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Fr, 12:02 Uhr
15.10.2021
Thüringens Rote Liste

40 Prozent aller Arten in Thüringen gelten als gefährdet

Das Umweltministerium hat heute im Naturkundemuseum Erfurt die neuen Roten Listen für Thüringen vorgestellt. Einige Tiere konnten zwar von der Liste "entlassen" werden, die Herausforderungen seien aber weiter hoch. Rund 40 Prozent aller in Thüringen lebenden Arten gelten demnach als gefährdet...

Die Listen erfassen alle zehn Jahre umfassend den Bestand von heimischen Tier-, Pflanzen- und Pilzgruppen und Biotopen um deren Gefährdungszustand zu ermitteln. „Das Artensterben ist eine ebenso große Herausforderung wie die Klimakrise. Auf der Weltnaturkonferenz forderte deshalb die internationale Staatengemeinschaft vor wenigen Tagen konsequentes Handeln auf allen Ebenen. Damit wir über die Artenvielfalt in Thüringen Bescheid wissen, gibt es alle zehn Jahre die Roten Listen. Sie sind das Fieberthermometer und die Temperatur ist weiter zu hoch", erklärt Umweltministerin Anja Siegesmund.

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Gelbbauchunke, Kreuzotter oder der Große Abendsegler gehören wie viele andere weiter zu den gefährdeten Arten in Thüringen. Es gäbe zwar eine leichte Verbesserung, aber die Herausforderung an bleibe enorm, um unsere Ökosysteme zu erhalten und unsere Lebensgrundlagen zu bewahren, so Siegesmund weiter. "In den letzten sieben Jahren haben wir den Naturschutz in Thüringen auch mit Natura 2000-Stationen und einer erheblichen finanziellen Aufstockung gestärkt, diesen Weg wollen wir konsequent fortsetzen.“

Die Autorinnen und Autoren der Roten Listen benennen wesentliche Gefährdungsursachen. Dazu gehören bestimmte Formen unserer Naturnutzung in Land-, Forst- und Fischwirtschaft, die Bodenversiegelung und in steigendem Maße die Klimakrise, insbesondere für alle Amphibienarten, durch die Austrocknung ihrer Laichgewässer.

Aktuell gelten 40 % der Arten in Thüringen als gefährdet, 2011 waren es 41,1 %. Überdurchschnittlich gefährdete Artengruppen sind u.a. Amphibien, Reptilien und Fledermäuse. Die Arten sind besonders gefährdet, die besondere Standortbedingungen (beispielsweise sehr nass oder sehr trocken) brauchen. Zudem werden Arten der Quellbiotope (z.B. Moose) sowie Arten der Äcker (z.B. Feldhamster und Ackerwildkräuter) durch moderne Bewirtschaftungsmethoden weiter zurückgedrängt.

Dagegen ist durch Schutzmaßnahmen bei einigen Artengruppen eine deutliche Erholung spürbar, u.a. bei Fließgewässerarten. So konnten Ukelei, Bachneunauge und die Westgroppe aus den Roten Listen entlassen werden. Zudem sind einige Arten wieder aufgetaucht, die als verschollen galten, wie die Ehrenpreis-Wespenbiene oder der Herabgebogene Igelsame.

Die Rote Listen sind unter der Federführung des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) in Zusammenarbeit mit rund 600 Fachleuten aus Fachvereinigungen, Behörden und Hochschulen entstanden. Vor allem der Fachbeirat des Thüringer Landesamts für Umwelt, Bergbau und Naturschutz hat die Entstehung des Werks erheblich befördert. Rund 100 Personen haben als Autorinnen und Autoren die 16.972 in kleinteiliger Feldarbeit gesuchten und bestimmten Arten, Pflanzengesellschaften und Biotope in 44 Listen bewertet.

„Es ist eine enorme Gemeinschaftsaufgabe, die Listen zu erstellen, dafür danke ich allen Beteiligten. Ein Großteil der Arbeit ist im Ehrenamt entstanden ohne diese engagierten Naturschützerinnen und Naturschützer wäre der Erhalt unserer Naturschätze hier in Thüringen nicht möglich“, sagte Umweltministerin Siegesmund.

Die „Roten Listen der gefährdeten Tier-, Pilz- und Pflanzenarten, Pflanzengesellschaften und Biotope Thüringens“ sind Grundlage für Planungs- und Entscheidungsprozesse, der Naturschutzförderung bis hin zur Etablierung von Schutzgebieten. Der gut 500 Seiten umfassende Sammelband der Rote Listen Thüringens kann ab kommender Woche zum Preis von 20,00 zzgl. Versandkosten beim TLUBN bestellt werden: https://tlubn.thueringen.de/service/publikationen/naturschutzreport
Autor: red

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