Mi, 10:33 Uhr
03.04.2019
Neu im Bistum Erfurt
Laien als Beerdigungsleiter
Für manche Menschen ist Neues und Unbekanntes faszinierend, andere haben große Angst davor. In etwas Neuem liegt gleichermaßen Chance und Risiko. Die Erfahrung hat Gisela Reinhardt gemacht....
Beerdigungsleiter (Foto: Bistum)
Neun Laien aus dem Bistum Erfurt, davon sieben aus dem Eichsfeld, haben sich bereit erklärt und sich auf den Dienst vorbereitet, Verstorbene zur letzten Ruhe zu begleiten.
Veränderungen gehören zum Leben. Alles ist im Fluss und wir müssen lernen, uns neuen Situationen zu stellen und mit Veränderungen zu leben. In einem Zitat von Gustav Heinemann heißt es Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte.
Überall quält Unternehmen das gleiche Problem: zu wenig Personal. Dieser Mangel macht auch nicht vor der Kirche Halt. Vor allem die katholische Kirche steckt mitten in einem Umbruchprozess. Die Zahl der Mitglieder sinkt, die der Diener Gottes noch schneller; das Durchschnittsalter der Priester dagegen steigt.
Gemeinden wurden und werden zu Groß-Pfarreien zusammengelegt. Der Priester wandelt nicht länger als Hochwürden daher, sondern empfiehlt sich als Teamplayer. Neue Wege müssen beschritten werden, um die Priester zu entlasten. Entlasten bedeutet, dass Laien mehr Verantwortung übernehmen und das auch in einem Bereich, der bisher nur Priestern und Diakonen vorbehalten war.
Für die Zukunft ist damit zu rechnen, dass nicht mehr für alle Begräbnisdienste in einer Pfarrgemeinde ein Priester oder ein Diakon zur Verfügung stehen werden. So ist es notwendig, dass Laien als Begräbnisleitungen in den Pfarrgemeinden aktiv sind.
Die Verantwortlichen im Bistum Erfurt unter Leitung von Bischof Dr. Ulrich Neymeyr, haben daher auch bei uns ein Pilotprojekt ins Leben gerufen, das für unser Bistum einen neuen Weg beschreiten will. Aus einer Ausnahmesituation in pastoralen Notfällen ist bereits in weiten Teilen des deutschen Sprachgebiets seit Jahren ein regulärer Dienst geworden.
In vielen Bistümern ist dies schon seit Jahren selbstverständlich. Im Bistum Aachen sind mehr als doppelt so viele Ehrenamtliche wie Hauptamtliche im Beerdigungsdienst tätig und auch im Bistum Hildesheim sind weitaus mehr Ehrenamtliche als Hauptberufliche für den Beerdigungsdienst zuständig.
Dass Gemeindemitglieder Beerdigungen leiten und Zeugen der österlichen Lebenskraft sind, wird immer mehr zur Alltagserfahrung. Wichtig ist, dass diese Überlegungen nicht erst getroffen werden, wenn die Not zu groß ist. Noch haben wir genug Geistliche.
Doch die braucht es auch, um den Ehrenamtlichen und der ganzen Gemeinde ausreichend Zeit zur Eingewöhnung zu geben. Für viele Gläubige stellt das einen großen Veränderungsprozess dar, der auch auf Gegenwind stoßen wird.
Nicht jedem gefällt das. Das ist allen wohl bewusst. Dennoch ist es notwendig, dass wir uns zurück erinnern an die Einführung von Kommunionhelfern: Männern, wie auch Frauen oder an Mädchen als Messdiener.
Der Beerdigungsdienst ist ein Dienst, der für die Gemeinde getan wird. In einer von Gott und den Menschen berührten Kirche ist es ein Hoffnungszeichen, dass auch ehrenamtliche Frauen und Männer mit der Leitung von Begräbnisfeiern beauftragt werden können.
