Fr, 21:21 Uhr
31.01.2020
Grenzlandmuseum Eichsfeld in Teistungen
9000 Besucher mehr als im Vorjahr
2020 feiern wir die deutsche Wiedervereinigung vor 30 Jahren und schauen auf 25 Jahre Grenzlandmuseum Eichsfeld (Eröffnung am 11. November 1995, getragen vom gemeinnützigen Grenzlandmuseum Eichsfeld e.V.)....
Die politischen Ereignisse, die im Herbst 1989 dazu führten, dass die innerdeutsche Grenze und der Eiserne Vorhang fielen, haben wir 2019, im 30. Jahr nach der Grenzöffnung, im Grenzlandmuseum Eichsfeld fokussiert: die friedliche Revolution in der DDR, die, beginnend in Leipzig und anderen größeren Städten, auch das Eichsfeld erreichte und in kürzester Zeit mehrere 10.000 Menschen auf die Straße führte.
Am 23. Oktober 1989 fand in Heiligenstadt nach der Marienfeier die erste unangemeldete Demonstration statt. Bei einem Schweigemarsch stellten die Demonstrierenden Kerzen vor öffentlichen Gebäuden auf. Bei den Demonstrationen im Eichsfeld, die montags in Heiligenstadt und donnerstags in Leinefelde stattfanden, forderten die Menschen u.a. die Achtung der Grundrechte, die Chancengleichheit für Christen, die Abschaffung des Sperrgebietes und die Offenlegung von Umweltdaten.
Die Nacht vom 9. auf den 10. November änderte auch die Situation an der innerdeutschen Grenze im Eichsfeld. Um 0.35 Uhr öffneten die DDR-Sicherheitsorgane den Grenzübergang Duderstadt- Worbis. Dieses zentrale Ereignis haben wir am Gedenkwochenende 9./10. November 2019 mit der großen Licht- und Klangkunst-Installation Niemandsland – Zwischen den Welten, einem länderübergreifenden, ökumenischen Gottesdienst und vielen Aktionen am Grenzlandmuseum gefeiert.
Mehr als 10.000 Menschen haben an diesem Festwochenende die Angebote und Veranstaltungen im Grenzlandmuseum sowie die Anlagen des ehemaligen Grenzübergangs und den Grenzlandweg besucht. Ein Dank für die Realisierung dieses herausragenden Museumsprojektes geht an die Bundeskulturstaatsministerin (BKM) Frau Prof. Monika Grütters, den Freistaat Thüringen, das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und den Landschaftsverband Südniedersachsen.
In 2019 haben insgesamt 63.300 Besucherinnen und Besucher die Angebote des Grenzlandmuseums Eichsfeld genutzt. Das bedeutet, dass wir rund 9.000 Gäste mehr verzeichnen konnten als im Vorjahr.
Unser Programm im Jahr 2020 beginnen wir mit einem Rückblick auf die Kofferdemo im Januar
1990, der größten Demonstration, die kurz nach der Grenzöffnung im Eichsfeld stattfand. Rund 50.000 Eichsfelderinnen und Eichsfelder haben damals gegen die Politik des SED-Regimes, für Meinungsfreiheit und weitere Veränderungen in ihrem Land demonstriert.
Ihre mitgebrachten Koffer sollten die Ausreise aus der DDR symbolisieren. Die Massenauswanderung war für die DDR nach der Grenzöffnung zum Problem geworden, und die Demonstrierenden kündigten an, ebenfalls zu gehen, sollte die SED nach den anstehenden Wahlen im Frühjahr 1990 an der Macht bleiben.
Mit Fotos, historischen Objekten und zeitgenössischen Dokumenten erinnern wir an dieses außergewöhnliche Ereignis. Die Sonderausstellung wird bis Ostern 2020 zu sehen sein. Außerdem widmen wir uns auch in unserer Dauerausstellung den Zusammenhängen und Ereignissen rund um die friedliche Revolution, Grenzöffnung und Deutsche Einheit.
Im weiteren Jahresverlauf stehen spannende Vorträge, Lesungen und Projekte auf dem Programm. Themen sind unter anderem die letzten Volkskammerwahlen in der DDR, Katholizismus unter dem SED-Regime, der operativ-technische Sektor der Stasi, die grenzübergreifende Umweltverschmutzung sowie das Notaufnahmelager Uelzen-Bohldamm als Anlaufstelle für Vertriebene und Flüchtlinge aus der SBZ und DDR.
