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Di, 09:38 Uhr
27.12.2022
IHK Erfurt:

Von der Corona-Krise in die Energiekrise

Die Liste für 2023 ist lang – aber mit einem klaren Ziel, mit Mut und Optimismus können wir einen zukunftssicheren Wirtschaftsstandort Thüringen gestalten - IHK-Präsident Dieter Bauhaus schaut zurück und gibt einen Ausblick auf das kommende Jahr...


Den Blick zurück auf das nun fast vergangene Jahr betrachtet der IHK-Präsident sorgenvoll. Fast schon vergessen, prägte Corona auch 2022 den Jahresanfang – eine herausfordernde Zeit, in der Unternehmen mit immensen Einschränkungen umgehen oder sich teils neu erfinden mussten.

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Groß war die Erwartung, dass die von der Bundesregierung aufgelegten Corona-Wirtschaftshilfen ankommen und dass mit Blick ins Frühjahr erste Öffnungsstrategien zu einer konjunkturellen Erholung nach Corona führen. Ein jähes Ende fanden die Hoffnungen auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung, als am 24. Februar 2022 die ersten russischen Raketen in der Ukraine einschlugen.

Erst Corona, dann die Energiekrise
„Die Eskalation im Russland-Ukraine-Konflikt war für die regionale Wirtschaft ein schwerer Einschnitt, auch wenn wir zum damaligen Zeitpunkt die Tragweite dieser Ereignisse kaum abschätzen konnten“, so IHK-Präsident Dieter Bauhaus. Die Beziehungen der regionalen Wirtschaft nach Russland sind seitdem nahezu eingefroren, die auferlegten Sanktionen der Staatengemeinschaften führten zu gestörten oder gänzlich unterbrochenen Lieferketten. Den Unternehmen aus Nord-, Mittel- und Westthüringen fehlt es seitdem an Vorprodukten, Rohstoffen und dringend benötigten Teilen. Die Suche nach neuen Lieferanten oder eine Rückkehr zur Lagerhaltung ist für viele Betriebe eine andauernde Alltagsaufgabe geworden.

Im Jahresverlauf spitzte sich die Situation für die Wirtschaft weiter zu: „Erst horrende Preisanstiege an den Tankstellen, weitere Sanktionen und damit erneute Verschärfungen in der bereits seit Corona bestehenden Lieferkettenproblematik, gefolgt von einer sich über das Jahr entwickelnden Energiekrise“, zählt Bauhaus die Herausforderungen der Wirtschaft auf. Seit dem Sommer sind Diskussionen über mögliche Energiemangellagen und immense Energiekosten zum unternehmerischen Alltagsgeschäft geworden. In diesen stürmischen Zeiten zeigte sich einmal mehr – so Bauhaus –, welcher Bedeutung dem Unternehmertum beizumessen ist. Mit Herzblut, Durchhaltevermögen und Mut steuern sie ihre Unternehmen, denken an das Morgen, ihre Mitarbeiter und investieren in die Zukunft. Das mache Unternehmertum aus.

Entlastungspakete des Bundes und der Thüringer Härtefallfonds lassen hoffen
„In jeder Krise stecken auch Chancen. Das haben wir als krisenerprobtes Land in den letzten 20 Jahren mehrfach bewiesen“, konstatiert Bauhaus, dennoch sei der Weg von der Corona-Krise in die Energiekrise nicht für alle Unternehmer zu bewältigen. Die Entlastungspakete des Bundes und der Thüringer Härtefallfonds lassen hoffen und bieten Unterstützung für die regionale Wirtschaft, die wir seit dem Herbst mit unserer Kampagne #WirtschaftBrauchtEnergie gefordert haben. Große Sorge hingegen bereiteten dem IHK-Präsidenten das in Teilen widersprüchliche Agieren der Politik in einer Zeit, in der klare Orientierung und Mut zur Entscheidung angebracht gewesen wären.

„Die bürokratischen Hürden für die Wirtschaft sind immens. Der Regulierungswahnsinn macht es den Unternehmen noch schwerer, mit den schwierigen Rahmenbedingungen umzugehen. Schon lange haben wir als IHK Erfurt die Einführung eines Normenkontrollrates im Freistaat gefordert, umso erfreulicher, dass im Herbst mit der Konstituierung nun der erste Schritt zur Umsetzung erfolgte“, betont Bauhaus die Erfolge der IHK-Bemühungen, gibt aber zu bedenken: „Nun müssen auch Taten folgen! Bürokratieabbau habe oberste Priorität und müsse auch bei den Unternehmen spürbar ankommen!“. Einblick in die zunehmenden Regularien gibt auch der von der IHK Erfurt zum Jahresende zusammengestellte Überblick zu den Änderungen zum Jahreswechsel (www.ihk.de/erfurt/2023).

