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Mo, 07:46 Uhr
17.08.2020
Studie zu Corona

Gesellschaftlicher Zusammenhalt verbessert

Die Menschen in Deutschland bewerten den gesellschaftlichen Zusammenhalt nach dem ersten Höhepunkt der Corona-Pandemie positiver als noch Anfang des Jahres. Dies geht aus dem neuen „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt 2020“ der Bertelsmann Stiftung hervor...


Für die Studie wurden zunächst im Februar und März 3.010 Personen repräsentativ befragt, 1.000 hiervon dann noch einmal im Mai und Juni, also nach dem Ende der Kontaktbeschränkungen. Im Zeitverlauf zeigt sich, dass noch im Februar 46 Prozent der Befragten den Zusammenhalt in Deutschland als gefährdet ansahen. Dieser An­teil reduzierte sich bereits im März auf 40 Prozent und sank im Mai und Juni weiter auf 36 Prozent ab. Ebenso nahm der Eindruck ab, die Bürger:innen würden sich nicht um ihre Mit­menschen kümmern.

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Während dies im Februar noch 41 Prozent sagten, äußerten im Mai und Juni nur noch 21 Prozent diese Auffassung. Auch das Vertrauen in die Bundesregie­rung hat über die Monate deutlich zugelegt: von 19 Prozent zunächst auf 30 Prozent im März und schließlich bis auf 45 Prozent beim dritten Befragungszeitpunkt.

„Wir verzeichnen einen Aufschwung bei der allgemeinen Stimmungslage in unserer Moment­aufnahme bis Anfang Juni“, sagt Dr. Kai Unzicker, Experte der Bertelsmann Stiftung für ge­sellschaftlichen Zusammenhalt. „Viele Menschen sind zunächst erleichtert, dass die ersten Auswirkungen der Pandemie in ihren Augen bisher so glimpflich ausgefallen sind. Zugleich haben sie mehrheitlich große Solidarität und Rücksichtnahme erfahren.“

Auch in der langfristigen Perspektive gibt die Studie Anlass zu Optimismus. Im Vergleich zur Vorgängeruntersuchung aus dem Jahr 2017 erweist sich der gesellschaftliche Zusammen-halt insgesamt als stabil. Die 36 Indikatoren, mit denen die Bertelsmann Stiftung den Zusam­menhalt auf einer Skala von 0 (gering) bis 100 (hoch) misst, haben sich in den vergangenen drei Jahren kaum verändert. In der Tendenz ist der Durchschnittswert für die westdeutschen Bundesländer sogar von 60 auf 62 Punkte etwas angestiegen, während er in Ostdeutschland (einschließlich Berlin) nach wie vor bei 58 Punkten liegt. „Auch wenn viele Bürgerinnen und Bürger sich um das Miteinander Sorgen machen, zeigen unsere Daten: Der Zusammenhalt in Deutschland ist insgesamt weiterhin robust“, fasst Unzicker das Resultat des Zeitver­gleichs zusammen.

Corona lässt bestehende Verwerfungen deutlicher zum Vorschein kommen
Andererseits zeigt die Erhebung aber, dass es soziale Gruppen gibt, die den Zusammenhalt in der Gesellschaft systematisch als geringer erleben. Rund 43 Prozent aller Befragten wei­sen mit Werten von weniger als 60 Punkten unterdurchschnittliche Ergebnisse auf. In dieser Gruppe sind Menschen mit geringerer formaler Bildung, niedrigem ökonomischem Status und Migrationshintergrund häufiger vertreten. Ebenso finden sich darunter vergleichsweise viele Personen, die allein leben oder Alleinerziehende sind. Menschen, die einen geringen Zusammenhalt erleben, zeichnen sich außerdem durch eine größere Zukunftsangst aus.

In der aktuellen Krisensituation bestätigen sich diese sozialen Unterschiede. „Wie unter ei­nem Brennglas lässt Corona bereits bestehende soziale Verwerfungen noch deutlicher zum Vorschein kommen. Wer vorher schon benachteiligt war, für den stellt sich die Lage in der Krise noch schwieriger dar“, erklärt Kai Unzicker. Während über 90 Prozent der Teilnehmer der Wiederholungsbefragung angeben, mit der Corona-Situation gut klar zu kommen, zeigen sich bei genauerem Hinsehen deutliche Unterschiede. So weisen diejenigen Personen, die bereits vor der Krise einen hohen Zusammenhalt erlebten, im Frühsommer geringere Sorgen um ihre eigene Zukunft oder die ihrer Familie auf, fühlen sich seltener einsam und haben we­niger den Eindruck, die Pandemie belaste das Zusammenleben.

