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Fr, 09:07 Uhr
16.08.2019
Fußwallfahrt 2019

Zu Fuß von Magdeburg zum Klüschen Hagis

Sie sind jetzt alle wieder zu Hause, die 26 Männer und Frauen, die in zehn Tagen zu Fuß die Strecke von Magdeburg ins Eichsfeld zum Klüschen Hagis zurückgelegt haben, rund 220 Kilometer, im Gebet, Gesang und auch schweigend. Eine Fußwallfahrt, die vor 37 Jahren in Magdeburg ihren Anfang nahm….


Erinnerungsfoto vor der Pfarrkirche "St. Maria Magdalena" in Leinefelde.

Pfarrer Klaus-Michael Tschöpe aus Olbernhau im Erzgebirge ist seit 35 Jahren dabei. Er hatte einst durch einen Schönstatt-Pater zur Fußwallfahrt gefunden. In seiner Predigt am Ziel Klüschen Hagis sprach er darüber, was ihm diese Wallfahrt bedeutet.

Die beiden anderen Geistlichen, Pfarrer Winfried Mucke (Sonneberg) und Pfarrer Suitberg Schellenberg (Apolda) haben Eichsfeld-Erfahrung. Winfried Mucke war mal Pfarrer in Breitenworbis und leitet seit vielen Jahren die Wallfahrt und Pfarrer Schellenberg hat bis zu seiner Primiz in Leinefelde gewohnt, ist jetzt im Ruhestand.

Die meisten in der Gruppe sind schon erfahrene Wallfahrer. Aber es kommen immer wieder neue dazu. Die älteste Teilnehmerin ist 80 Jahre, der jüngste Wallfahrer gerade mal 24 Jahre. Eine bunt gemischte Gruppe aus vielen Regionen Deutschlands, sogar aus Aachen und Kaiserslautern sind Wallfahrer dabei. Einige kommen aus dem Dresdner Raum, andere aus dem Erzgebirge, Jena, Apolda, Berlin, Brandenburg. Direkt aus Magdeburg ist niemand dabei, von jener Stadt, wo die Wallfahrt seit 1982 jährlich ihren Anfang nimmt. Der Grundstein für diese Wallfahrt liegt in der Wallfahrt Warschau-Czestochowa im Polen der 1970iger Jahre, an der durch die Grenzschließung 1981 keine ostdeutschen Pilger mehr teilnehmen konnten

Paul ist mit seinen 24 Jahren der Jüngste in der Gruppe. Einst kam er aus dem Iran, ist jetzt dreieinhalb Jahre in Deutschland, ließ sich taufen und ist Messdiener in seiner Pfarrgemeinde und bei der Wallfahrt. Er kam gemeinsam mit Pfarrer Klaus-Michael Tschöpe.

Es ist erstaunlich, wie frisch die Gruppe am letzten Tag wirkt. Kleinere Blessuren an den Füßen, aber das wars auch schon. Bemerkenswert, mehr als 200 Kilometer zu Fuß zurück gelegt, ohne "Ruhetag".
Wallfahren ist aber auch etwas anderes als Spazierengehen. Das wurde in Gesprächen mit der Gruppe ganz deutlich. Ich hatte Gelegenheit, vom Dienstagabend, als zum Nachtgebet in Leinefelde in die Maria Magdalena Kirche eingeladen wurde, die Wallfahrer bis zum Abschluss ein bisschen zu begleiten.

Um 21 Uhr hatten sich alle in der Kirche zum Nachtgebet versammelt. Es waren auch viele Leinefelder dabei. Das gemeinsame Gebet und die Taize-Lieder stimmten auf die Nachtruhe ein. Die braucht man auch, denn früh um 5 Uhr heißt es aufstehen, ein neuer Tag beginnt. Zwei Pilger sind noch früher auf den Beinen, denn sie bereiten das Frühstück vor. Es gibt Tee und belegte Brote. Auf Kaffee, Eis, Schokolade, Zigaretten u.a. wird bei der Wallfahrt verzichtet, auch das Handy wird kaum genutzt.

Am Mittwochmorgen kamen alle bereits 5.45 Uhr in der Kirche zu den Laudes zusammen. Es war erstaunlich, wie munter schon alle wirkten. Beim anschließenden Frühstück kam ich mit einigen Pilgern ins Gespräch. Die 80jährige Regina Olschimke aus Apolda ist schon das dritte Mal dabei. Auf sehr unterschiedliche Art und Weise haben sie von der Wallfahrt erfahren. Irmgard Vogel aus Aachen beispielsweise hörte es von einem Priester, der einst die Fußwallfahrt mit ins Leben gerufen hatte. Bernarda aus der sorbischen Oberlausitz hatte den Tipp von ihrem Mann, der bei einer Radwallfahrt ein Plakat zur Magdeburger Fußwallfahrt gesehen hatte. Nun nahm sie mit ihrer Schwester Maria daran teil.

