Sa, 09:23 Uhr
26.01.2013
Jammern auf Kosten der Versicherten
Deutschlands Lebensversicherer klagen bitter über die anhaltende Niedrigzinsphase. Doch eine aktuelle Analyse des Verbrauchermagazins ÖKO-TEST zeigt: Die Branche fährt – abgesehen von wenigen Ausnahmen – nach wie vor gute Gewinne ein. Der Zeitpunkt des großen Jammerns scheint aber nicht zufällig zu sein...
Denn in wenigen Tagen soll ein neues Gesetz beraten werden, das in bestehende Versicherungsverträge eingreift – leider zulasten der Versicherten.
Glaubt man der Versicherungsbranche, besteht die Gefahr, dass einzelne Lebensversicherer durch die anhaltende Niedrigzinspolitik in eine finanzielle Schieflage kommen. Demnach können sie ihre Zusagen gegenüber den Versicherten womöglich nicht mehr einhalten, wenn sich der Trend fortsetzt. Diese Meldung wurde gerade in den vergangenen Wochen in den Medien verbreitet, wo Ende Januar ein Vermittlungsausschuss ansteht, in dem über einschneidende Kürzungen bei bestehenden Verträgen der Versicherungskunden entschieden wird.
Dabei soll dann unter anderem bestimmt werden, ob die 50-prozentige Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven zusammengestrichen werden kann, wenn die Zinsen weiter niedrig bleiben. Bewertungsreserven sind die Differenz zwischen den Buch- und Marktwerten der Kapitalanlagen, welche die Versicherer mit den Beiträgen der Kunden erworben haben. Dieses Geld wird erst bei Vertragsbeendigung ausgezahlt.
Das neue Gesetz könnte für die Kunden teuer werden. ÖKO-TEST liegen Verträge vor, bei denen Kunden allein infolge dieser Gesetzesänderung auf bis zu 8.200 Euro der Ablaufleistungen verzichten müssten. Auch insgesamt geht es um viel Geld. Die 70 von ÖKO-TEST untersuchten Versicherer hatten schon 2011 rund 40,9 Milliarden Euro an Bewertungsreserven in den Büchern, Tendenz steigend. Denn infolge der anhaltenden Niedrigzinsphase wachsen die Reserven.
Zwar sind die Klagen der Versicherungsbranche laut, doch eine Notlage der Versicherer ist noch lange nicht zu erkennen. Das zeigt eine Analyse von ÖKO-TEST. Das Verbrauchermagazin hat einen Blick in die Bilanzen der deutschen Lebensversicherer geworfen und dabei vor allem die Ertragslage und die Stabilität der Unternehmen geprüft. Dabei zeigte sich, dass die Unternehmen nach wie vor Gewinne erwirtschaften. Und auch die Garantiezinsen kann die Branche noch locker finanzieren.
Die Nettoverzinsung, die die Versicherer mit ihren Kapitalanlagen erzielten, betrug 2011 bei den von ÖKO-TEST untersuchten Unternehmen im Schnitt 3,97 Prozent. Damit liegen die Zinseinnahmen noch deutlich über den Garantiezinsen von durchschnittlich 3,3 Prozent. Auch die Stabilitätszahlen beweisen, dass die Unternehmen fast durchweg solide dastehen. So liegt die durchschnittliche Solvabilitätsquote bei 180,6 Prozent. Das heißt, dass die Unternehmen 1,8 mal so viel Eigenmittel haben, wie von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin verlangt wird.
Zudem verfügt die Branche nicht nur über hohe Bewertungsreserven. Auch die Töpfe mit bereits erzielten, aber noch nicht ausgeschütteten Gewinnen sind prall gefüllt. Insgesamt schlummern hier weitere 43,5 Milliarden Euro, die eigentlich den Kunden zustehen. Die Branche möchte jedoch mit Hilfe des Gesetzgebers einen Großteil davon als Eigenkapitalersatz missbrauchen.
Dabei zeigt die ÖKO-TEST-Analyse, dass die Lebens- und Rentenversicherer ohnehin schon seit Jahren immer weniger von den insgesamt erwirtschafteten Überschüssen an ihre Kunden ausschütten. Das liegt angeblich an der schwierigen Kapitalmarktlage. Ihren Aktionären schustert die Branche jedoch die Gewinne gerne zu. Deren Anteil am Kuchen hat sich seit dem Jahr 2002 fast verdoppelt.
