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Fr, 14:45 Uhr
17.01.2020
Neujahrsemfpang der Kreissparkasse Eichsfeld

Sparkassen stehen in spürbarem Umbruch

Traditionell eröffnete die Kreissparkasse Eichsfeld das 182. Geschäftsjahr mit dem Neujahrsempfang in der Obereichsfeldhalle in Leinefelde. Als Vorsitzender des Verwaltungsrates begrüße Landrat Dr. Werner Henning die circa 650 geladenen Gäste....

Das Jahr 2019 liegt erst wenige Tage zurück und so nutzte der Landrat die Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. „Für den Landkreis bin ich insgesamt nicht unzufrieden mit dem, was sich mir heute zeigt. Noch haben wir eine wohltuende Stabilität - im sozialen Ausgleich ebenso wie in den gemeinschaftlichen Finanzen - und können die übernommenen Verpflichtungen sowie die sich entwickelnden Wünsche solide abbilden und dies’ bei größtmöglicher Harmonie.

Die gemeindlichen Haushalte sind ebenso ausgeglichen, wie der des Landkreises. „Im Hinblick auf die Landespolitik“, so der Landrat weiter, „gehört es zu unserem Markenzeichen, dass wir dieser weder gläubig anhängen, noch destruktiv gegenüberstehen, sondern sachlich die sich bietenden Gegebenheiten zur Kenntnis nehmen, um daraus für uns und für das Land das Beste werden zu lassen. Eben deshalb erwarten wir auch von der aktuellen Landesebene eine dem Ganzen dienende Haltung.

Ungeachtet der jeweiligen politischen Schwerpunktsetzungen müssen alle mit gutem Willen auch konstruktiv zusammen- arbeiten wollen. Schwer dürften sich darin nur jene tun, welche ihr Handeln zum Ausdruck einer weltfremden Eitelkeit haben werden lassen. Schon gar nicht dazu passen schließlich die Schreier und Giftmischer, mit denen sich alle halbwegs Erzogenen nicht gemein machen sollten. Eine gesunde Distanz hat noch nie geschadet. Sie schützt zumindest davor, immer mehr persönliche Lebensbereiche an den sich um alles kümmernden Politikbetrieb abtreten zu sollen, dessen viel zu bekenntnishaftes vorgestanztes Agieren nicht zu seinen Aufgaben gehört. Wir brauchen wieder mehr gesunden Menschenverstand, Vertrauen in die Kompetenz von wirklichen Fachleuten sowie ein Tun aus einer gut gegründeten charakterlichen Erziehung“.

Nach Ansicht des Landrates sind die Gemeinden mehr denn je gefordert, dafür zu sorgen, „dass bleibewillige junge Leute günstige Bauplätze finden, damit sich diese - mit Unterstützung der Ersparnisüberhänge ihrer Familien - in der Heimat selbst eine Existenz auf der Grundlage bestandskräftiger Vermögenswerte schaffen können. Sicher ist in den zurückliegenden Jahren überall viel gebaut worden und dennoch verlassen immer noch junge Leute ihren Heimatort, weil sie dort kein Baugrundstück gefunden haben“, so Dr. Henning.

„Im Ergebnis sei dieses schlecht und langfristig ein nicht wieder gut zu machender Schaden für die Entwicklung des Dorfes. Eine Zukunft haben wir nur dann, wenn wir junges Leben bei uns halten können und am besten das unserer eigenen Kinder.“

„Das Leben ist weder schwarz noch weiß; es ist vielfältig und bunt. Bleiben wir auch im neuen Jahr gespannt und offen gegenüber dem, was auf uns zu kommt und geben wir unser Leben nicht an Institutionen ab, so sehr diese auch noch so stark darum werben. Ein jeder hat nur das eine Leben, welches er höchstmöglich zu einem glücklichen in guter Gemeinschaft mit seiner Umgebung auszugestalten hat.“ Dies gibt Landrat Dr. Werner Henning den Menschen mit auf ihren Weg durch das Jahr 2020.