Die Beerdigung zählt in der katholischen Kirche nicht zu den Sakramenten, den nach kirchlichem Verständnis von Christus eingesetzten Zeichen göttlicher Gnade. Tote begraben gilt als Liebesdienst und gehört als Werk der Barmherzigkeit zu den wichtigsten Diensten in einer Pfarrgemeinde.
Die ganze Gemeinde ist aufgerufen, sich um die Kranken und Sterbenden zu sorgen, an der liturgischen Feier des Begräbnisses teilzunehmen und die Trauernden zu begleiten. Angesichts der Taufwürde ist im Grunde jeder Laie zum Dienst an den Toten berechtigt. Ehrenamtliche Beerdigungsleiter erhalten von der Kirche den bischöflichen Auftrag für ihren Dienst Mit der Osterbotschaft gestärkt für Tote und Trauernde.
Durch die Feier des Begräbnisses durch vom Bischof beauftragte Laien kommt auch die gemeinsame Sorge der Gläubigen für die Toten und die Trauernden zum Ausdruck. Selbstverständlich ist dafür eine Ausbildung notwendig, in der die Grundsätze und Fähigkeiten für diesen Dienst vermittelt werden.
In dem Kurs Beerdigungsleiter wurde ihnen innerhalb eines halben Jahres theoretisches Hintergrundwissen vermittelt, etwa über die christliche Theologie von Tod und Trauer, den Ablauf der Begräbnisfeier oder das Bestattungsgesetz.
Zum anderen wurde im Kurs praxisnah geübt und auch Gespräche mit dem Bischof waren hilfreich. Alle sind bereit für den Dienst, in dem sie für den Verstorbenen beten, für sein Leben danken, den Trauernden beistehen, und vor allem, durch ihren Glauben getragen, die Hoffnung verkünden, die uns Christen trägt.
Am Vorabend des Palmsonntages wird Bischof Dr. Ulrich Neymeyr ihnen die Beauftragungen zum Beerdigungsdienst überreichen. Lassen wir uns also darauf ein, gemeinsam neue Wege des Kirche-Seins – vor Ort und für die Menschen zu gehen.
Autor: ik
Beerdigungsleiter (Foto: Bistum)
Neun Laien aus dem Bistum Erfurt, davon sieben aus dem Eichsfeld, haben sich bereit erklärt und sich auf den Dienst vorbereitet, Verstorbene zur letzten Ruhe zu begleiten.
Veränderungen gehören zum Leben. Alles ist im Fluss und wir müssen lernen, uns neuen Situationen zu stellen und mit Veränderungen zu leben. In einem Zitat von Gustav Heinemann heißt es Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte.
Überall quält Unternehmen das gleiche Problem: zu wenig Personal. Dieser Mangel macht auch nicht vor der Kirche Halt. Vor allem die katholische Kirche steckt mitten in einem Umbruchprozess. Die Zahl der Mitglieder sinkt, die der Diener Gottes noch schneller; das Durchschnittsalter der Priester dagegen steigt.
Gemeinden wurden und werden zu Groß-Pfarreien zusammengelegt. Der Priester wandelt nicht länger als Hochwürden daher, sondern empfiehlt sich als Teamplayer. Neue Wege müssen beschritten werden, um die Priester zu entlasten. Entlasten bedeutet, dass Laien mehr Verantwortung übernehmen und das auch in einem Bereich, der bisher nur Priestern und Diakonen vorbehalten war.
Für die Zukunft ist damit zu rechnen, dass nicht mehr für alle Begräbnisdienste in einer Pfarrgemeinde ein Priester oder ein Diakon zur Verfügung stehen werden. So ist es notwendig, dass Laien als Begräbnisleitungen in den Pfarrgemeinden aktiv sind.