Ausblick 2023: Es gibt viel zu tun!
IHK-Präsident Dieter Bauhaus ist voller Erwartungen für das nächste Jahr: „Der kommende Winter wird zur Nagelprobe und wir wissen noch nicht, in welche Richtung es nächstes Jahr für unsere Unternehmen gehen wird. Daher muss es im Energiesektor in 2023 darum gehen, Versorgungssicherheit zu erhöhen und Preisschwankungen zu dämpfen.”

Die Energielandschaft muss für die Zukunft umgebaut werden, ohne das Klima in dem vergangenen Maße weiter zu schädigen. Dazu muss der Ausbau der Erneuerbaren Energien nun spürbar beschleunigt werden, ohne dass es zu Versorgungsschwierigkeiten kommt. Damit das gelingt, müssen die verschiedenen Ministerien in Thüringen an einen Tisch, um notwendige Lösungen und die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren schnellstmöglich auf den Weg zu bringen. Aber auch fehlende Fachkräfte im Bereich des Energieum- und -ausbaus lassen bereits heute die nächste Krise erahnen.

Denn an allen Ecken und Enden fehlen Fachkräfte. Große Hoffnungen setzt daher der IHK-Präsident in die Novellierung des Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG). “Der Fachkräftemangel bleibt ein belastendes Dauerthema in vielen Thüringer Betrieben. Jedes zweite IHK-Unternehmen im Freistaat kann offene Stellen längerfristig nicht besetzen, besonders bei Stellen für beruflich Qualifizierte ist die Suche schwer. Wir fordern seit 2020 die Einrichtung einer zentralen Ausländerbehörde für Thüringen im Zusammenhang mit dem „Beschleunigten Fachkräfteverfahren“ mit dem Ziel, einheitlichere, berechenbarere, transparentere und schnellere Entscheidungen über den Zuzug von internationalen Fachkräften zu erreichen. Auch muss die personelle Situation in den Ausländerbehörden gestärkt werden. Hier muss die Politik zügig agieren, weil wir sonst in die nächste Krise laufen”, betont Präsident Dieter Bauhaus.

Die Herausforderung gestörter Lieferketten muss gelöst werden, ohne dass Wirtschaft mit unrealistischen Nachweispflichten der eigenen Lieferkette überfordert wird. Und auch das Thema Flächennutzung bleibt und wird in 2023 krisengeprägt sein: „Wirtschaft braucht Fläche. Das gilt für größere zusammenhängende Flächen für Neuansiedlungen und auch für Erweiterungen der Bestandsflächen.“ Eine Notwendigkeit, auf die Bauhaus immer wieder aufmerksam macht. Er weiß auch, dass es in der Raumordnung ebenso um mehr Flächen für erneuerbare Energie gehen wird und möglicherweise auch um die Erschließung heimischer Energieträger. Auch die Frage, ob und wie sich Gewerbe- und Industriegebiete eigenständig mit Energie versorgen, wird immer dringender. Ebenso werden die Herausforderungen im Verkehrsgewerbe mit Mauterhöhung, gestiegene Spritkosten sowie Umbrüchen beim ÖPNV und der Mobilität die zukünftigen Standorte beeinflussen. Lang absehbar aber durch Corona und Energiekrise immens verstärkt, stehen der stationäre Handel und damit die Innenstädte in einem beschleunigten Transformationsprozess. Alles zusammen große Aufgaben für die zukünftige Standortpolitik.

Und viele weitere Aufgaben warten im nächsten Jahr: „Wir müssen die Industrie und den Handel bei der Transformation begleiten. Und nicht zuletzt müssen wir Gründungen und Nachfolgen attraktiver machen. Dabei geht es allerdings auch um die Frage, wie wir mit einem möglichen, krisenbedingten Rückgang unternehmerischer Tätigkeit umgehen werden. Ich bin mir aber sicher, wenn wir weiterhin einander zuhören, gemeinsam uns unterstützen und nach vorn schauen, dann können wir mit einem klaren Ziel, mit Mut und Optimismus einen zukunftssicheren Wirtschaftsstandort Thüringen gestalten.”
Autor: psg

