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Sa, 08:57 Uhr
28.03.2026
Zugehört und angeschaut

Ein Lächeln zwischen Zeiten und Welten

Wer kennt denn noch den Ausspruch: Gespannt wie ein Flitzebogen? Mein geliebter Opa hat die Worte oft verwendet. Und genau so hat sich Sabine Schröder nach der Inszenierungseinführung zum „Land des Lächelns“ in der Premiere am Freitagabend gefühlt...

Abschlussbild der Premiere (Foto: S. Schröder) Abschlussbild der Premiere (Foto: S. Schröder)
Denn da wurden dem dort schon begeisterten Publikum Informationen gegeben wie: neue Dialogfassung von unserem Intendanten Daniel Klajner persönlich; Rassistisches eliminieren, ohne das Stück zu verändern; Verlagerung des Konflikts in eine kleine Stadtgesellschaft; Happyend (anders als im Original). Da war die Rede von „musikalischen Einsprengungen“ und lustigen Passagen, von raffinierten Raumverwandlungen durch ein wandelbares, ausgeklügeltes Bühnenbild und die klare Sichtbarkeit der unterschiedlichen Welten auch durch die Farbwahl der Kostüme.

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Liebhaber des Musiktheaters kennen natürlich das „Land des Lächelns“. Aber gerade diese angekündigte eigene Fassung unseres Theaters hat mich so unfassbar neugierig gemacht, dass ich der Premiere regelrecht entgegengefiebert habe.

Und ich wurde nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil. Die Werkstätten – und das ist ja das zuerst Sichtbare – haben wieder einmal ganze Arbeit geleistet. Klar hatte ich durch die Inszenierungseinführung eine Vorstellung von den Häusern um die Ecke und auch von den Kostümen, aber das dann im Original mit aller zugehörigen Ausgestaltung bespielt zu sehen - phänomenal. Dazu brillierte unser LOH-Orchester und ich dachte wieder einmal: Was haben wir doch für ein riesen Glück, in Nordhausen solche herausragenden Sängerinnen und Sänger zu haben, die die vollste Bewunderung und Begeisterung des Publikums genießen.

Die Inszenierung verlegte die Geschichte vorsichtig in die Gegenwart, ohne ihr Anliegen zu verlieren. Das hat - wie man beim Verlassen des Theaters bei wenigen Unterhaltungen hören konnte – nicht bei allen Zustimmung gefunden. Ich persönlich fand es genial und stimmig, weil es mich mehr ins Heute abgeholt hat. Ich bin mir sogar sicher, dass solche oder ähnliche Geschichten heutzutage gar nicht mal so selten sind, wo Welten Liebender aufeinandertreffen, das Umfeld (vorsichtig ausgedrückt) komisch, geschockt oder entsetzt reagiert und die beiden jede Menge Hindernisse zu überwinden haben.

Dass die Auswahl der Darstellung der chinesischen Welt auf ein Restaurant fiel, fand ich sehr geschickt, denn der vielleicht scheinbare Nebensatz von Mie, dass Essen Kulturen verbindet stimmt einfach. Unsere Dramaturgin Juliane Hirschmann beschreibt in dem wieder rundum gelungenen Programmheft eindrucksvoll die Gedanken, die zur Umsetzung des Stücks ins Heute geführt haben. Und das ist für mich als Theaterbesucherin nicht nur einfach nachvollziehbar, sondern auch tatsächlich unumgänglich stimmig. Als Lehàr die Operette schrieb, war das Chinabild ein anderes: „China galt als rückständiges Land, das den Anschluss an die Moderne verpasst hatte. Die Menschen wurden mit rassistischen Stereotypen beschrieben, man sprach von der 'Gelben Gefahr' für die westliche Zivilisation“ so Hirschmann.

Und Lehàrs Musik, die ist natürlich klangprächtig – in der einen „Welt“ typisch Wiener Operettenmusik, in der anderen „Welt“, das Exotische, das fremdartig Anmutende. Der musikalische Leiter Julian Gaudiano drückt das so aus: Ein Teil „der Partitur ist weniger ethnografische Annäherung an authentische chinesische Musik als vielmehr eine europäische Projektion des Fremden. … Gerade dieser Kontrast zwischen Wiener Melodik und exotischer Färbung trägt wesentlich zur emotionalen Wirkung der Operette bei.“

Und die Nordhäuser Fassung? Daniel Klajner gelingt hier eindrucksvoll mit viel Gespür für Aktualität, die Veränderung der Handlung sprachlich und musikalisch eng zu verknüpfen. Er ergänzt die Originalmusik durch kurze Vor- und Nachspiele zugunsten glatter Übergänge zwischen Musik und Dialog, fügt kurze, charakteristische musikalische Klänge ein, die das Publikum sofort überrascht erkennt und schmunzeln lässt ebenso wie so manche lustige Formulierung aus unserem Alltag. Das bringt noch einmal mehr gefühlte Leichtigkeit und Verbundenheit.

Kurzum: Ich habe diesen Theaterabend nicht nur gesehen, sondern gespürt und sehr genossen und tatsächlich einmal alles ausgeblendet, was uns an Alltäglichkeiten momentan belastet. Dazu trug vor allem die Präsentation dieser berührenden Geschichte von Lisa und Sou Chong in einer eigenen Fassung bei, die mit Leichtigkeit, Herzblut und Humor erzählt wird. Und natürlich das Happy End, nicht nur für Lisa und Sou, sondern auf ganzer Linie.
Sabine Schröder

Auch wenn fast alle Vorstellungen schon ausverkauft sind, die die nächsten Termine: 10.4.; 26.4.; 2.5.; 23.5.; 24.5. Und auch in der nächsten Spielzeit wird im Theater beim „Land des Lächelns“ gelächelt. Für alle, die kein Glück hatten, noch ein Ticket zu bekommen, sind diese ab 22. Mai buchbar.
Autor: red

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