Das ÖKO-TEST-Magazin Februar 2013 gibt es seit dem 25. Januar 2013 im Zeitschriftenhandel. Das Heft kostet 3,80 Euro.
Autor: redDenn in wenigen Tagen soll ein neues Gesetz beraten werden, das in bestehende Versicherungsverträge eingreift – leider zulasten der Versicherten.
Glaubt man der Versicherungsbranche, besteht die Gefahr, dass einzelne Lebensversicherer durch die anhaltende Niedrigzinspolitik in eine finanzielle Schieflage kommen. Demnach können sie ihre Zusagen gegenüber den Versicherten womöglich nicht mehr einhalten, wenn sich der Trend fortsetzt. Diese Meldung wurde gerade in den vergangenen Wochen in den Medien verbreitet, wo Ende Januar ein Vermittlungsausschuss ansteht, in dem über einschneidende Kürzungen bei bestehenden Verträgen der Versicherungskunden entschieden wird.
Dabei soll dann unter anderem bestimmt werden, ob die 50-prozentige Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven zusammengestrichen werden kann, wenn die Zinsen weiter niedrig bleiben. Bewertungsreserven sind die Differenz zwischen den Buch- und Marktwerten der Kapitalanlagen, welche die Versicherer mit den Beiträgen der Kunden erworben haben. Dieses Geld wird erst bei Vertragsbeendigung ausgezahlt.
Das neue Gesetz könnte für die Kunden teuer werden. ÖKO-TEST liegen Verträge vor, bei denen Kunden allein infolge dieser Gesetzesänderung auf bis zu 8.200 Euro der Ablaufleistungen verzichten müssten. Auch insgesamt geht es um viel Geld. Die 70 von ÖKO-TEST untersuchten Versicherer hatten schon 2011 rund 40,9 Milliarden Euro an Bewertungsreserven in den Büchern, Tendenz steigend. Denn infolge der anhaltenden Niedrigzinsphase wachsen die Reserven.
Zwar sind die Klagen der Versicherungsbranche laut, doch eine Notlage der Versicherer ist noch lange nicht zu erkennen. Das zeigt eine Analyse von ÖKO-TEST. Das Verbrauchermagazin hat einen Blick in die Bilanzen der deutschen Lebensversicherer geworfen und dabei vor allem die Ertragslage und die Stabilität der Unternehmen geprüft. Dabei zeigte sich, dass die Unternehmen nach wie vor Gewinne erwirtschaften. Und auch die Garantiezinsen kann die Branche noch locker finanzieren.
Die Nettoverzinsung, die die Versicherer mit ihren Kapitalanlagen erzielten, betrug 2011 bei den von ÖKO-TEST untersuchten Unternehmen im Schnitt 3,97 Prozent. Damit liegen die Zinseinnahmen noch deutlich über den Garantiezinsen von durchschnittlich 3,3 Prozent. Auch die Stabilitätszahlen beweisen, dass die Unternehmen fast durchweg solide dastehen. So liegt die durchschnittliche Solvabilitätsquote bei 180,6 Prozent. Das heißt, dass die Unternehmen 1,8 mal so viel Eigenmittel haben, wie von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin verlangt wird.
Zudem verfügt die Branche nicht nur über hohe Bewertungsreserven. Auch die Töpfe mit bereits erzielten, aber noch nicht ausgeschütteten Gewinnen sind prall gefüllt. Insgesamt schlummern hier weitere 43,5 Milliarden Euro, die eigentlich den Kunden zustehen. Die Branche möchte jedoch mit Hilfe des Gesetzgebers einen Großteil davon als Eigenkapitalersatz missbrauchen.
Dabei zeigt die ÖKO-TEST-Analyse, dass die Lebens- und Rentenversicherer ohnehin schon seit Jahren immer weniger von den insgesamt erwirtschafteten Überschüssen an ihre Kunden ausschütten. Das liegt angeblich an der schwierigen Kapitalmarktlage. Ihren Aktionären schustert die Branche jedoch die Gewinne gerne zu. Deren Anteil am Kuchen hat sich seit dem Jahr 2002 fast verdoppelt.
Das ÖKO-TEST-Magazin Februar 2013 gibt es seit dem 25. Januar 2013 im Zeitschriftenhandel. Das Heft kostet 3,80 Euro.