Außerdem werden wir gemeinsam mit der Heinz-Sielmann-Stiftung bei einer Gedenkwanderung an die Abriegelung der innerdeutschen Grenze durch die DDR im Jahr 1952 erinnern. Auch 2020 besteht die Möglichkeit, sich zur Stasi- Akteneinsicht beraten zu lassen.
Bereits am 19. Februar werden wir noch einen Blick auf die Auswirkungen der Grenzöffnung auf die europäischen Nachbarländer werfen. Der vierte und letzte Teil der interdisziplinären Vortragsreihe Vom Todesstreifen zur Lebenslinie, der Ende vergangenen Jahres kurzfristig abgesagt werden musste, wird nachgeholt und thematisiert die wechselvolle Nachbarschafts- und Grenzgeschichte in Fennoskandien.
Die Vorträge sind auf Englisch und werden übersetzt. Beginn ist um 19 Uhr in der Bildungsstätte am Grenzlandmuseum. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem ausführlichen Halbjahresprogramm.
Zudem möchten wir darüber informieren, dass das Grenzlandmuseum Eichsfeld für die kommenden fünf Jahre die Trägerschaft der Fach- und Koordinierungsstelle für die Partnerschaft für Demokratie im Eichsfeld übernimmt und damit auch das Museum als Lernort für die Demokratie stärkt.
Zum Hintergrund: der Landkreis Eichsfeld beteiligt sich an dem Bundesprogramm Demokratie leben! durch eine Partnerschaft für Demokratie. Zentrales Ziel ist, mit möglichst vielen Akteurinnen und Akteuren vor Ort Projekte und Aktionen durchzuführen:
- für eine starke Demokratie
- zum Abbau von Fremdenfeindlichkeit
- gegen rechtsextremistische und antisemitische Tendenzen
- zur Förderung von Vielfalt und Toleranz
- für eine offene, multikulturelle Gesellschaft
- für den Aufbau von Jugendbeteiligungsstrukturen
Zusätzlich wird die Arbeit für das Förderprogramm Denk bunt des Freistaats Thüringen gefördert. Die Fach- und Koordinierungsstelle hat ihren Sitz für die kommenden fünf Jahre im Grenzlandmuseum Eichsfeld. Alle Informationen zu den Projekt- und Fördermöglichkeiten werden rechtzeitig mitgeteilt.
Mira Keune
Geschäftsführerin
Autor: ikDie politischen Ereignisse, die im Herbst 1989 dazu führten, dass die innerdeutsche Grenze und der Eiserne Vorhang fielen, haben wir 2019, im 30. Jahr nach der Grenzöffnung, im Grenzlandmuseum Eichsfeld fokussiert: die friedliche Revolution in der DDR, die, beginnend in Leipzig und anderen größeren Städten, auch das Eichsfeld erreichte und in kürzester Zeit mehrere 10.000 Menschen auf die Straße führte.
Am 23. Oktober 1989 fand in Heiligenstadt nach der Marienfeier die erste unangemeldete Demonstration statt. Bei einem Schweigemarsch stellten die Demonstrierenden Kerzen vor öffentlichen Gebäuden auf. Bei den Demonstrationen im Eichsfeld, die montags in Heiligenstadt und donnerstags in Leinefelde stattfanden, forderten die Menschen u.a. die Achtung der Grundrechte, die Chancengleichheit für Christen, die Abschaffung des Sperrgebietes und die Offenlegung von Umweltdaten.
Die Nacht vom 9. auf den 10. November änderte auch die Situation an der innerdeutschen Grenze im Eichsfeld. Um 0.35 Uhr öffneten die DDR-Sicherheitsorgane den Grenzübergang Duderstadt- Worbis. Dieses zentrale Ereignis haben wir am Gedenkwochenende 9./10. November 2019 mit der großen Licht- und Klangkunst-Installation Niemandsland – Zwischen den Welten, einem länderübergreifenden, ökumenischen Gottesdienst und vielen Aktionen am Grenzlandmuseum gefeiert.
Mehr als 10.000 Menschen haben an diesem Festwochenende die Angebote und Veranstaltungen im Grenzlandmuseum sowie die Anlagen des ehemaligen Grenzübergangs und den Grenzlandweg besucht. Ein Dank für die Realisierung dieses herausragenden Museumsprojektes geht an die Bundeskulturstaatsministerin (BKM) Frau Prof. Monika Grütters, den Freistaat Thüringen, das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und den Landschaftsverband Südniedersachsen.
