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So, 12:40 Uhr
21.08.2022
Bürgergeld statt Hartz IV:

Langzeitarbeitslose mehrheitlich für Reform

Mit dem Bürgergeld möchte die Bundesregierung das Hartz-IV-System weiterentwickeln. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil vorvergangene Woche präsentiert...

Eine Befragung von Langzeitarbeitslosen in Nordrhein-Westfalen zeigt nun, dass Hartz-IV-Beziehende viele der Reformaspekte mehrheitlich positiv bewerten. Dazu zählen etwa höhere Transferleistungen und Schonvermögen sowie bessere Hinzuverdienstmöglichkeiten. Es gibt aber auch Skepsis gegenüber Teilen der Reformpläne, etwa einem grundsätzlichen Verzicht auf Sanktionen. Die Befragung hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) gemeinsam mit der Ruhr-Universität Bochum im Frühjahr 2022 im Auftrag der Jobcenter Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Ennepe-Ruhr-Kreis, Oberhausen und Recklinghausen an selbigen durchgeführt. Die acht Jobcenter sind für rund 29 Prozent aller in Nordrhein-Westfalen registrierten Langzeitarbeitslosen zuständig, bezogen auf Deutschland sind es rund zehn Prozent aller Langzeitarbeitslosen.

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„Viele Langzeitarbeitslose hadern mit dem bisherigen Grundsicherungssystem“, sagt Jürgen Schupp, Senior Research Fellow im Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) des DIW Berlin, der die Befragung gemeinsam mit Fabian Beckmann und Rolf G. Heinze von der Ruhr-Universität Bochum und Dominik Schad vom Jobcenter Recklinghausen ausgewertet hat. „Die geplante Reform, die das System unter anderem entbürokratisieren und das Verhältnis von Fördern und Fordern neu austarieren soll, beinhaltet überwiegend sinnvolle Aspekte – einige Punkte sind aber noch vage und unklar“, so Schupp. In ihrem Koalitionsvertrag hat sich die Ampelregierung unter anderem darauf verständigt, das Schonvermögen zu erhöhen, die Wohnung der Leistungsbeziehenden zumindest in den ersten beiden Jahren des Leistungsbezugs unabhängig von der Größe als angemessen anzuerkennen und die Hinzuverdienstmöglichkeiten zu verbessern. Koalitionsintern umstritten sind unter anderem höhere Regelsätze und ein dauerhafter Verzicht auf Sanktionen, die aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts derzeit vorübergehend abgemildert und teilweise sogar ganz ausgesetzt sind.

Viele Langzeitarbeitslose schämen sich für Hartz-IV-Bezug
Auch unter den Langzeitarbeitslosen ist das Meinungsbild mit Blick auf die Sanktionen gespalten: Einen grundsätzlichen Verzicht auf diese findet mit 53 Prozent gut die Hälfte der Befragten „sehr gut“ oder „eher gut“. Die andere Hälfte ist unentschieden oder dagegen. Zum Vergleich: Eine Erhöhung des Regelsatzes befürworten 89 Prozent der befragten Leistungsbeziehenden, 74 Prozent sind für bessere Hinzuverdienstmöglichkeiten. „Gerade die im Vergleich geringe Zustimmungsrate zu einer dauerhaften Aussetzung von Sanktionen deutet an, dass Langzeitarbeitslose hinsichtlich ihrer Wert- und Gerechtigkeitsorientierungen keine homogene Gruppe sind“, sagt Rolf G. Heinze von der Ruhr-Universität Bochum. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass 65 Prozent der befragten Langzeitarbeitslosen „voll und ganz“ oder „eher“ der Meinung sind, dass viele Hartz-IV-Beziehende das System ausnutzen würden. 42 Prozent stimmen zudem „voll und ganz“ oder „eher“ der Aussage zu, dass sie sich für den Bezug von Hartz IV schämen.

„Viele Langzeitarbeitslose hadern mit dem bisherigen Grundsicherungssystem. Die geplante Reform beinhaltet überwiegend sinnvolle Aspekte – einige Punkte sind aber noch vage und unklar.“ Jürgen Schupp
Im Rahmen der Befragung gaben die Langzeitarbeitslosen auch Auskunft darüber, wie sie ihre Zeit verbringen. Eine zentrale Erkenntnis: Mit 41 Prozent engagiert sich ein relevanter Anteil ehrenamtlich oder ist in der Nachbarschaftshilfe aktiv. 35 Prozent übernehmen – meist in der Schattenwirtschaft – kleinere Jobs und verdienen sich etwas hinzu. Hier sehen die Studienautoren einen Hebel, um die soziale Teilhabe von Langzeitarbeitslosen zu verbessern. „Längst nicht alle haben – sei es aus gesundheitlichen oder anderen Gründen – die Chance, langfristig wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“, so Schupp.

