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Mo, 08:59 Uhr
11.11.2019
30 Jahre Grenzöffnung

Blick auf Vergangenheit und Zukunft

In diesen Tagen gibt es ein Thema, dass überall auftaucht: Der 9. November 1989. Unser einst grenznaher Raum zeigt dieses Ereignis wohl sehr deutlich. Dementsprechend fanden und finden in diesen Tagen auch viele Veranstaltungen statt. So hatte Landrat Dr. Werner Henning am Freitag viele Menschen in die Mutterkirche des Eichsfeldes eingeladen….



Mit Musik der Bläsergruppe der Eichsfelder Musikschule unter Leitung von Michael Tischer gestaltete sich der Einzug der Geistlichen und Ehrengäste sehr würdevoll. Der Landrat begrüßte die Menschen in der voll besetzten St. Martin Kirche in Heilbad Heiligenstadt ganz besonders herzlich zu diesem ökumenischen Festgottesdienst, um in festlicher Form der Nacht vor 30 Jahren zu erinnern. Er sei dankbar dafür, dass wir diese Rückbesinnung in die geistliche und kulturelle Tradition unserer Heimat einbinden können, um mit deren Instrumentarien das Gotteslob auf die glückliche Wendung unseres innerdeutschen Schicksals anzustimmen, sagte er zu Beginn.


“Viele die damals dabei waren, wissen auch um die glücklichen Erlebnisse der darauf folgenden Wochen, des sich anschließenden Aufbruchs in unserem Land, Fortan vieles von dem zu verbessern, was zuvor und viel zu lange die Menschen voneinander entzweit und entfernt hat. ….Und dennoch, wollen wir in diesem, dankbaren Rückblick nicht zu lange verharren, sondern freudig auf euch junge Menschen schauen, denen die neu gewonnene Freiheit längst zum selbstverständlichen Raum des eigenen Lebens geworden ist….Bleibt geehrt und schaut gleichzeitig anspruchsvoll nach vorn”, sagte der Landrat vor allem zu den vielen Schülern aus verschiedenen Schulen, die zum Festgottesdienst gekommen waren.


Der Schulchor des kath. “St. Elisabeth” Gymnasium begleitete mit zum Thema passenden Liedern in hervorragender Qualität diesen Festgottesdienst.


Vier Schulleiter konnten im Anspiel in einem Zeitzeugengespräch von ihren Erlebnissen des 9. November 1989 berichten. Heinz-Peter Kaes, Katholisches Gymnasium Heilbad Heiligenstadt, Peter Krippendorf, Gymnasium Dingelstädt, Kerstin Diegmann, Schule in Lutter und Petra Stubenitzky von der SBBS Leinefelde. Sie schilderten auch ihre Zeit davor und sprachen über die jeweils persönliche Situation, in der sie sich befanden.


Die Festpredigt hielt der evangelische Pfarrer Johannes Möller. Die Schüler werden sich fragen, das ist alles 30 Jahre her, was hat das noch mit uns zu tun, es sei etwas für die Geschichtsbücher, begann der Pfarrer. Doch man sei in erster Linie nicht für die Einheit Deutschlands, sondern für die Freiheit auf die Straße gegangen. Ohne Gewalt. Heute hätten wir in dieser Kirche Schüler aus Niedersachsen, Hessen und Thüringen zusammen, das sei vor 30 Jahren undenkbar gewesen.

Aber er verwies auch darauf, dass Freiheit bedeute, das auch der andere diesen Anspruch haben darf. Er sehe eine Gefahr heute, andere zu verurteilen, andere Meinungen nicht zu akzeptieren. Wir meinen, jeder müsse so denken, wie ich denke, sagte er. Für die Freiheit müsse jede Generation einstehen, Was er heute vermisse sei, aufeinander zu hören, miteinander zu reden, zuzuhören, auf Gott zu hören. Er habe uns Kraft geschenkt. Mancher solle auch beten, bevor er vorschnell den Mund aufmache.

Eine Mauer schütze nicht nur, sie grenzt auch aus. Möge es uns gelingen, die Freiheit so zu leben, damit der Fall dieser Mauer auch heute noch zu spüren sei.

Vor dem Schlusssegen erzählte noch Propst Hartmut Gremler eine Begebenheit aus seinen Erfahrungen. Als es im Sommer 1989 losgegangen war mit der Ausreisewelle, legten sie damals - er war in Pfarrer in Rohrberg - in der Kirche Unterschriftenlisten aus mit der Bitte, das Sperrgebiet aufzulösen. Die Leute hätten große Angst gehabt, zu unterschreiben, wegen befürchteter Repressalien. Dann kam eine Info, dass das Leben im Grenzgebiet gelockert werden solle. Doch dann kam es ganz anders mit dem 9. November, sagte der Propst.

Im Anschluss an den ökumenischen Festgottesdienst gab es vor der Kirche noch viele Gespräche erinnernd an die Zeit vor 30 Jahren. Die Gäste ließen sich auch die 600 Bratwürstchen schmecken.
Ilka Kühn
Ökumenischer Festgottesdienst (Foto: Ilka Kühn)
Ökumenischer Festgottesdienst (Foto: Ilka Kühn)
Ökumenischer Festgottesdienst (Foto: Ilka Kühn)
Ökumenischer Festgottesdienst (Foto: Ilka Kühn)
Ökumenischer Festgottesdienst (Foto: Ilka Kühn)
Ökumenischer Festgottesdienst (Foto: Ilka Kühn)
Ökumenischer Festgottesdienst (Foto: Ilka Kühn)
Ökumenischer Festgottesdienst (Foto: Ilka Kühn)
Ökumenischer Festgottesdienst (Foto: Ilka Kühn)
Ökumenischer Festgottesdienst (Foto: Ilka Kühn)
Ökumenischer Festgottesdienst (Foto: Ilka Kühn)
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