Angela Schöneberg, Gemeindeassistentin der Pfarrgemeinde Leinefelde, die diese Wallfahrt seit 23 Jahren mitmacht, erklärt mir das geistliche Programm der Fußwallfahrt, die jedes Jahr vom 4. bis 15. August stattfindet. “Wir beten das Stundengebet der katholischen Kirche (Laudes, Vesper und Komplet), mittags den Engel des Herrn. Morgens gibt es geistliche Impulse - genannt nach der jesuitischen Tradition: Puncta (Es ist ein geistlicher Impuls zum Tagesthema, der meist von einem der mitlaufenden Priester oder auch hauptamtlichen Laien gehalten wird).

Anschließend machen wir uns auf die erste Etappe des Tages - wir gehen etwa eine Stunde lang im Schweigen. Das Schweigen wird beendet durch ein kurzes Gebet und ein Lied. Am Nachmittag beten wir im Gehen unterwegs in kleinen Gruppen (2- 6 Personen) den Rosenkranz und haben ein Bibelgespräch zum Tagesthema. Weil wir mit mehreren Priestern unterwegs sind, feiern wir jeden Tag die Hl. Messe, meist mit neuem geistlichen Liedgut und eigenen Instrumenten.

Tägliches Wegstrecke sind 20 bis 32 Kilometer. Es gibt verschiedenen Aufgaben in der Gruppe: Streckenmeister, Priester, Gruppenleitung, Frauen- und Männerschola, tägliche Gottesdienstvorbereitung, Küsterdienst, Küchendienst und Putzdienst. Übernachtet wird in Gemeinderäumen der Kirche, die blitzblank am nächsten Morgen verlassen werden.

Da heißt es dann auch wieder, die Sachen zu verstauen, Isomatte und Schlafsack einpacken und sich bereit machen für den nächsten Weg. Jeder hat natürlich auch Gepäck dabei, dass er nicht mitträgt, sondern das mit einem Kleinbus transportiert wird. Am Steuer sitzt Hans-Joachim Schnell, er sorgt nicht nur dafür, dass alles an die richtige Adresse kommt, sondern sorgt auch für das leibliche Wohl, denn zu Essen brauchen alle was.

Im Klüschen Hagis gibt es bei der Abschluss-Messe ein Wiedersehen mit Fußwallfahrern vergangener Jahre und nach zehn Tagen auch herzliche Umarmungen durch Familienangehörige. Sie holen die Wallfahrer am Klüschen ab. Andere fahren ab Leinefelde mit dem Zug nach Hause oder werden mitgenommen. Das entscheidet sich vor Ort. Ein Wallfahrer aus Berlin sagt mir, irgendwie klappt das schon mit der Nachhausefahrt, darüber macht man sich vorher keine Gedanken…

Doch vom Klüschen Hagis aus gab es noch einen Abstecher. Die Gruppe kam noch einmal in der Pfarrkirche in Leinefelde zusammen zum Angelusgebet und gemeinsamen Singen. Und ein ganz besonderer Abschluss war dann traditionell im "Venezia" in Leinefelde. Dort gönnten sich die Wallfahrer den eigens für sie kreierten Pilgereisbecher.

Und, so Gott will, trifft man sich spätesten am 4. August 2020 wieder in Magdeburg. Übrigens: neue Pilger sind jederzeit willkommen. Auf www.magdeburger-fusswallfahrt.de findet man weitere Infos.
Ilka Kühn

Fußwallfahrt 2019 (Foto: Ilka Kühn)
Fußwallfahrt 2019 (Foto: Ilka Kühn)
Fußwallfahrt 2019 (Foto: Ilka Kühn)
Fußwallfahrt 2019 (Foto: Ilka Kühn)
Fußwallfahrt 2019 (Foto: Ilka Kühn)
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Fußwallfahrt 2019 (Foto: Ilka Kühn)
Fußwallfahrt 2019 (Foto: Ilka Kühn)
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Fußwallfahrt 2019 (Foto: Ilka Kühn)
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Fußwallfahrt 2019 (Foto: Ilka Kühn)
Fußwallfahrt 2019 (Foto: Ilka Kühn)
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