutzbalken aufweist und die Pflugfurche mit der Grabenkante erodiert sowie der Dünger- und Chemikalieneinsatz das Leben dieser Grenzlinien gefährdet. Die Meinung des Landwirtschaftsamtes Leinefelde, man sei nur für das Fachgebiet und nicht für den Naturschutz zuständig, ist unakzeptabel. Meine Bitte von der Abt. Agrarstruktur eine Information über die Kulappflächen der Betriebe zu erhalten, wurde aus Datenschutzgründen abgelehnt bzw. nur nach den Thüringer Umweltinformationsgesetz kostenpflichtig bis 100 € und darüber zugestimmt. Liegen die Belange des Naturschutzes im Geheimnis der Ämter und der Agrarbetriebe?
Die Farben- und Formenpracht mit emsigen Leben am Wegesrand kann unsere Kinder zur Heimatliebe mehr begeistern als ausgemähte Wegezeilen. Mag ich vielleicht wie David mit der Steinschleuder vor dem Riesen Goliath stehen, so will ich wenigstens dazu beitragen, die augenscheinlichen Mosaiksteine der Natur zu finden und zu beschützen.
Wilhelm Roth