„Viele wollen aber etwas tun und sich engagieren. Ihnen könnten die Jobcenter beispielsweise durch gezielte Angebote und höhere anrechnungsfreie Aufwandsentschädigungen entgegenkommen.“ Mit Blick auf die Frage nach dem Sanktionsverzicht sollte die Politik prüfen, ob dieser als wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt in ausgewählten Jobcentern fortgeführt werden kann, um belastbare Erkenntnisse zu den Folgen zu erhalten.
Autor: red

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Kommentare
ChristianNDH
21.08.2022, 16:17 Uhr
Neuer Wein in alten Schläuchen
Es ist am Ende unerheblich, ob eine staatlich allimentierte Versorgung HARTZ IV oder BÜRGERGELD heißt.
Entscheidend ist, welche Anreize die zuständige Behörde zum Arbeiten setzt! Das bisherige System hat viel Drückebergerei begünstigt und die wirklich unterstützungsbedürftigen Menschen diskriminiert.
Eine Neuausrichtung ist nur sinnvoll, wenn die meißten jüngeren Leistungsbezieher wirklich zum Arbeiten animiert werden. Das geht aber nur über den Geldbeutel oder aber über angeleitete Arbeit. Am besten über ein Kombination beider Komponenten.
Hier fallen mir in Nordhausen und Umgebung übervolle Mülleimer, Dreckecken in den Parks und öffentlichen Anlagen u.ä. ein. Auch der Personalmangel in KiTa´s, Schulen, Verwaltung, Badeanstalten und Sportanlagen ist heir ein Thema.
Ist es wirklich richtig, dass die im Landkreis NDH ca. 4.000 (VIERTAUSEND!) Bedarfsgemeinschaften überhaupt nichts beitragen zum Gemeinwohl? Wo bleibt da die Solidarität mit den Steuerzahlern, die diesen Irrsinn finanzieren.
In Anbetracht von gallopierender Inflation und hunderttausender freier Arbeitsstellen bleibt mir die Luft weg, wenn es auch noch Umfragen unter HARTZ IV Empfängern gibt, ob die staatlichen Leistungen denn auch ausreichen, welche die Damen und Herrn HARTZ IV-Empfänger empfangen.
In diesem Land wurde seit der politischen Wende bei vielen Menschen eine (Mit)Nehmermentalität durch die politisch Verantwortlichen erzeugt, an der das Land zu zerbrechen droht, wenn da nicht bald konsequent umgesteuert wird.
Gehard Gösebrecht
21.08.2022, 17:18 Uhr
Wenn ich das schon wieder lese
Die könnten doch das und jenes machen.
Und im Stadtpark liegt der Müll rum.
Da fehlt doch nur noch der orange farbene Arbeitsanzug und die eisene Kugel am Bein, damit jeder die Arbeitslosen Faulenzer von denen unterscheiden kann, die noch!! nicht dem Steuerzahler auf der Tasche liegen.
Oder doch lieber ein implantierter Chip für jeden der mehr oder weniger dem Steuerzahler auf der Tasche liegt, damit dieser zu jeder Tages-und Nachtstunde greifbar und für etwaig frei gewordene Hilfsarbeitsposten zur Verfügung steht?
Wo wird denn Solidarität von denjenigen gezeigt, welche wegen Profitgier die Menschen in diese Situation gebracht haben? Kündigung ausgehändigt mit einer angehängten Straßenkarte zum nächsten Arbeitsamt/Jobcenter. Damit hat der Ex Arbeitgeber seine Pflicht getan.
Hoffentlich erwischt es auch in nächster Zeit diejenigen, welche von anderen das fordern was sie selbst nie machen würden.
Denn man hat ja noch Arbeit.
Ja noch......und dann?
Sich an seine eigenen Worte oder Schriften in der NNZ erinnern.
Oder doch auf die Kapsel beissen oder bei laufenden Motor vergessen das Garagentor zu öffnen um sein eigenes Scheitern nicht zugeben zu müssen.
Es ist immer leicht die Fehler und Verfehlungen bei anderen zu suchen.
Die Selbstherrlichkeit endet meistens am Beratungsschalter im Arbeitsamt und spätestens im Jobcenter.
geloescht.20250302
21.08.2022, 17:52 Uhr
Mal wieder ein Klassekommentar, Gerhard!
H4-Empfänger, die zu krank zum Arbeiten, aber nicht krank genug für EU-Rente sind, als Chaingang im Stadtpark beim Aufsammeln der Hinterlassenschaften von feixend das Gerichtsgebäude verlassenden dreißigjährigen wegen Vergewaltigung zur Bewährung verurteilten "Jugendtraftätern".
bleibtmalfeinineurer
21.08.2022, 18:18 Uhr
Ich seh das Problem
eher darin, dass die (Netto) Löhne und Gehälter in vielen berufen oder auch ungelernten Tätigkeiten zu niedrig sind also AN-Freibetrag rauf, Lohnnebenkosten runter... Für Wenigverdiener.