Die Verantwortlichen im Bistum Erfurt unter Leitung von Bischof Dr. Ulrich Neymeyr, haben daher auch bei uns ein Pilotprojekt ins Leben gerufen, das für unser Bistum einen neuen Weg beschreiten will. Aus einer Ausnahmesituation in pastoralen Notfällen ist bereits in weiten Teilen des deutschen Sprachgebiets seit Jahren ein regulärer Dienst geworden.
In vielen Bistümern ist dies schon seit Jahren selbstverständlich. Im Bistum Aachen sind mehr als doppelt so viele Ehrenamtliche wie Hauptamtliche im Beerdigungsdienst tätig und auch im Bistum Hildesheim sind weitaus mehr Ehrenamtliche als Hauptberufliche für den Beerdigungsdienst zuständig.
Dass Gemeindemitglieder Beerdigungen leiten und Zeugen der österlichen Lebenskraft sind, wird immer mehr zur Alltagserfahrung. Wichtig ist, dass diese Überlegungen nicht erst getroffen werden, wenn die Not zu groß ist. Noch haben wir genug Geistliche.
Doch die braucht es auch, um den Ehrenamtlichen und der ganzen Gemeinde ausreichend Zeit zur Eingewöhnung zu geben. Für viele Gläubige stellt das einen großen Veränderungsprozess dar, der auch auf Gegenwind stoßen wird.
Nicht jedem gefällt das. Das ist allen wohl bewusst. Dennoch ist es notwendig, dass wir uns zurück erinnern an die Einführung von Kommunionhelfern: Männern, wie auch Frauen oder an Mädchen als Messdiener.
Der Beerdigungsdienst ist ein Dienst, der für die Gemeinde getan wird. In einer von Gott und den Menschen berührten Kirche ist es ein Hoffnungszeichen, dass auch ehrenamtliche Frauen und Männer mit der Leitung von Begräbnisfeiern beauftragt werden können.
Die Beerdigung zählt in der katholischen Kirche nicht zu den Sakramenten, den nach kirchlichem Verständnis von Christus eingesetzten Zeichen göttlicher Gnade. Tote begraben gilt als Liebesdienst und gehört als Werk der Barmherzigkeit zu den wichtigsten Diensten in einer Pfarrgemeinde.
Die ganze Gemeinde ist aufgerufen, sich um die Kranken und Sterbenden zu sorgen, an der liturgischen Feier des Begräbnisses teilzunehmen und die Trauernden zu begleiten. Angesichts der Taufwürde ist im Grunde jeder Laie zum Dienst an den Toten berechtigt. Ehrenamtliche Beerdigungsleiter erhalten von der Kirche den bischöflichen Auftrag für ihren Dienst Mit der Osterbotschaft gestärkt für Tote und Trauernde.
Durch die Feier des Begräbnisses durch vom Bischof beauftragte Laien kommt auch die gemeinsame Sorge der Gläubigen für die Toten und die Trauernden zum Ausdruck. Selbstverständlich ist dafür eine Ausbildung notwendig, in der die Grundsätze und Fähigkeiten für diesen Dienst vermittelt werden.
In dem Kurs Beerdigungsleiter wurde ihnen innerhalb eines halben Jahres theoretisches Hintergrundwissen vermittelt, etwa über die christliche Theologie von Tod und Trauer, den Ablauf der Begräbnisfeier oder das Bestattungsgesetz.
Zum anderen wurde im Kurs praxisnah geübt und auch Gespräche mit dem Bischof waren hilfreich. Alle sind bereit für den Dienst, in dem sie für den Verstorbenen beten, für sein Leben danken, den Trauernden beistehen, und vor allem, durch ihren Glauben getragen, die Hoffnung verkünden, die uns Christen trägt.
Am Vorabend des Palmsonntages wird Bischof Dr. Ulrich Neymeyr ihnen die Beauftragungen zum Beerdigungsdienst überreichen. Lassen wir uns also darauf ein, gemeinsam neue Wege des Kirche-Seins – vor Ort und für die Menschen zu gehen.