Anhänger von Linkspartei und AfD empfinden weniger Zusammenhalt
Insgesamt haben sich im ersten Halbjahr 2020 die Sorgen der Bürger trotz Pandemie und aufziehender Wirtschaftskrise eher reduziert. Waren im Februar noch über die Hälfte der Be­fragten in Sorge darüber, selbst arm zu sein oder zu werden, so sind es im Frühsommer nur noch 47 Prozent. Auch die Angst vor Arbeitslosigkeit hat deutlich abgenommen, von 44 Pro­zent auf 31 Prozent. Immer noch mehrheitlich, aber ebenfalls etwas weniger, sorgen sich die Menschen in Deutschland vor einer Wirtschafts- und Finanzkrise (63 statt 68 Prozent) und vor Erkrankungen (64 statt 67 Prozent).

Zudem ist ein überraschend eindeutiger politischer Trend erkennbar: Die Anhänger von Bündnis90/Die Grünen, CDU, CSU, SPD und FDP be­werten den Zusammenhalt deutlich positiver als die Anhänger der Linkspartei und insbeson­dere der AfD sowie politisch ungebundene Personen. Dabei zeichnen sich die Anhänger der AfD vor allem durch geringe Werte beim generellen Vertrauen, der Akzeptanz von Diversität und dem Vertrauen in Institutionen aus. Anhänger der Linkspartei empfinden im Vergleich am häufigsten Defizite bei der sozialen Gerechtigkeit.

Die Studienautoren empfehlen, das Augenmerk von Politik und Gesellschaft insbesondere auf die Bevölkerungsgruppen zu richten, die ein geringeres Maß von Zusammenhalt verspü­ren und von einer schlechteren Versorgung mit sozialer Infrastruktur in ihrem näheren Um­feld berichten. „Gerade durch die Erfahrungen der aktuellen Krisensituation drohen vor allem Alleinerziehende, Migranten und Personen mit geringerer Bildung aus dem sozialen Gefüge herauszufallen. Sollte sich beispielsweise die Situation bei der Kinderbetreuung oder dem Homeschooling in nächster Zeit nicht deutlich verbessern oder gar wieder verschärfen, so geht dies vor allem zu Lasten dieser Gruppen“, sagt Kai Unzicker. Notwendig seien daher gezielte Anstrengungen, die Versorgungs- und Unterstützungsangebote vor Ort auszubauen.

Diese Studie ist Teil des Projekts „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt“, in welchem die Bertelsmann Stiftung seit 2012 die soziale Kohäsion auf unterschiedlichen Ebenen unter­sucht. Es sind bereits Studien zum Zusammenhalt im internationalen Vergleich, in Deutsch­land und auf lokaler Ebene entstanden. Für die vorliegende Studie wurden vom Umfragein­stitut INFAS zunächst im Februar und März 3.010 Personen ab 16 Jahren repräsentativ tele­fonisch befragt.

Anschließend wurden 1.000 Personen aus dieser Erstbefragung von Ende Mai bis Mitte Juni ein zweites Mal befragt. Dieses Vorgehen ermöglicht den direkten Ver­gleich der Antworten von einzelnen Personen in beiden Erhebungszeiträumen. Die Befra­gung im Frühjahr hatte eine durchschnittliche Dauer von 30 Minuten, die zweite Befragung war kürzer und dauerte im Schnitt zwölf Minuten.

Für den langfristigen Zeitvergleich wurde auf eine frühere Umfrage zurückgegriffen, die ebenfalls von INFAS im Auftrag der Bertelsmann Stiftung im Jahr 2017 durchgeführt wurde. Damals wurden 5.041 Personen repräsentativ befragt.

Allen Studien liegt ein gemeinsames Konzept von gesellschaftlichem Zusammenhalt zu­grunde. Dieses besteht aus neun unterschiedlichen Dimensionen: Soziale Netze, Vertrauen in Mitmenschen, Akzeptanz von Diversität, Identifikation, Vertrauen in Institutionen, Gerech­tigkeitsempfinden, Solidarität und Hilfsbereitschaft, Anerkennung sozialer Regeln und gesell­schaftliche Teilhabe. Diese neun Dimensionen werden mit insgesamt 36 Einzelindikatoren gemessen.

