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Do, 08:32 Uhr
01.05.2025
AOK: Ohne Strukturreformen drohen Überlastung

Krankenhäuser behandeln immer mehr Über-80-Jährige

In Thüringens Kliniken werden schon jetzt immer mehr Menschen über 80 Jahren behandelt – dabei wäre eine ambulante Behandlung für sie oft die bessere Lösung, teilt die Krankenkasse AOK mit...

Da die eigentliche Welle des Demografiewandels erst noch bevorsteht, müssen die Krankenhäuser in den kommenden Jahren mit weniger Personal immer mehr alte und somit oft pflegeintensivere Patientinnen und Patienten versorgen. Der heute veröffentlichte Krankenhaus-Report zum Thema „Versorgung Hochbetagter“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) macht deutlich: Auf diese doppelte demografische Herausforderung sind die Kliniken im Freistaat nicht vorbereitet.

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Laut Krankenhaus-Report ist in Thüringen der Anteil der Menschen über 80 Jahren an allen Krankenhausfällen in den letzten knapp zwanzig Jahren kontinuierlich gestiegen – von zwölf Prozent im Jahr 2005 auf 23 Prozent im Jahr 2023. Die Analysen machen deutlich, dass sich die Versorgungsmuster bei den über 80-Jährigen in den letzten zehn Jahren kaum verändert haben: Nach wie vor entfällt über die Hälfte der Ausgaben für die Versorgung hochbetagter Menschen auf den Krankenhausbereich (51,8 Prozent).

Viele Klinikaufenthalte wären vermeidbar
Der regionale Vergleich zeigt dabei große Unterschiede: Während 2023 in Nordrhein-Westfalen mit der höchsten Krankenhausdichte im Schnitt 68 Krankenhaus-Aufenthalte Hochbetagter je 100 Einwohner zu verzeichnen waren, waren es in Baden-Württemberg nur 50 Klinikbehandlungen je 100 Einwohner. Thüringen verzeichnete 62,8 Fälle je 100 Einwohner und lag damit im Vergleich der Bundesländer an vierthöchster Stelle. Dabei hätten allein durch eine bessere ambulante Versorgung sogenannter „pflegesensitiver Fälle“ in der Arztpraxis, im Pflegeheim oder zuhause zehntausende Krankenhausaufenthalte vermieden werden können. Im Jahr 2022 waren es in Thüringen rund 45.700 Krankenhausaufenthalte und damit etwa jeder vierte Fall (275 je 1.000 Fälle). Als pflegesensitive Fälle bezeichnen die Experten Krankenhausfälle von Pflegebedürftigen mit Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Diabetes, die idealerweise von einem niedergelassenen Arzt oder pflegerisch versorgt werden sollten – das sei für die Be-troffenen in der Regel medizinisch sinnvoller.

Überlastung der Kliniken und GKV-Finanzen durch Demografiewandel
Der Krankenhaus-Report kommt zu dem Schluss: Um eine Überforderung der Kliniken und massive Ausgabensteigerungen in den nächsten Jahren zu verhindern, braucht es grundlegende Strukturreformen. Mit dem Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter werden die Herausforderungen in den nächsten Jahren weiterwachsen: Bis zum Jahr 2050 wird die Anzahl der Hochaltrigen um mehr als 50 Prozent steigen. Gleichzeitig sinkt die Anzahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter deutlich. Erschwerend kommt hinzu, dass ältere Patientinnen und Patienten meist mehrere Erkrankungen gleichzeitig haben und sie oft einen besonders hohen medizinischen und pflegerischen Bedarf haben – beispielsweise aufgrund von Demenz oder starker Gebrechlichkeit. Zudem ist die Krankenhaus-Verweildauer bei den über 80-Jährigen mit durchschnittlich 8,1 Tagen fast doppelt so hoch wie bei den Menschen unter 60. „Wir müssen dafür sorgen, dass nur die Menschen im Krankenhaus behandelt werden, deren stationäre Behandlung nicht vermieden werden kann“, sagt Dr. David Scheller-Kreinsen, stellvertretender Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und Mitherausgeber des Reports.

Thüringen muss jetzt handeln, damit das Gesundheitswesen morgen noch trägt
Rainer Striebel, Vorstand der AOK PLUS, sagt: „Thüringen muss jetzt zentrale Zukunftsentscheidungen treffen: Der Krankenhaus-Report zeigt klar, dass wir angesichts der wachsenden Zahl hochaltriger Patientinnen und Patienten mutige Entscheidungen brauchen. Ein ‚Weiter so‘ überfordert unsere Versorgungssysteme. Die AOK PLUS unterstützt die Landesregierung ausdrücklich dabei, die Gesundheitsversorgung neu zu denken – qualitativ hochwertig, ausgewogen in der Erreichbarkeit für die Bevölkerung und am tatsächlichen Bedarf der Menschen orientiert, stabil in der personellen Besetzung und wirtschaftlich tragfähig. Unser gemeinsamer Weg heißt: kluge Strukturveränderungen in der Krankenhauslandschaft, konsequente Ambulantisierung mit einem Ausbau regionaler Gesundheitszentren, die ambulante und stationäre Leistungen intelligent verknüpfen. Nur wenn wir jetzt handeln, können wir die demografischen Herausforderungen meistern und eine starke, nachhaltige Versorgung für alle Generationen sichern. Wir sind überzeugt: Mit Entschlossenheit, Zusammenarbeit und Innovationskraft schaffen wir in Thüringen ein Gesundheitswesen, das auch morgen noch trägt.“

