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Do, 21:11 Uhr
05.09.2019
Natur und Umwelt - Die Meinung

Die renaturierte Beberaue bei Rengelrode

Ein großes Schild verkündete die Renaturierung der Beber im Ort und Auenwald. Europa und der Freistaat Thüringen investieren mit dem Eigenanteil von Heiligenstadt ebenso in den Hochwasserschutz....


Schild zum Schutz des Wildraumes

Als regionale Entwicklung ist die Umsetzung der EG Wasserrahmenrichtlinie zur Verbesserung der Gewässerstrukturen mit einer ökologischen Durchgängigkeit Bestandteil des Projektes. Bauherr war die Stadtverwaltung, Auftragnehmer der Tief-, Wasser- und Erdbau Uder zusammen mit dem Planungsbüro Kellner und Partner von Mühlhausen.

In einer viel besuchten Bürgerversammlung in Renglerode waren primär der Hochwasserschutz der Gemeinde ein emotionales Verlangen, welches als Gefahr in Erinnerung blieb. Meine reale Einschätzung ist, dass seit dem Bau des großen Hochwasserschutzdammes über Mengelrode keine Gefahr einer Überschwemmung des Dorfes besteht.

Einfallende Wasserstürze finden in den flachen Uferbereichen ihren Freiraum mit zurückhaltender Retention, der Fließgeschwindigkeit. Die wichtigste Maßnahme war die Herstellung der Fischtreppe im langen betonierten Bachverlauf der Beber, die zur DDR-Zeit unter Missachtung des Naturschutzes für die Fischwanderung nicht erfolgte. Mir ist bewusst, dass meine Bewertung der Beberrenaturierung zu Recht und Unrecht ist, denn sie ist gesetzlich vorgegeben, also legitim in den Möglichkeiten seiner Ziele.

Neben dem Hochwasserschutz ist die Beseitigung der Hybridpappeln als nicht artgerechter Auenwald vorgegeben. Warum? Die dicken alten Pappeln waren zwar erntereif, im Gegensatz zu den jungen Pappeln vom Sportplatz. Das tiefgründige Ausbaggern vielzähliger Wurzelstümpfe zu Biotoppyramiden in der Flächengebung ist weitgehend überzogen.

Ein oberflächiges Abfräsen der Lebensringe wäre produktiver gewesen. Durch die Zerstörung des Bodengrundes geht die natürliche Zersetzung des Wurzelstammes für seltene sich langjährig entwickelnde Insektenarten verloren. Auf dem Mittelberg bei Heiligenstadt haben zu meiner Erkenntnis Wildschweine in alten Buchenstümpfen Engerlinge restlos ausgewühlt.


Neu: Fischtreppe im Ort

Durch Wurzelwerk und Zweige entwickelten sich flächendeckend neue Hybridsprösslinge als Vermehrungsraum, die im ersten Jahr oberflächig zerstört wurden. Die Jägerschaft von Rengelrode begrüßt ihren „Wildeinzugsraum“ mit einem Wild- und Ordnungsschild. Wenn sich die Wildschweine im Maisfeld ernährt haben, suhlen sie sich in den ausgebaggerten verschlämmten Kuhlen.

Es gibt keinen vergleichbaren Auenbach im Eichsfeld wie die der Beber, die mit einer solchen Vielfalt an Naturgestaltung sichtbar ist. Sie ist reich an Windungen, sandsteinigen Schotterbänken, meist flachgründig, mit Prallhängen und lehmigen Steilufern gebildet, unterbrochen von Baumscheiben umgestürzter Bäume.

Diese Projekterstellung erfolgte nicht nach dem Grundsatz „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“. Es charakterisiert die Geldverteilung möglichst nach der Vielzahl konstruierter abrechenbarer Eingriffe. Es ist eine Naturverplanung, die mit zahlreichen Tabellen aktenmäßig belegt wurden.

Neben der erfolgreichen Umsetzung wirken viele Veränderungen am Bachbett der Beber eher wie Sandkastenspiele, beispielgebend für Seminargruppen. Die Verwendung von großen Granitsteinen als Prallhänge, Ufersäume und Einflussflächen sind für die Entwicklungsformen der Beber fremdartig.

Die vom Planungsbüro als notwendig erachtete Gestaltung schräger wannenförmiger Uferböschungen sind zum Teil unnötige Eingriffe. Am Verlauf der Beberwiesen verhinderte die Lever AGRAR AG als Bodennutzer gerechtfertigt diese Uferform. Die großflächige mit Sandsteinschotter belegte Furth zum Viehtrieb als erstellter Sauerstoff-Oxidationsraum ist zielgebend, jedoch vollständig mit Wasserpflanzen überwuchert.

Zwei von vier Baumsperren im Bachbett zum Ästeabfang sind genügend. Der Einbau einer starken Mauer zum verengtem Wasserdurchlauf, der bei Hochwasser das Sumpfgelände, ein wertvoller Lebensraum für Amphimien, überfluten sollte
Der zum Flussbett ausgebaggerte kleine Teich füllt sich mit Schlamm und überwucherten Krautbett.

Das gleiche Schicksal wird das obere große Teichbecken in Jahren erdulden, wenn aufkommende Wasserfluten ihn mit Ackersand und Blattwerk füllen, die sich mit einem Schilfteppich überdecken werden. Für diesen Aufwand wären an der Beberwiese, so wie es Professor Berthold als Naturaktivist am Bodensee vielzählig erwirkte, zwei artgerechte Teiche als Naturschutzbereicherung nötig gewesen.

Es ist erschreckend zu erkennen, dass abertausende Tonnen Feldsand durch mangelnde Fruchtfolgen ohne Bodengare die Ökologie der Beber schwächen, weil keine Feldstrukturen das Starkwasser ableiten.


Wurzelpyramide mit Hypridpappel mit Wildwuchs

Zur Biodiversität der ökologischen Vielfalt eines Auenbaches gehört ebenso das Stehenlassen der Baumstämme als Höhlenangebot, das Köpfen überalteter Weiden sowie die Neuanpflanzung von Pflaumenbäumen und Bienenweiden.

Fazit: Drei weitere Objektabschnitte der verplanten Beber bis zu ihrer Quelle warten auf die Zustimmung der Gemeinden. Hierbei sind die nötig berechtigten Hindernisse zu beseitigen und im Dialog mit dem Planungsbüro sowie einem unabhängigen Naturschutzstreben zu erwirken. Die Auslegung der Europäischen Gesetzgebung sollte mit einem Maß an verantwortungsbewusster Eigeninitiative verbunden sein.

Die Natur wird stets mit ihrer Vielfalt Sieger sein und manchen Fehler bedecken. Für die Fischtreppe in der Beber bedanken sich die Angler. Die Vogelkundler erfreuen sich erneut am Eisvogel, ihren fliegenden Edelstein, der seit Jahren uns zur Mitwinterzählung mit 28 Vogelarten die Treue hält.
Wilhelm Roth
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