Hier kommen Sie zum Download der Studie sowie weiteren Informationen.
Autor: psg

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Kommentare
Lotterfee
17.08.2020, 11:30 Uhr
Schon wieder,
eine dieser Studien. Schon in diesem Zusammenhang erwähnte Bertelsmann Stiftung bereitet mir Bauchschmerzen.
Ebenso kritikwürdig, der immer wieder erwähnte geringe Bildungsstand, niedriger ökonomischer Status oder Migrationshintergrund.
Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist seit den 90zigern rapide zurück gegangen. Die Gründe dafür sind zu vielfältig um sie alle aufzuzählen.
Auch wenn es zu Beginn der Coronakrise scheinbar mehr Zusammenhalt gab, war aber auch damit zu rechnen, das dieser positive Effekt nicht lange anhält. Die Gesellschaft hat sich einfach zu sehr verändert.
Zu glauben das ein Virus das ändert ist naiv.
Leser X
17.08.2020, 12:02 Uhr
Apropos geringer Bildungsstand
Dieser zeigt sich meines Erachtens auch auf den sogenannten Anti-Corona-Demos. Allein schon der Ruf "ich will mein Leben zurück" spricht Bände.

Jeder Mensch mit ein bisschen Grips will genauso sein Leben zurück. Im Gegensatz zu den Schreihälsen weiß er aber immerhin, dass er zuvor erstmal sein Leben etwas einschränken muss. Und je konsequenter er das tut, umso eher kriegt er sein Leben zurück. Die allermeisten Bürgerinnen und Bürger wissen das zum Glück auch.

Und dass es politische Kreise gibt, die genau diesen Zusammenhang ausblenden um sich an die Spitze einer dümmlichen Bewegung zu stellen, spricht ebenfalls Bände. Von der AfD erwarte ich nichts anderes, der Linken kann ich nur empfehlen, sich an sowas nicht zu beteiligen.
geloescht.20230927
17.08.2020, 12:38 Uhr
Zusammenhalt....
in dieser egoistischen Gesellschaft???
Ich lach mich schlapp!
Gute Besserung!!!
Kritiker2010
17.08.2020, 12:54 Uhr
Studie? Wohl eher ein Wunschkonzert der Realitätsleugner.
Realitätsverweigerer würde besser klingen, aber Leugner sind ja gerade in Mode.
Der ganze Text stinkt wieder mal derart zum Himmel, dass sich nur Schmeißfliegen darauf nieder lasen.

Wie sieht er also aus, der Gesellschaftliche Zusammenhalt?

Wird er gekennzeichnet durch Medien, die Menschen mit verschiedenen Standpunkten kreuz und quer gegeneinander aufhetzen und ausgrenzen?
Oder durch die Corona-Maßnahmen, die das soziale Miteinander verhindern, das für so viele Leute Ausdruck der Gemeinschaft ist?
Ist es die neue bunte Partyszene in Stuttgart, Frankfurt oder Berlin Neukölln, die gemeinschaftlich alles kurz und klein schlägt?
Oder ist es vielleicht die Tatsache, dass man seine Angehörigen im Altersheim nicht mehr besuchen darf?
Oder wird vielleicht der Ersatz des Bildungssystems durch Selbstbeschulung als Hinweis auf den Zusammenhalt innerhalb der Familie gedeutet?

Einig sind sich viele Leute nur in ihren paranoiden Corona-Angststörungen, die ALLE anderen realen Probleme komplett vergessen machen.

