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Sa, 11:31 Uhr
21.03.2020
Leserzuschrift: Begehung am Hohen Rott in Heiligenstadt

Gedanken über Sinn oder Unsinn der Gestaltung unseres Wohnumfeldes

Die Wohnsiedlungen Auf den Liethen, Am Richteberg, Am Kuhlsberg sowie Am Hohen Rott benötigen die Vielfalt der Landschaftsgestaltung als wertvolles Lebensgrün. Hier Gedanken von Wilhelm Roth zur Gestaltung:...


Die zu pflegenden Rasenflächen sind nur ein Teil der Ordnung, eine Einsamkeit oft ohne die Farben wilder Kräuter. Die Vielzahl von hohen und niedrigen Sträuchern mit ihrer Blütenpracht, ihren Früchten und der Blattfärbung in den Jahreszeiten gehören zum gewohnten Wohnumfeld.

Auf sonniger und breiter Straßenböschung finden Vögel und Insekten einen unberührten geschützten Nahrungs- und Lebensraum.

Der Pflegeeingriff des Bauhofes Heiligenstadt beendete diese Harmonie wo auch ein großer Sperlingsschwarm, der an den umliegenden Gebäuden brütete, die Hecken verlieren. Naturbesonnene Anwohner protestierten und erbaten meine Hilfe, besonders dort, wo der Eingriff ohne Bürgerinformation erfolgte.

Der Leiter des Bauhofes, Herr Westphal, befürwortete bereitwillig eine gemeinsame Ortsbegehung der Straße zum Hohen Rott, damit ich sein Handwerk kennen lerne. Seine dominierenden Argumente sind der Auftrag der Landschaftspflege in der Stadt mit der Gewährleistung der Verkehrs- und Rechtssicherheit sowie der Entwässerung. Diese Maßnahmen vermitteln zum Teil das großflächige Abräumen von Sträuchern in Bodennähe und zu wenig auf Stock gesetzte Einzelbüsche.

Der Grundsatz: So wenig wie möglich und so viel wie nötig, ist kaum zu erkennen, denn eine rationelle Bewirtschaftung dieser Lebensräume ist betriebsökonomisch langzeitig von Vorteil, die Natur erleidet dabei ökologischen Schaden. Allein das Abrechen des Hanges von Todholzzweigen sowie der gewachsenen Laubschicht ist ein großer Verlust der Schutzfunktion vieler Insektenarten.

Das Stehenlassen von Todbäumen bietet mit Heckensaum sowie abgelegter Astspänen für seltene Käferarten den nötigen Lebensraum auch zur Nahrungssuche für Vögel und Kleinsäuger, besonders an den breiten Feldwegen mit Obstgehölzen.
Natürlich ist korrekte Arbeit mit der Motorsäge mühevoll, sei es nur das Überwachsen der Wildrosenzweige über der Ligusterhecke am Fahrradweg zurückzuschneiden.

Können alte hohe Hecken mit trockenen Ästen und Laub zu einer Brandgefahr vor der Häuserreihe werden? So mancher Müll aus der noblen Siedlung wurde in den Windschutzstreifen rein geworfen und nicht wenige Hundehaufen verekeln die Arbeitsfreude der Mitarbeiter des Bauhofes. Nicht jeder „meckernde Bürger“ vermag das Leben der Natur begreifen, vor allem, wenn er seinen Steingarten zum Vorbild nimmt.

In Günterode mähte einst z.B. der Gemeindearbeiter den ergrünten Ufersaum des schönen Dorfteiches bis zur Wasseroberfläche aus, mit ebensolcher Gleichgültigkeit des Bürgermeisters, um Ordnung zu schaffen. Eine Vorortsbegehung ergab auch für den Park eine Neugestaltung, wo alte Bürger sich auf der Bank über die gelben Wasserschwertlilien, den blauen Libellen und den Teichhühnern erfreuen konnten.

Wer mit der Natur arbeitet, kann auch überzeugend kreativ sein, ohne sich stets der Chefkritik zu ergeben. Fazit: Herr Westphal trägt in vielen Dingen die Verantwortung, beugt sich so mancher unfachlichen Bürgerkritik sowie einiger Amtspersonen. Hier bedarf es dringend der Aufmerksamkeit der Abgeordneten ebenso des Bürgermeisters, um die Biodiversität zu stärken und ein Artensterben zu verhindern.

Ob ich die vielen Blühstreifen lieber loben möchte, statt seine Zeit mit der Verantwortung über 30 Mitarbeitern bei den Hecken der liebgewonnenen Wegbegleitung zu verbringen? Er sei als Landschaftsgestalter in seinem Leinefelder Jagdrevier ebenso ein Naturschützer wie ich mit meinem Bürgeranaliegen, welches wir mit sachlich kritischer Anerkennung für die Natur zu begründen suchten.
Wilhelm Roth
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