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Fr, 09:00 Uhr
27.09.2019
Lichtblick zum Wochenende

Zufall ist die letzte Hoffnung der Erfolglosen

„Zufall ist die letzte Hoffnung der Erfolglosen“ - Unlängst begegnete Superintendent Kristóf Balint in einem Film dieses Zitat, das ihn sehr nachdenklich zurückließ. Was drückt sich darin aus? Fatalismus und Resignation? Ein Lichtblick? Ist es ein überlegen(d)es Wort eines Erfolgreichen, der sich über Erfolglose belustigt?

Das Wort Zufall zieht zuerst meine Aufmerksamkeit auf sich. „Was ist das für ein Zufall, dass wir uns hier treffen!“ „Das war Zufall. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Nun liegt er im Krankenhaus“.

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Ein „zugefallenes“ Ereignis, das von manchem auch Schicksal genannt wird. Doch wer „schickt dieses Sal?“, dass auch in wenigen anderen Worten vorkommt, gerade so häufig, dass es noch selten genannt werden kann: Schicksal (Zufall), Labsal, Trübsal, Irrsal (Zustand des Irrens), Scheusal, kolossal, Mühsal, Rinnsal, universal und Wirrsal.

Wer an GOTT nicht glauben kann, aus welchen Gründen auch immer, wird auf die Frage, wer das Sal schickt eine Antwort (ohne GOTT) finden müssen. Menschen, die an GOTT glauben haben es auch nicht einfacher, denn wenn GOTT Leid schickte, wäre es auch nicht leichter (zu [er]tragen)!

Ich übe (mit wachsendem Gewinn aber fern jeglicher Leichtigkeit) für mich täglich ein, in solchen Situationen von „Fügung“ (Synonyme: „Bestimmung, Vorsehung, höhere Gewalt, Vorherbestimmung“) zu sprechen und mich auf die Dinge einzulassen, die ich ohnehin nicht ändern kann. Ich nehme alles aus GOTTes Hand und weiß, dass ich das Leben zwar nach vorn leben kann und muss, Vieles aber erst in der Rückschau verstehe (nach Søren Kierkegaard). Das macht es nicht leicht, aber leichter.

Die Frage lautet dann nicht „Warum?“, wie sie auf Pappschildern an Seelen-wunden Orten in Grenzsituationen oft zu finden sind. Was würde bei einem Flugzeugabsturz, einem Unfall mit einem Auto o.a. Grenzerfahrungen einfacher, wenn es eine Antwort auf diese Frage gäbe? Welche Antwort wäre überhaupt ansatzweise befriedigend und brächte unsere Seele und unser Fragen zur Ruhe?

Die sich mir stellende Frage ist dann die nach dem „Wozu?“ Wozu muss ich jetzt dies und das erleben, diese Erfahrung machen, diesen Umweg oder den komplizierten Weg nehmen? Ginge es nicht auch einfacher oder anders? Das macht die Frage, ob der Tod eines Kindes oder einer jungen Frau irgendeinen Sinn hat, nicht erträglicher, aber es ändert meine Einstellung. Das eine verlangt nach Rechtfertigung von GOTT oder Schicksal, Gestirnen oder einem Weltgeist o.ä. Das belässt uns in Passivität, denn wir verharren bei einer Frage, auf die wir selten eine plausible und hinlängliche Antwort erhalten.

Die Frage nach dem Wozu, lässt uns aktiv bleiben. Sie fordert uns heraus, aktiv nach einem Sinn zu suchen oder wenigstens darauf zu vertrauen, dass sich uns eines Tages einer erschließen wird. Vielleicht auch erst am Ende unserer Tage oder nach unserem Leben hier, wo wir GOTT all die Fragen stellen können, auf die wir hier keine Antwort erhielten. Das aber bedeutet, dass ich mich zeitlebens mit dem Leben nach dem Tod beschäftige und es für mich als Möglichkeit akzeptiere.

Das wiederum fordert Größe, die uns nicht immer gegeben ist. Wer schon mit dem Tod (anderer unmittelbar) konfrontiert wurde weiß, dass dieser Augenblick ein absoluter Wahrheitsmoment ist. Ein Augenblick der Stille, der Ehrlichkeit. Niemand kann sich am Totenbett irgendetwas vormachen, schon gar nicht, dass er sein eigenes Leben in der Hand hielte.

Es bedeutet, sich das einzugestehen und darauf zu vertrauen, dass es einen Größeren als mich gibt. Einen, der die Dinge in seinen Händen hält. Einen, der mit mir geht selbst in die größten Augenblicke des Schmerzes, der Trauer, sogar der vermuteten Gottesferne.
Diese Grundeinstellung wird in einem Bibelvers in beeindruckend einfacher Weise wiedergegeben, den wir in Matthäus 6, 33f finden. Dort heißt es: „33Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.34Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“

In den Versen davor geht es um lauter Dinge, um die wir uns Sorgen machen. Dieser Satz bindet das alles zusammen und sagt: Sorgt euch nicht, vertraut und dann wird es so kommen, wie es richtig ist. Wir brauchen keine unbestimmten Zufälle, uns wird alles von GOTT zufallen, wenn wir die Größe haben einem zu vertrauen, der größer ist als wir. Das ist unsere Hoffnung, darin sind wir gehalten.

Das befreit uns nicht von aktivem Tun, sondern ermutigt uns nachgerade dazu. Insofern ist das ein Erfolg, aus der Passivität ins Handeln geführt zu werden. Das ist für mich ein Lichtblick.

Ein gesegnetes, aufmerksames und dem andern zugewandtes Wochenende wünscht Ihnen
Ihr Superintendent Kristóf Bálint, Bad Frankenhausen
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