Das ist die von mir wahrgenommene gesellschaftliche Realität in Deutschland im Sommer 2020.
Wolfi65
17.08.2020, 13:01 Uhr
Schöner Zusammerhalt
Wenn einer umfällt, freuen sich die Anderen.
Es vergeht nicht ein Tag, wo man lesen muss, dass jemand erstochen, überfahren oder totgeschlagen wird.
Ich kann mich nicht erinnern, dass im Unrechtstaat DDR sich ein Zugführer bei der Fahrkartenkontrolle anspucken und oder mit dem gezückten Messer, abstechen und mit letzter Kraft die Notbremse ziehen musste.
Der harte Euro und die sozialen Unterschiede, treiben ihre Blüten.
Und noch dazu, die Freiheit im Kopf leer zu sein.
Diese Freiheit füllt die JVAs und die Klapsmühlen.
DonaldT
17.08.2020, 13:21 Uhr
Studie zu Corona
Bertelsmann Stiftung - Bock und Gärtner!
Wer wurde da "befragt"?
Familien mit Kindern, Mieter, Steingarteneigner? oder doch asylbewerbende, traumatisierte Flüchtlinge?
Für diesen Teil der Bewohner hat sich ja auch nichts geändert, außer dass sie die 300,00 € pro Kind dazu haben. Miete usw, spielt doch keine Rolle, anders, wenn sie durch Arbei verdient werden muss.
Da waren bestimmt schon einige der von Fr.Siegesmund geforderten 100 "Gutachter" am Werk. Probeschreiben.
Micha123
17.08.2020, 14:08 Uhr
Oh' diese Studien...
Eigentlich wollte ich den Artikel nicht lesen... weil ich mir denken konnte, welch Unsinn darin enthalten ist. Aber dieses "Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt 2020" machte mich dann doch neugierig.
Diese Studie ist von der Realität weit entfernt! Und natürlich richten sich unsere Politiker dann.. und da weiß man, wie weit diese von den Menschen hier entfernt sind. Sie leben in ihrer eigenen Welt. Und klar, es dürfen die AfD'ler nicht fehlen, denn es sind ja die Bösen!

Der gesellschaftliche Zusammenhalt hat sich doch da genau gezeigt, als in den Läden um die letzte Rolle Toilettenpapier gekämpft wurde!

Spätestens seit 1990 ist dieser Zusammenhalt, ja diese Solidarität Stück für Stück gesunken. Und nun sind wir im Tiefpunkt! Es gibt Ausnahmen, ja aber sonst ist im Grunde sich jeder selbst der Nächste. Egoismus pur!

Wer kennt denn heute noch seine Nachbar oder die Leute, welche mit in der gleichen Straße wohnen? Wie gesagt, ich will nicht alles schlecht machen, denn es gibt Orte und Gegenden, wo dieses "Wir-Gefühl" und die Solidarität noch vorhanden sind.

Ja - Corona ist eine Chance, eine Chance etwas zu verändern, im positiven Sinne. Aber es wird nicht genutzt.
Eine Maske trägt man aus Respekt zu seinem Gegenüber. Aus Respekt, weil eine erhöhtest Risiko besteht, so kann man auch einmal auf den "Malle-Urlaub" verzichten.. Aber an dem war es nicht und ist es nicht.

Ich wünsche mir, dass ich folgendes nicht erlebe.. Denn das einmal Krieg ist.. Denn das wird es so sein, dass keiner was unternimmt, weder für sich, noch für das Volk und schon gar nicht für das Vaterland.
enteorym
17.08.2020, 14:28 Uhr
Fernab jeglicher Realität
Der im März fragil aufkeimende neue Zusammenhalt wurde spätestens mit den ersten größeren Hygienedemos aufgekündigt. Ein weiteres Anzeichen einer verfallenden, vom Egoismus zerfressenen Gesellschaft, in der sich selbst der Nächste und zuweilen auch Einzige ist. Die Hyperpolarisation jeden, aber auch wirklich jeden Themas, tut ihr Übriges und wird langfristig das dünne Geflecht, welches diese Gesellschaft derweilen noch zusammenhält, endgültig auflösen.
Herr Taft
17.08.2020, 16:14 Uhr
Anti-Corona-Demo
... vorgestern in Hannover. Habe live gesehen: nicht ganz 100 Menschen liefen Abstandhalter und teilweise mit Maske hinter einem Handwagen mit Lautsprecher her.... während tausende die Innenstadt bevölkerten, in Biergärten saßen, sich an die Regeln haltend die Geschäfte füllten und sich überhaupt nicht für die 100 Aufgeregten interessierten.

Der Zusammenhalt und die Gute Laune fand nicht bei der Demo sondern in Geschäften, Cafés und Biergärten statt...
Marco Müller-John
17.08.2020, 20:57 Uhr
.....@Pseudospalter, Nörgler & DDR Glorifizierer
Wenn hier unisono vom Verfall des sozialen Miteinander fabuliert wird und alles madig getippt wird, insbesondere das soziale Miteinander, möchte ich höflichst darauf hinweisen, das schwierige Charaktere mit ihren doch sehr eigenen Ansichten, schon immer Probleme hatten, ein soziales Miteinander dauerhaft zu erleben.

Soll z.Bsp. heissen, das der ständig nörgelnde, gerichtlich klagende, denunzierende Nachbar Nächstenliebe wohl eher nur als letztes Mittel und in höchster Not aus Humanität erfahren würde.
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