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Kommentare
grobschmied56
27.12.2022, 10:44 Uhr
Die Krisen sind zum großen Teil hausgemacht ...
... und von unseren Politiker - Darstellern zu verantworten.
Vor dem Mangel an Energie z.B. haben verschiedene Fachleute schon seit Jahren gewarnt. Man muß nicht einmal ein großer Fachmann sein, um zu erkennen, daß es nicht gut gehen kann, Jahr für Jahr drei Kernkraftwerke abzuschalten, jedes mit einer Leistung von ca. 1.4 Megawatt, OHNE diese durch entsprechenden Zubau von neuen Kraftwerken mit GESICHERTER Leistung in entsprechender Höhe zu ersetzen.
Die Hoffnung, irgendwie genug 'erneuerbare Energie' zu installieren zerschlägt sich zusehends.
Zitat:
'Bei der Ausschreibung für Windenergieanlagen an Land zum Gebotstermin 1. September 2022 waren rund 1.320 Megawatt (MW) ausgeschrieben. Es wurden aber nur 87 Gebote mit einer Gebotsmenge von insgesamt rund 772 MW eingereicht. Damit war die Gebotsrunde deutlich unterzeichnet. Nach Angaben der Bundesnetzagentur war die Unterzeichnung angesichts der dem Marktstammdatenregister gemeldeten teilnahmeberechtigten Genehmigungen nicht zu erwarten.

Hohe Zins- und Baukosten

ECOreporter hatte aber schon im Juni dargelegt, warum viele Projekte trotz vorliegender Genehmigung nicht an der Ausschreibung teilnehmen. Hohe Zinsen und steigende Baukosten gefährden die Wirtschaftlichkeit von neuen Windkraftprojekten bei dem geltenden Zuschlagsniveau.'
Zitat Ende. Quelle: ECOreporter.

Wenn nur die Hälfte der Anlagen errichtet wird, die THEORETISCH notwendig wären, um die Versorgung einigermaßen zu sichern, dann kann man sich ausmalen, wie das in der Praxis funktionieren wird.
Zur Erinnerung:
In der ersten Monatshälfte hatten wir etliche Tage, an denen die hochgelobten Wind- und Solaranlagen mangels Wind und Sonne kaum zehn Prozent des Energiebedarfes decken konnten!
Mit so einem unzuverlässigen und unzulänglichen Energiesystem will man zukünftig ausschließlich die Stromversorgung Deutschlands sichern?
Ist das Euer Ernst?
bleibtmalfeinineurer
27.12.2022, 13:12 Uhr
Da muss ich...
...dem Grobschmied mal teilweise Recht geben. Allerdings liegt es meiner bescheidenen Meinung nach nicht nur am zu geringen Ausbau der erneuerbaren Energien, sondern mindestens genauso am Netzausbau. Der reichlich im Norden produzierte Windstrom kommt im Süden einfach nicht an. Wir benötigen neben dem flächendeckenden Ausbau eben auch ein flächendeckendes Netz, da nur im überaus unwahrscheinlichen Fall überall in Deutschland Dunkelflaute herrscht. Wie überall liegt hier der Schlüssel nicht nur in der Diversifikation der Energiequellen, sondern auch in der geografischen Diversifikation. Dabei gilt, je mehr um so besser, daher wäre eine europäische Lösung wünschenswert.
grobschmied56
27.12.2022, 17:48 Uhr
Nachtrag und Korrektur ...
... in meinem Kommentar hatte ich fälschlich behauptet 'jedes abgeschaltete Kraftwerk mit 1.4 Megawatt'. Es muß natürlich heißen 1.4 Gigawatt!
Kraftwerke mit gerade mal 1.4 Megawatt wären ja leicht zu ersetzen - zur Not durch Hamsterräder und Fahrraddynamos. Ich bitte, den Fehler zu entschuldigen.
diskobolos
27.12.2022, 19:33 Uhr
Mega war schon richtig, Grobschmied
Das früher größte Braunkohlenkraftwerk der Welt in Boxberg hatte nach meiner Erinnerung ca. 3000 MW

Anmerkung techn. Support:
Was wiederum ca. 3 Gigawatt wären. Isar 2 hatte wohl 1,41 GW. GW passt also eher.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_leistungsstProzentC3ProzentA4rksten_Kernreaktoren
diskobolos
27.12.2022, 22:18 Uhr
Sorry,
ich war unkonzentriert. Aber jetzt sind wir uns ja einig.
geloescht.20250302
28.12.2022, 13:13 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Anm. d. Red.: Gehört nicht zum Thema
RWE
28.12.2022, 13:18 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Anm. d. Red.: Falscher Artikel?
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