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Do, 14:48 Uhr
17.10.2019
DER HABICHT - EIN WENDIGER JÄGER:

Beliebt, verhasst, geschützt, bedroht!

Er ist beliebt, verhasst, gesetzlich geschützt und doch bedroht: der Habicht. Beliebt bei Menschen, die die Vielfalt in der Vogelwelt lieben, ihn schützen. Verhasst bei diesem und jenen Brieftaubenzüchter, Geflügelhalter und mitunter auch Jägern, die Giftköder auslegen, ihn in Habichtskörben fangen oder illegal abschießen.

Dieses Habichtweibchen gehört Falkner Wolfgang Mursa in Güntersberge.

Südharz. So ein verruchtes Handeln führte in Großbritannien zur zwischenzeitlichen Ausrottung, bis man zu der Überzeugung gelangte, dass der Habicht zur Faune und Flora des Landes gehört. Dank Wiederaussiedlung und strengem Schutz ist dieser Greifvogel heute auf der Insel wieder zu finden. In Ungnade war er gefallen, hatte er doch hin und wider Brieftauben, Hühner, Hasen oder Fasane gejagt.

Das Habichtweibchen im Bild gehört dem Falkner Wolfgang Mursa aus Güntersberge, wo kürzlich die Nordhäuser Landsenioren zu Gast waren. Im Aussehen fast gleich, erreichen die weiblichen Tiere Bussardgröße, die Terzel (Männchen) kaum mehr als eine Krähe. Mursas ältestes Exemplar ist 23 Jahre alt. Bis vor zwei Jahren sei er mit dem Greif noch auf Beizjagd gegangen. Heute genieße die alte Dame bei ihm ein gemütliches Rentnerdasein.

Moni nannte Falkner Erhard Förster aus Bleicherode-Ost seine Lieblingsdame, ein Habichtweibchen. Mit 22 Jahren schickte er sie in den Ruhestand. Als sie im Alter von 23 Jahren und einem Monat starb, standen Förster Tränen in den Augen. Im Alter von 23 Tagen war Moni seinerzeit – nach Antragstellung und Genehmigung der zuständigen Behörde – ausgewildert worden. Viele Jahre lang war sie ihm ein treuer Begleiter.

Der Habicht ist Standvogel und ein wendiger Jäger, wissen Falkner und Vogelkundler. Er erbeute mittlere und größere Vögel: Krähen, Enten, Elstern, Eichelhäher, Tauben, Hühnervögel. Aber auch Greifvögel wie Sperber und Turmfalken. Ferner Eichhörnchen, Kaninchen und Hasen. Er rupft in der Deckung. Selbst stärkste Federn werden ausgerissen, die Schnäbel abgebissen, das Fell der Säuger umgestülpt. Er bewohnt Wälder in der Nähe der Kulturlandschaft. Der jahrelang beibehaltene Horst steht meist dicht am Stamm oder in der Krone eines hohen Baumes.

Der geschickte Greifvogel beansprucht ein großes Jagdgebiet und geeignete Beute. Die findet er in offener Landschaft immer seltener. So beklagt der engagierte Greifvogelschützer Erhard Förster die immer ärmer werdende Artenvielfalt. Mit der chemischen Keule gegen Wildkräuter, dafür riesige Rapsflächen, aber kaum noch Niederwild oder andere Beute für den Habicht. Er kann zum Spezialisten werden. Da er nicht zwischen Ringeltauben, verwilderten Haustauben oder Brieftauben unterscheiden kann, verübeln ihm das Taubenzüchter, wenn ihnen ein Tier abhanden kommt.

Der gefiederte Jäger ist sehr selten zu sehen. Nur wenige Menschen wissen überhaupt, was ein Habicht für ein Vogel ist. Oder sie verwechseln ihn mit einem Sperber, Bussard oder Milan. Es bleibt zu wünschen, dass es diesem markanten Greifvogel nicht so ergehen mag wie denen in England, auch wenn es nur vorübergehend war.
Kurt Frank
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