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Mo, 08:43 Uhr
09.12.2013

Zwei Jahrzehnte

Die Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung Thüringen (LAG) feiert in diesem Jahr ihr 20jähriges Bestehen. Seit 1993 vertritt sie die Interessen verschuldeter Bürger und unterstützt gemeinnützige Einrichtungen und Projekte, die sich mit Schuldnerberatung befassen...


Die Idee hierzu entstand 1992. Karin Klein, Gründungsmitglied der LAG und erste Schuldnerberaterin bei einem freien Träger in Erfurt erinnert sich: „In den Anfangszeiten der Schuldnerberatung in Thüringen waren wir alle Einzelkämpfer ohne viel Erfahrung. Es fehlten der regelmäßige fachliche Austausch und eine gemeinsame Vorgehensweise gegenüber den zuständigen Institutionen. Eine gemeinsame Plattform sollte dies ändern. Mit Erfolg. Durch die Arbeit der LAG wurde eine bessere Vernetzung erreicht und die Akzeptanz der Schuldnerberatung in der Gesellschaft erhöht.“

Einer der Höhepunkte der vergangenen Jahre war die Mitwirkung an der Entwicklung der Qualitätsstandards für die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstellen in Thüringen, heißt es bei der Landesarbeitsgemeinschaft. Diese gewährleisten insbesondere eine qualifizierte und nachhaltige Beratung der Betroffenen und wurden am 2010 vom Thüringer Ministerium für Soziales, der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege und der LAG Schuldnerberatung Thüringen unterzeichnet.

Anlass zu weiterer Freude gibt es allerdings wenig. Laut dem Schuldneratlas 2013 der Creditreform sind 170.000 Thüringer überschuldet. Damit ist die Verschuldung der privaten Haushalte in Deutschland und Thüringen in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Viele Jugendliche sind beispielsweise durch teure Handyrechnungen bereits tief in den roten Zahlen. Auch Altersarmut, die in den kommenden Jahren drastisch steigen wird, erhöhe das Risiko der Verschuldung.

Vor allem aber sind die Problemlagen der Ratsuchenden in den vergangenen 20 Jahren komplexer geworden. So wachse insbesondere der Anteil von Menschen mit gesundheitlichen und psychischen Einschränkungen. „Die Beratung ist wesentlich vielschichtiger geworden“, weiß auch Silke Süßenguth-Schirmer, Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung.

„Wir benötigen sozialpädagogische Fähigkeiten, aber auch umfangreiche juristische Fachkenntnisse. Wir sind ein wenig Betriebswirt, Psychologe, Seelsorger, oft sind wir Motivationstalent oder einfach nur Zuhörer“, so Süßenguth-Schirmer.

Neben dem Ziel, den Ratsuchenden eine optimale und qualifizierte Beratung zukommen zu lassen, dürfen die Belange der Berater nicht außer Acht gelassen werden, betont auch Süßenguth-Schirmer. Die LAG Schuldnerberatung Thüringen werde sich daher auch in Zukunft weiterhin engagieren und ihre Fachkenntnisse in die entsprechenden Gremien einbringen. Vor allem gehe es darum, die Situation für die betroffenen Bürger zu verbessern und das Umfeld für die Berater zu optimieren.

Ein Stellenschlüssel von einem Berater auf 100.000 Einwohner, mache deutlich wie herausfordernd und schwierig die Arbeit der Berater ist. Grund genug auch im Jubiläumsjahr der Landesarbeitsgemeinschaft die Forderung nach einem besseren Stellenschlüssel zu erneuern. „Um auch weiterhin eine effiziente und qualitätsorientierte Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung in Thüringen zu gewährleisten, ist ein verbesserter Stellenschlüssel erforderlich“, macht Süßenguth-Schirmer deutlich.

Demnach müsse dieser von bisher 1:100.000 auf 1:80.000 abgesenkt werden. In der Beratungstätigkeit sei es besonders wichtig, dass Betroffene möglichst zeitig Rat einholen. Lange Wartezeiten seien da wenig hilfreich, bestätigen Experten. Aus Sicht der Arbeitsgemeinschaft hat auch die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Thüringer Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit und der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen einen großen Anteil an der guten Arbeit der Beratungsstellen.
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