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Mi, 09:00 Uhr
30.03.2022
Nordthüringer Kriminalstatistik vorgestellt

Polizei will stärker gegen Drogenkriminalität vorgehen

Die Auswertung der jährlichen Nordthüringer Kriminalstatistik fällt für 2021 positiv aus - die Zahl der Straftaten ging insgesamt zurück und die Aufklärungsquote bleibt hoch. Sorgen bereiten den Beamten aber die Rauschgiftkriminalität und drohender Personalmangel in den kommenden Jahren…

In Nordhausen wurde gestern die Kriminalstatistik für 2021 vorgestellt (Foto: nnz-Archiv) In Nordhausen wurde gestern die Kriminalstatistik für 2021 vorgestellt (Foto: nnz-Archiv)

Die Nordthüringer Polizei zieht für das Jahr 2021 eine positive Bilanz. In den vier Kreisen Nordhausen, Kyffhäuser, Unstrut-Hainich und dem Eichsfeld wurden im Jahresverlauf 20.685 Straftaten registriert, fast 800 Fälle weniger als im vorangegangenen Jahr. Die Aufklärungsquote lag mit 64,5 Prozent dabei sogar etwas über dem Schnitt des Vorjahres von 64,2 Prozent. Ein gutes Ergebnis, freut sich der neue Leiter der Landespolizeiinspektion (LPI), Mattias Bollenbach.

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Schwerpunktbereiche oder gar „gefährliche Orte“ ließen sich im Zuständigkeitsbereich der LPI nicht erkennen, so Bollenbach weiter, es gebe aber Unterschiede im Aufkommen diverser Deliktbereiche. Mit insgesamt 4959 Fällen dominiert Diebstahl die Straftaten, gefolgt von Vermögens- und Fälschungsdelikten (3748 Fälle) und Sachbeschädigung (2227 Fälle). Straftaten in Zusammenhang mit Rauschgift beschäftigten die Beamten in 2156 Fällen und Körperverletzungen in 2084 Fällen. In den meisten Deliktfeldern waren für 2021 Rückgänge zu verzeichnen, einen prozentual hohen Anstieg um 123 Fälle auf 430 Delikte hatte man jedoch im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zu verzeichnen. Es sei nicht auszuschließen, so Bollenbach, dass hier die häuslichen Umstände unter Corona zum Anstieg beigetragen haben könnten. Zudem habe die Polizei ihre Verfolgungsmaßnahmen in Sachen Kinderpornographie gestärkt. Entsprechende Ermittlungen gingen immer mit Durchsuchungen und der Beschlagnahmung von Speichermedien einher, was die Aufdeckung weiterer „Verteilerkreise“ und neuer Verfahren nach sich ziehe.

Einen Anstieg sehe man ebenfalls im Bereich häusliche Gewalt, wobei hier auch ein geändertes Anzeigeverhalten der Betroffenen und dritter Parteien konstatiert werden könne. Bei den Körperverletzungen habe man entgegen der Prognosen keinen signifikanten Anstieg feststellen können.

v.l.: Kriminaldirektor Detlef Grabs und der Leiter der LPI Nordhausen, Matthias Bollenbach (Foto: agl) v.l.: Kriminaldirektor Detlef Grabs und der Leiter der LPI Nordhausen, Matthias Bollenbach (Foto: agl)

Licht ins Dunkel bringen
Zunehmende Sorgen bereitet den Beamten die Rauschgiftkriminalität. Auch ohne eine besondere Schwerpunktsetzung durch die Polizei habe man viele Rauschgiftdelikte gesehen, was ein hohes „Dunkelfeld“ vermuten lasse. Inzwischen registriere man bei der Polizei mehr Drogen-, als Alkoholfahrten, woraus sich ergebe, dass sich viele Rauschmittel im Umlauf befinden.

Tatsächlich, so die nüchterne Einschätzung von Kriminaldirektor Detlef Grabs, gebe es Rauschgifte „an jeder Ecke“. Drogen seien für diejenigen, die es drauf anlegten, in Nordthüringen „überall und in jeder Form verfügbar“. Zumeist sind es die einfachen Konsumenten, die den Beamten ins Netz gehen, die Aufdeckung von Dealern, also sogenannte „Handelsdelikte“, ist in der Masse der Fallzahlen eher die Ausnahme. Noch seltener sei die Produktion von Rauschgiften vor Ort, von Schlagzeilenträchtigen Cannabisplantagen einmal abgesehen. Die meisten Drogen kämen von außerhalb. Dominant sind weiterhin Cannabis und Chrystal Meth, gefolgt von Amphetaminen.

Man habe viele junge Kollegen, die dank ihrer Sozialisation bei polizeilichen Kontrollen einschlägige Anzeichen für Drogenkonsum schneller und öfter erkennen, dennoch wolle und müsse man in den kommenden Jahren hier mehr Kräfte aufwenden um das „Dunkelfeld“ zu erhellen, gab Polizeichef Bollenbach bekannt. Man müsse verstärkt an die Hintermänner herankommen um dieses Deliktfeld „auszutrocknen“.