v.l.n.r.: Frank Sondermann, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Eichsfeld, Hubert Riese, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Eichsfeld, Sven Plöger, TV-Meteorologe, Landrat Dr. Werner Henning, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Kreissparkasse Eichsfeld. Fotos: fotografie-grimm-leinefelde

Vorstandsvorsitzender Hubert Riese gab seiner Ansprache die Überschrift „Whatever It Takes“. „Es gibt viele Persönlichkeiten, an die wir uns sofort erinnern, wenn wir eine bestimmte Aussage hören. ‚Ich bin ein Berliner‘, bei diesem Satz haben alle das Bild von John F. Kennedy 1963 vor dem Schöneberger Rathaus vor Augen. ‚Yes, we can‘, wir erinnern uns an Barack Obama. ‚Ich wünsche Ihnen vom Guten das Allerbeste‘, kennen alle hier im Landkreis. So gratuliert Herr Landrat Dr. Henning an wichtigen Ehrentagen.


Hubert Riese, Vorsitzender des Vorstandes der Kreissparkasse

‚Whatever it takes‘ – das versprach Mario Draghi 2012 in seiner Rede in London.“ Nach Auffassung vieler Ökonomen hat er mit diesen drei Worten damals den Euro gerettet. „Ich habe meine Rede auch unter die Überschrift ‚Whatever It Takes‘ gestellt. Ich meine damit aber kein hirnloses und stoisches Durchdrücken von eigener Macht, Ideologien und Extremmeinungen. Nein, ich meine vielmehr das konsequente, überlegte Handeln, welches auch das verantwortungsvolle Abwägen von Chancen und Risiken beinhaltet und wo man bereit ist, die Verantwortung für eintretende Risiken und Nebenwirkungen zu übernehmen“, so Vorstandsvorsitzender Hubert Riese.

„Der tägliche Blick in die Medien scheint uns vor kaum zu bewältigende Herausforderungen zu stellen. Gute internationale Zusammenarbeit ist längst nicht mehr so selbstverständlich. Wir haben vor 30 Jahren miterleben dürfen, was eine professionelle internationale Zusammenarbeit und der Mut der Menschen bewirken konnten, eine unüberwindbar scheinende Grenze zu öffnen. In diesem Jahr haben wir daran besonders gedacht und auch gefeiert. Die Verlässlichkeiten internationaler Zusammenarbeit werden jedoch in den politischen Beziehungen immer weniger.“ Der Sparkassenchef ging auf die gesellschaftlichen Themen unserer Zeit ein und er bezog klar Stellung.

„Zurzeit wird sehr viel über das Klima gesprochen - mit Recht - doch sollten wir unbedingt auch genauso viel über das Klima untereinander sprechen. Wir müssen wieder mehr miteinander reden und nicht nur streiten. Dabei zeigt sich, dass gerade die, die häufig das Wort, Demokratie‘ in den Mund nehmen, oftmals intolerant, ideologisch und diktatorisch mit ihren Mitmenschen umgehen.

Wenn alle wieder demütiger werden und zueinander finden, wird es einfacher, vernünftige Lösungen für die großen gesellschaftlichen Themen zu finden und zwar innerhalb kürzester Zeit. Erst dann wird sich wieder etwas bewegen“, ist der Sparkassenchef überzeugt.
Die Sparkassen stehen mitten in einem spürbaren Umbruch. „Die niedrigen Zinsen zehren am Geschäftsmodell, am Zinsüberschuss, ja auch an den Nerven“, gab Riese zu. Oft wird er von Kunden gefragt, ob sie mit Negativzinsen für Geldanlagen rechnen müssen. Laut Riese hat die Kreissparkasse Eichsfeld bei den Zinssenkungen der EZB das Schutzschild lange hochgehalten.