450 Euro für Arbeit liegt nunmal kaum über dem Hartz-Satz für keine Arbeit. Ich denke, da sollte sich was ändern. Gut amm bürgergeld finde ich die höheren zuverdienstmöglichkeiten.
RWE
21.08.2022, 19:49 Uhr
Gehard Gösebrecht,
es gibt da eine Jobbörse, Ingrid oder so ähnlich...:-)
Geben sie da mal Nordhausen ein...
Haufenweise freie Stelle, sich nicht alles Traumjobs. Aber besser als Stütze.
Gehard Gösebrecht
21.08.2022, 20:39 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Bezug zum Artikel?
Gehard Gösebrecht
21.08.2022, 22:45 Uhr
Genau RWE
Da brauche ich nicht reingucken, denn ich brauche keinen.
Keine Traumjobs und keine Mindestbelohnten.
So ist das mit denen, die sich für eine Klientel einsetzen.
Man kommt immer in Verdacht selbst dazu zu gehören.
Falsch gedacht.
Auch Ingrid hilft da nicht.
Und auch keine Mobilitätsanforderungen mit 2,30 Euro für einen Liter Benzin ab September.
Aber vielleicht lassen sich die Neubundesbürger auf solche Jobs bis zum 67. Lebensjahr ein?
Ich nicht! No I not! Ja njiet!
Paulinchen
22.08.2022, 11:39 Uhr
Mal etwas ganz anderes...
... ständig wird in allen Medien berichtet dass Facharbeiter und Lehrlinge /Auszubildene krampfhaft gesucht werden.

Wozu ist eigentlich das Jobcenter da? Ein Automobilverkaeufer im Autohaus, hat jede Menge Autos auf dem Hof stehen und niemand kommt zum Kauf. Da dieser Verkäufer in der Regel auf Provisionsbasis sein Geld verdient, begibt er sich auf Grund der gegenwärtigen Situation, in den Außendienst. Beim Jobcenter sind tausende Kunden als Bezugsberechtigte eingetragen. Der Vermittler erfährt über die Medien von der Not im Bezug auf die Arbeitskräfte. Das aber holt ihn nicht hinter dem Schreibtisch vor . Warum sollte er sich auch kümmern, sein Geld kommt auch ohne seine Außendienstarbeiten pünktlich zum Monatsende. Weshalb heißt so ein Mitarbeiter im Jobcenter eigentlich Arbeitsvermittler und nicht Arbeitslosenverwalter?
Findet den Fehler.....
Gehard Gösebrecht
22.08.2022, 13:38 Uhr
Nein das heißt Sanktionscenter
Aber damit ist wohl ab 1. Januar bald Schluss.
Nicht jedes Nein kann dann zum Anlass genommen werden, ganze Familien zu versuchen auszuhungern.
Deshalb haben sich zumindest ein paar Jobcenter(Sanktionscenter) bei dem entsprechenden Thüringer Ministerium beschwert, dass man dann keine bis zu 70 Millionen Euro an Hartz 4 Leistungen einsparen kann, welche in der Vergangenheit aus den Ärmsten der Armen herausgepresst hat.
Wirklich bedauerlich das ganze!
RWE
22.08.2022, 20:20 Uhr
Wer einen zumutbaren Job ablehnt gehört sanktioniert
egal welche Sprache erspricht.
Paulinchen, in welcher Zeit leben sie denn? Das Arbeitsamt verschickt Vermittlungsvorschläge noch per Post. Im Internet, auch in der NNZ, gibt es genug Jobangebote. Im Radio werden Stellengesuche ausgestrahlt und auf Werbeplakaten gibt es für verschieden Firmen Stellengesuche. Das Arbeitsamt derzeit überflüssig. Wer jetzt nicht arbeitet will es auch nicht.
P.Burkhardt
23.08.2022, 01:13 Uhr
ich sag mal...
...jeder bekommt, was er verdient. Wer halt nicht bereit ist, was zu leisten, der muss eben mit hartz4 auskommen. Hab da auch so einige Kandidaten im Bekanntenkreis. Aber dann bitte nicht jammern, wenn es vorne und hinten nicht reicht... am Ende ist jeder für sich selbst verantwortlich... und wer das nicht auf die Reihe bekommt, darf aber auch niemanden sonst dafür verantwortlich machen (also staat, regierung, system, oder sonst was in der richtung)
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