Über den Krankenhaus-Report 2025:
Der Krankenhaus-Report des WIdO erscheint seit 1993 jährlich und widmet sich in jeder Ausgabe einem anderen Schwerpunktthema im Krankenhaussektor und bietet eine fundierte und verlässliche Informationsgrund-lage für die wissenschaftliche und politische Diskussion. In diesem Jahr beleuchtet der Krankenhaus-Report auf mehr als 500 Seiten verschiedene Aspekte der stationären „Versorgung Hochbetagter“. Er enthält Daten und Fakten zur aktuellen Versorgung dieser Gruppe und zur Abschätzung des zukünftigen Versorgungsbedarfs – auch im internationalen Vergleich. Der Report befasst sich zudem mit Ansätzen zur Vermeidung nicht notwendiger Krankenhaus-Aufenthalte von Hochaltrigen. In der Rubrik „Zur Diskussion“ beleuchtet er den aktuellen Stand der Krankenhausreform und bietet eine Analyse zum Thema Krankenhaus-Insolvenzen. Den gesamten Krankenhaus-Report gibt es unter wido.de zum Download.
Autor: red

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Kommentare
Wanderwölfin
01.05.2025, 15:06 Uhr
Ü-80
Ich wurde von der Rettungsstelle trotz Einweisungsschein und grossen Schmerzen wieder nach Hause geschickt.Das fand ich nicht okay,und mein Hausarzt auch nicht. War allerdings noch keine Rentnerin.
Pflege Bär
01.05.2025, 18:13 Uhr
Die "trockene Triage"
Für die Leser dieses Beitrages, die nicht in der Pflege - insbesondere der Heimpflege arbeiten und und die Zusammenhänge nicht kennen können, mal etwas zur Klarstellung und Erhellung.
Aus meiner 10-jährigen Tätigkeit in der Altenpflege kann ich auf die Aussage:
" „Wir müssen dafür sorgen, dass nur die Menschen im Krankenhaus behandelt werden, deren stationäre Behandlung nicht vermieden werden kann“
nur mit Entsetzen und Kopfschütteln, ob der schieren Ahnungslosigkeit reagieren.
Fakt ist:
- manche niedergelassene Hausärzte (ja, nicht alle) kümmern sich NICHT um ihre Patienten!. Visiten erfolgen entweder gar nicht, Tage später (wo manches schon zu spät ist) t, oder nur per Fax.
- viele niedergelassene Hausärzte (sicherlich auch durch Überlastung) sagen dem Pflegepersonal am Telefon, dass sie doch bitte nach 18 Uhr den Bereitschaftsdienst anfordern sollten.
- selbst zur Ausstellung von Totenscheinen erscheinen manche nicht und überlassen das dem jeweiligen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung
- das Pflegepersonal hat (übertrieben gesagt: bei Todesstrafe) keinerlei Berechtigung, noch nicht einmal eine rezeptfreie Kopfschmerztablette zu verabreichen, wenn diese nicht als Bedarf vom Hausarzt jemals verschrieben gewesen wäre.
Das könnte man jetzt mit weiteren Erfahrungen und Beispielen fortsetzen.
Ich bin empört darüber das es so dargestellt wird, in diesem Bericht von Schreibtischtätern, das die über 80 -jährigen, insbesondere aus der Pflege kommend, einen großen Mehraufwand erfordern der vermeidbar wäre. Ja, er wäre sicherlich vermeidbar wenn das viel gerühmte deutsche Gesundheitswesen den Namen verdienen würde mit dem es sich schmückt.
Ich vermisse die Rückfragen in diesem Bericht wieso das so ist, wie es in diesem sogenannten "Krankenhaus Report" beschrieben wird.
Feststeller haben wir genug, Absteller fehlen!
P.Burkhardt
01.05.2025, 20:02 Uhr
Ähhh... Wanderwölfin...
...sind Sie sicher ? Gerade Schmerzpatienten werden i.d.R. eingehend untersucht um die Ursache der Schmerzen herauszufinden.

Sollte die Ursache allerdings ungefährlich sein... (ich sag mal salopp: überfuttert oder an Reiszwecke gepiekst) dann geht man natürlich wieder nach Hause. Wenn es keinen diagnostizierten Notfall gibt, also keine Gefahr besteht, geht's eben wieder heim....
Wanderwölfin
02.05.2025, 19:27 Uhr
Frau P.Burkhardt
Mit Ihrer Aussage stellen Sie sich ein Armutszeugnis aus.Ich hoffe, dass Ihnen das nicht passiert, was ich erleben musste. Bleiben Sie gesund.
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