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Sa, 09:18 Uhr
31.08.2019
ThüringenForst untersucht auch Baumexoten

Auf der Suche nach den Bäumen der Zukunft

Forstministerin Birgit Keller besuchte am Donnerstag einen der exotischsten Waldorte im Freistaat: Die Klimabaumartenversuchsfläche des Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrums Gotha. Diese ist 2012 in eine der trockensten Regionen des Freistaats gelegt worden um mit "Exoten" Erfahrungen zu sammeln...

Auf knapp vier Fußballfeldern werden für die nächsten 50 Jahre Anbauerfahrungen mit trockenheitsrobusten Baumarten exotischer Herkunft gemacht. Insgesamt 26.000 Einzelbäume, schachbrettartig angelegt in 90 Parzellen mit jeweils 289 artgleichen Individuen: Türkische Tanne, Libanon-Zeder, Orientbuche, Silberlinde und Hemlocktanne. Diese fünf Exoten müssen im Vergleich mit der heimischen, ebenfalls trockenheitsrobusten Traubeneiche zeigen, was sie tatsächlich können.

„Ergebnisse der Forschung sind in einer Zeit, in der unser Wald mehr Hilfe denn je braucht, ganz besonders wichtig“, sagt Forstministerin Birgit Keller vorab. „Der Wald wird in den kommenden Jahrzehnten sein Gesicht verändern: Er wird vielfältiger und die Baumarten werden sich ändern. Umso umsichtiger ist es, die Forschung konsequent fortzusetzen.“

„2008 erstmals mit Priorität auf der forstlichen Agenda, wurde 2010 mit Forschungsarbeiten zum Klimawandel gestartet und neue, klimawandelangepasste Baumartenempfehlungen erarbeitet sowie die CO2-Bindung von Wäldern in der nachhaltigen Waldbewirtschaftung integriert“, so Jörn Ripken, ThüringenForst-Vorstand. Der Versuchsanbau fremdländischer nicht-heimischer Baumarten als Baustein einer Klimaanpassungsstrategie erfolgte parallel zu gleichen Anbauten in Bayern, Österreich und der Schweiz. Ziel ist es, neben den heimischen klimarobusten Baumarten wie Eichen, Buchen, Ahorne, Lärchen und Weißtannen, Erfahrungen mit Exoten aus Weltregionen zu sammeln, die dort schon heute ein Klima aufweisen, was in Deutschland und damit auch Thüringen für 2040 bis 2070 erwartet wird. Zwar liegen Forschungen zu diesen Baumarten vor, aber praxisrelevante Aspekte wie Wuchsleistung, Anbaurisiko und Schädlingsbefall, vor allem Kenntnisse darüber, wie diese Exoten in unseren heimischen Ökosystemen agieren werden, fehlen. Deshalb legte ThüringenForst derartige Versuchsflächen im Staatswald an. Auch Privat- und Körperschaftswaldbesitzer werden von den Ergebnissen reichhaltig profitieren. Schon heute wird vermutet: Die Exoten werden voraussichtlich nur ein Nischendasein mit einem Gesamtanteil von unter 5 % einnehmen.

Thüringer Wälder werden heute schon klimarobust gemacht

Wer jetzt denkt, es werde in der Forstwirtschaft mit der Klimaanpassung noch Jahrzehnte gewartet, der irrt: Mit dem Waldumbau hin zu gemischten, gestuften und naturnahen Wäldern mit vielen Baumarten verschiedener Alter wird schon seit Jahrzehnten eine Risikovorsorge betrieben. Dabei wird auf bewährte, angepasste, heimische Baumarten gesetzt. Deren Genetik spielt eine immer größere Rolle: So ist schon allein die Herkunft ein und derselben Baumart durchaus entscheidend, ob diese längere Trockenphasen ertragen kann, etwa bei der Baumart Buche oder der Weißtanne. Damit sind weitere Forschungsfelder definiert, denen sich das Forstliche Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha künftig hinwenden wird. Auch hier sind praxisnahe Anbauversuche der Schlüssel für weiteren Kenntnisgewinn.

Insgesamt ist die Thüringer Forstwirtschaft sowohl in der Forschung wie auch in der Praxis mitten drin in der Klimaanpassung. Mit dem jüngst durch die Landespolitik erarbeiteten „Aktionsplan Wald 2030 ff.“ sind nunmehr auch die Rahmenbedingungen erweitert worden, um den bisherigen Weg kraftvoll weiter zu gehen.
Autor: red

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