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Mo, 19:22 Uhr
04.11.2019
Thüringer HC

Angriff auf den Erzrivalen

Den ersten Schritt in diesen sehr wichtigen zwei englischen Wochen haben die Damen des Thüringer Handballclubs souverän getan. Das war ziemlich perfekt, wenn es eine Perfektion im Handball überhaupt gibt. Als nächstes tritt man gegen die Erzrivalen aus Bietigheim an und will auf Attacke spielen...

Für die erste Halbzeit in Blomberg traf die Perfektion zu. Da wurde dem Tabellenzweiten durch die Gäste eine Lektion erteilt (8:17). Auch wenn Herbert Müller in Halbzeit zwei durchwechselte und einiges probierte, der Einzug ins Viertelfinale des DHB-Pokals war ungefährdet.

Aber nun kommt es noch dicker. Fünf Spiele sind es in den nächsten 14 Tagen, alle drei Tage ein Spiel. Das sind nicht nur Spiele schlechthin, das sind Herausforderungen der Extraklasse. Nach dem Pokalspiel geht es schon am kommenden Mittwoch in der Bundesliga zum amtierenden Deutschen Meister, der SG BBM Bietigheim nach Ludwigsburg, daran anschließend fliegt die Mannschaft an die Wolga, zum EHF Cup-Hinspiel in der 3. Qualifikationsrunde. Dort soll schon der Grundstein für den Einzug in die Gruppenphase gesetzt werden. Dann wieder Bundesliga, auswärts beim Tabellenzweiten HSG Blomberg-Lippe und zuletzt, drei Tage später, Rückspiel in Nordhausen gegen die Russinnen von Astrachanochka. Ein Mammutprogramm des THC, bevor sich die Spielerinnen zum DHB-Lehrgang und in die Weltmeisterschaftspause nach Japan verabschieden. In den nicht nur mit Mega-Herausforderungen gespickten zwei Wochen kommen enorme Reisestrapazen mit ellenlangen Busfahrten und Flügen dazu. So ist es nun mal, wenn man in drei Wettbewerben gleichzeitig dabei ist.

Herbert Müller zeigte sich nach dem Spiel in Blomberg sichtlich zufrieden. Seine Mädels haben perfekt umgesetzt, was man sich vorgenommen hatte. Dafür wurde auf den Feiertag verzichtet und gleich zweimal am „Reformationstag“, der in Thüringen Feiertag ist, trainiert. „Wir waren von Beginn an voll fokussiert, vor allem in der Abwehr aufmerksam, kompakt und sehr beweglich. Da wurde der Gegner immer wieder ins Zeitspiel gezwungen. Der Block funktionierte perfekt, sodass Ann-Cathrin Giegerich im Tor viel Arbeit abgenommen wurde“, schwärmt Herbert Müller. Mit schnellen Ballpassagen und im Tempospiel nach vorn wurde der Gegner überrannt – 8:17, das war gegen den bis dahin verlustpunktfreien Tabellenzweiten der Bundesliga eine Glanzleistung.

Der THC ist wieder voll in der Spur, sozusagen im Soll. Die schmerzliche Heimniederlage gegen Dortmund ist aufgearbeitet. Der Blick der Mannschaft geht nach vorn.

Am Mittwoch reist der Thüringer HC zum Meisterschaftsmitbewerber. „Für beide Mannschaften steht sehr viel auf dem Spiel, sagt Herbert Müller. „Beide stehen nach Punktverlusten unter Zugzwang, um den Anschluss an die Spitze nicht zu verlieren. Ein Sieg in Bietigheim wäre so ein i-Tüpfelchen, was man sich wünscht. Wir müssen von Anfang an präsent sein, Konstanz zeigen.“ Die SG BBM Bietigheim hat auch schon Federn lassen müssen. Der Punktverlust beim VfL Oldenburg war nicht eingeplant und die Gruppenphase in der EHF Champions League erweist sich als sehr schwierig. Die Chance, in die Hauptrunde einzuziehen, ist gering. Dazu muss nach vier Niederlagen in Folge, nunmehr im Heimspiel gegen den rumänischen Meister Ramnicu Valcea mit mehr als sieben Toren Vorsprung gewonnen werden, um sich bei Punktgleichheit im direkten Vergleich durchzusetzen. Ansonsten sieht man die Bietigheimerinnen im EHF Cup wieder. Am Mittwoch treffen die Spitzenteams der letzten Jahre in der Bundesliga aufeinander, mehr Spitzenspiel geht nicht, auch wenn nur der Tabellendritte auf den Tabellenvierten trifft.

Der THC will in Ludwigsburg gewinnen und hat nach dem an gleicher Stelle verlorenen Supercup Spiel noch eine offene Rechnung mit dem Dauerrivalen. Bietigheim muss das Heimspiel gewinnen, der THC muss die verlorenen Punkte gegen Dortmund wieder wettmachen, so stehen beide Teams enorm unter Druck. Der THC geht mit Selbstvertrauen in das Spiel, die Mannschaft hat zuletzt in der Bundesliga gegen den Buxtehuder SV und die HSG Blomberg-Lippe funktioniert und dem Auswärtsdruck im EHF Cup gegen Byasen souverän standgehalten. Die Deckung ist offenbar das Glanzstück und der Rückraum wirft Tore am laufenden Band. Die Außen sind die Glanzpositionen des Gegners. Mit Fie Woller und Angela Malestein hat Bietigheim die beste Flügelzange in Europa. Überhaupt ist der deutsche Meister Klasse besetzt; Laura van der Heijden, Karola Kudlacz-Gloc, Maren Nyland Aardahl, Kim Naidzinavicius, Anna Loerper, die langjährige THC Keeperin Dinah Eckerle oder Maura Visser gehören allesamt zum Besten, was die deutsche Bundesliga zu bieten hat. Doch der THC muss sich dahinter nicht verstecken. Das wird sicher wieder das gewohnt spannende Spiel auf der Rasierklinge. Der Stress ist auf beiden Seiten gleich, auch Bietigheim spielt noch in drei Wettbewerben, da hat keiner von beiden einen Vorteil. Spannung ist also vorprogrammiert.

Einst waren die Paarungen THC gegen HCL die Kracher in der Bundesliga, seit dem Ausscheiden des HC Leipzig lauten die Superspiele THC gegen Bietigheim und umgekehrt. Bisher haben beide Teams insgesamt 19 Mal gegeneinander gespielt. 12 Spiele gewann der THC, sieben Mal hieß Bietigheim der Sieger. Das letzte Spiel, um den Supercup endete 27:26 für Bietigheim, davor gewann der THC mit 24:23 das Pokalfinale beim OLYMP-Final4. Noch immer ist der 34:21 Auswärtssieg des THC gegen Bietigheim der höchste Sieg des THC in der EHF Champions League und das 39:16 gegen Bietigheim vom 5. März 2011 ist der höchste Sieg des THC in der Bundesliga. Etwas Statistik, mehr nicht, zeigt aber an, wie viel Brisanz in nur einem Ligaspiel liegen kann.

Die verletzte Josefine Huber fällt weiter aus, dagegen war Jovana Sazdovska am Wochenende schon schmerzfrei. Sie wird voraussichtlich diese Woche wieder ins Training einsteigen, wobei noch nicht ganz sicher ist, ob sie am Mittwoch in Ludwigsburg schon wieder spielen kann.
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