Doch die Sparkasse ist ein Wirtschaftsunternehmen und kann es sich auf Dauer nicht leisten, gegen die zwingende Logik der Betriebswirtschaft zu handeln. Große Banken hätten bereits Verwahrentgelte eingeführt, was einen Dominoeffekt in Gang setzte. Die Kreisparkasse Eichsfeld wird mit Kundeneinlagen überschwemmt, für die sie bei der Deutschen Bundesbank wiederum Verwahrentgelt zahlen müsse.


Der Chor der Kreissparkasse Eichsfeld sang zusammen mit der Band „Amplitude“.

„Früher haben wir uns über das Kundeneinlagenwachstum gefreut, heute schneidet es tiefe Falten in meine Stirn“, ist Riese besorgt. Die Sparkasse sei aufsichtsrechtlich und natürlich ökonomisch gefordert, alles betriebswirtschaftlich Notwendige zu tun, um in dem gegebenen schwierigen Umfeld auch zukünftig erfolgreich und zum Wohle der Bürger dieses Landkreises agieren zu können. Die Menschen können sicher sein, „dass wir nur Entscheidungen treffen werden, die ausgewogen und langfristig sinnvoll sind“, versprach Riese.

„Da tut es gut zu hören, dass uns 92 Prozent unserer Firmenkunden wieder als Kreditinstitut wählen würden und dass 84 Prozent unsere Kundenberatung gut oder sogar ausgezeichnet finden“. Das sind Ergebnisse der 2019er Firmenkundenbefragung. „Ich bin stolz, dass wir viele Firmenkunden seit der Wende begleiten dürfen. Das tun wir gern und es spornt uns an, mit Ihnen gemeinsam interessante Projekte zu stemmen“, so Hubert Riese. Die Kundenkredite stiegen im Jahr 2019 um beachtliche 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.


Hubert Riese äußerte sich in seiner Rede auch über Fusionsgedanken. „Natürlich stellen wir uns einer solchen Entwicklung nicht entgegen. Sie können aber sicher sein, dass wir nur einen Partner aussuchen werden, mit dem wir gemeinsam zum Wohle unserer Kunden, unserer Mitarbeiter und des Landkreises in die Zukunft gehen werden. Wir möchten vordenken, vorsorgen und uns für die Zukunft zeitgemäß aufstellen. Ja, wir möchten auch noch der Partner der Generationen XYZ sein“, blickt Riese voraus.

Mit rund einer halben Million Euro unterstützte die Sparkasse 2019 im Sport, im kulturellen und auch im sozialen Bereich durch Spenden, Sponsoring, aus dem PS-Zweckertrag und durch die Ausschüttung an den Landkreis. Hinzu kommen Förderungen und gemeinnützige Projekte aus Mitteln der Stiftung der Kreissparkasse Eichsfeld. Abschließend unterstreicht Vorstandsvorsitzender Hubert Riese: „Der Kreissparkasse Eichsfeld geht es gut. Mit rund 30 Prozent Eigenkapitalausstattung ist sie kerngesund und für die Zukunft gut aufgestellt.“


Gastreferent des Abends war in diesem Jahr TV-Meteorologe Sven Plöger mit dem Vortrag „Klimawandel. Gute Aussichten für morgen!?“

Musikalisch umrahmt wurde der Neujahrsempfang mit einem brillanten Programm durch die Schüler der Eichsfelder Musikschule: Leni Rodenstock, Florian Becker, Tabea Gries, Julius Rhöse, Christian Rümenapp und Hendrik Lendeckel, durch die Band „Amplitude“ und den Chor der Kreissparkasse Eichsfeld unter Leitung von Uwe Baum.


v.l.n.r.: Tabea Gries, Florian Becker, Leni Rodenstock, Christian Rümenapp, Julius Rhöse und Hendrik Lendeckel sind Schüler der Eichsfelder Musikschule.
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