Auf einen finalen Sieg gegen die zunehmende Flut von Drogen wird man dabei kaum hoffen können, Lücken in den Versorgungsketten die durch Polizeiarbeit gerissen werden, würden meist zügig geschlossen. „Dieses Feuer ist nur schwer zu löschen“ bemerkte Grabs. Auf Erfolge und Folgeeffekte durch fokussierte Ermittlungsarbeit ließe sich aber dennoch bauen. Rauschgiftkriminalität gilt als Dreh- und Angelpunkt vieler anderer Delikte. Es bestehe ein „unmittelbarer Zusammenhang“ zu Diebstahl, Prostitution und Betrug, erklärte Grabs.

Letzterer fällt unter die „Vermögens- und Fälschungsdelikte“, die sich zunehmend im Internet abspielten. Den Kriminellen gelinge es, sich zügig auf neue Gegebenheiten einzustellen, erklärte Bollenbach. Was mit dem „Enkeltrick“ begann findet seine Fortsetzung in „Schockanrufen“ und anderen Betrügereien. Zu Beginn der Corona-Pandemie hätten sich die Täter etwa darauf verlegt, für die vermeintliche Krankenhausbehandlung von Verwandten Geld zu ergaunern, aktuell sehe man viele falsche Spendenaufrufe für die Ukraine.

Sorgen um den Nachwuchs
Zu Gute halten kann man sich, dass es auch in 2021 keine ungeklärten Tötungsdelikte im Bereich der LPI gab. Für die Kriminalpolizei bedeute das auch, dass man nicht 30 Personen in einer Mordkommission beschäftigen müsse und diese Kräfte stattdessen für die normale Fallbearbeitung zur Verfügung stünden, so Grabs.

Die Personalproblematik ist ohnehin zur Gretchenfrage geworden, wie in so vielen anderen Bereichen auch. Der LPI falle es durch ihre Randlage schwer, Personal über längere Zeit zu binden, erläuterte Bollenbach. Hinzu komme die Überalterung. „In den kommenden Jahren werden viele Kollegen in Pension gehen, wir liegen hier in Thüringen auf dem 2. Platz nach Gera“, so der Nordthüringer Polizeichef weiter. Die Zusage des Innenministeriums, der Polizei 300 zusätzliche Einstellungen zu ermöglichen, sei ein gutes Zeichen aber immer noch knapp bemessen. Eine allgemeine Kampagne der LPI zum Nachwuchsgewinn zeige zwar erste Erfolge und es habe zuletzt mehr Kandidaten aus der Region gegeben, aber wirklich wirksam werde diese Maßnahme erst nach zwei bis drei Jahren. Ausgebildete Polizisten lassen sich nicht einfach aus dem Hut zaubern, auch wenn in der Theorie mehr Stellen zur Verfügung stehen.

Um den Einsatz- und Streifendienst, der 60 Prozent des Personaleinsatzes ausmacht, müsse man sich keine Sorgen machen. Die Engpässe würden sich eher in den „Folgediensten“, etwa der Sachbearbeitung bemerkbar machen. „Wir haben die Lage noch ganz gut im Griff, auch bei der Kriminalpolizei“, sagt Bollenbach. Im Oktober erwarte man weitere personelle „Zuführungen“ und dann werde man sehen, wie sich die Lage weiter entwickele.

In den Wellen der Pandemie ist die Nordhäuser Polizei derweil „glimpflich davongekommen“. Während anderswo im Freistaat ganze Dienstschichten ausfielen und auf Notbetrieb umgestellt werden musste, habe man derlei Maßnahmen im Norden nicht ergreifen müssen.

Sprengtour endgültig beendet
Die LPI kann auf eine Reihe „herausragender Ermittlungslagen“ für das Jahr 2021 verweisen, darunter ein überführter Serienbrandstifter aus Mühlhausen und aufgeklärte Brandserien in Nordhausen und Sondershausen, mehrere Kilogramm beschlagnahmter Drogen, ein versuchter Mord samt schwerer Brandstiftung in Schlotheim und ein heikler Einsatz in der Bruno-Kunze-Straße in Nordhausen, bei der ein Beamter von der Schusswaffe Gebrauch machen musste.

Die Nachricht über einen frischen Ermittlungserfolg erreichte die LPI jüngst aus Münster. Vor dem dortigen Landgericht wurde ein Niederländer zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Ihm und weiteren Angeklagten wurde eine regelrechte „Sprengtour“ zur Last gelegt, welche die Bande unter anderem zur Nordhäuser Commerzbank geführt hatte. Den hiesigen Ermittlern war es gelungen, die Verdächtigen einwandfrei mit allen Tatorten in Verbindung zu bringen und so zu überführen.

Am Dienstag wurde in Nordhausen auch über die Lage auf den Straßen des Thüringer Nordens gesprochen, wir werden zur Verkehrsunfallstatistik gesondert berichten.
Angelo Glashagel
Autor: red

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