In 2019 haben insgesamt 63.300 Besucherinnen und Besucher die Angebote des Grenzlandmuseums Eichsfeld genutzt. Das bedeutet, dass wir rund 9.000 Gäste mehr verzeichnen konnten als im Vorjahr.
Unser Programm im Jahr 2020 beginnen wir mit einem Rückblick auf die Kofferdemo im Januar
1990, der größten Demonstration, die kurz nach der Grenzöffnung im Eichsfeld stattfand. Rund 50.000 Eichsfelderinnen und Eichsfelder haben damals gegen die Politik des SED-Regimes, für Meinungsfreiheit und weitere Veränderungen in ihrem Land demonstriert.
Ihre mitgebrachten Koffer sollten die Ausreise aus der DDR symbolisieren. Die Massenauswanderung war für die DDR nach der Grenzöffnung zum Problem geworden, und die Demonstrierenden kündigten an, ebenfalls zu gehen, sollte die SED nach den anstehenden Wahlen im Frühjahr 1990 an der Macht bleiben.
Mit Fotos, historischen Objekten und zeitgenössischen Dokumenten erinnern wir an dieses außergewöhnliche Ereignis. Die Sonderausstellung wird bis Ostern 2020 zu sehen sein. Außerdem widmen wir uns auch in unserer Dauerausstellung den Zusammenhängen und Ereignissen rund um die friedliche Revolution, Grenzöffnung und Deutsche Einheit.
Im weiteren Jahresverlauf stehen spannende Vorträge, Lesungen und Projekte auf dem Programm. Themen sind unter anderem die letzten Volkskammerwahlen in der DDR, Katholizismus unter dem SED-Regime, der operativ-technische Sektor der Stasi, die grenzübergreifende Umweltverschmutzung sowie das Notaufnahmelager Uelzen-Bohldamm als Anlaufstelle für Vertriebene und Flüchtlinge aus der SBZ und DDR.
Außerdem werden wir gemeinsam mit der Heinz-Sielmann-Stiftung bei einer Gedenkwanderung an die Abriegelung der innerdeutschen Grenze durch die DDR im Jahr 1952 erinnern. Auch 2020 besteht die Möglichkeit, sich zur Stasi- Akteneinsicht beraten zu lassen.
Bereits am 19. Februar werden wir noch einen Blick auf die Auswirkungen der Grenzöffnung auf die europäischen Nachbarländer werfen. Der vierte und letzte Teil der interdisziplinären Vortragsreihe Vom Todesstreifen zur Lebenslinie, der Ende vergangenen Jahres kurzfristig abgesagt werden musste, wird nachgeholt und thematisiert die wechselvolle Nachbarschafts- und Grenzgeschichte in Fennoskandien.
Die Vorträge sind auf Englisch und werden übersetzt. Beginn ist um 19 Uhr in der Bildungsstätte am Grenzlandmuseum. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem ausführlichen Halbjahresprogramm.
Zudem möchten wir darüber informieren, dass das Grenzlandmuseum Eichsfeld für die kommenden fünf Jahre die Trägerschaft der Fach- und Koordinierungsstelle für die Partnerschaft für Demokratie im Eichsfeld übernimmt und damit auch das Museum als Lernort für die Demokratie stärkt.
Zum Hintergrund: der Landkreis Eichsfeld beteiligt sich an dem Bundesprogramm Demokratie leben! durch eine Partnerschaft für Demokratie. Zentrales Ziel ist, mit möglichst vielen Akteurinnen und Akteuren vor Ort Projekte und Aktionen durchzuführen:
- für eine starke Demokratie
- zum Abbau von Fremdenfeindlichkeit
- gegen rechtsextremistische und antisemitische Tendenzen
- zur Förderung von Vielfalt und Toleranz
- für eine offene, multikulturelle Gesellschaft
- für den Aufbau von Jugendbeteiligungsstrukturen
Zusätzlich wird die Arbeit für das Förderprogramm Denk bunt des Freistaats Thüringen gefördert. Die Fach- und Koordinierungsstelle hat ihren Sitz für die kommenden fünf Jahre im Grenzlandmuseum Eichsfeld. Alle Informationen zu den Projekt- und Fördermöglichkeiten werden rechtzeitig mitgeteilt.
Mira Keune
Geschäftsführerin
