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Mi, 21:57 Uhr
13.05.2020
Theater und Loh-Orchester stellen neues Programm vor

Mit Optimismus in die neue Spielzeit

Anfang September soll es wieder losgehen: Theater und Loh-Orchester stellten heute den Spielplan für das kommende Jahr vor. Zu den Highlights gehören eine Weltpremiere, herausfordernde Konzertstücke, literarische Klassiker und ein personeller Wechsel an der musikalischen Spitze…

Am Theater Nordhausen wurde heute die neue Spielzeit vorgestellt (Foto: Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH) Am Theater Nordhausen wurde heute die neue Spielzeit vorgestellt (Foto: Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH)

Wie in allen Dingen liegt auch über der Arbeit des Nordhäuser Theaters und des Loh-Orchesters der Schatten der Corona-Krise. Manches, das eigentlich für die laufende Spielzeit geplant war, hat es nicht mehr auf die Bühne geschafft, in einem Fall hatte man die Generalprobe schon hinter sich, als der Corona-Vorhang fiel.

Vieles konnte man in die neue Spielzeit hinüberretten. So einfach wie das klingen mag ist das nicht in jedem Fall, erklärte Intendant Daniel Klajner, Sängerin Femke Soetenga etwa war für die „Drei Musketiere“ in der aktuellen Spielzeit gesetzt, ob sie auch im kommenden Jahr „frei“ ist, steht noch nicht fest. Rund anderthalb Jahre Vorbereitungszeit brauche eine Spielzeit, führte der Intendant weiter aus, man ist also schon jetzt dabei, die Planungen für die Übernächste Saison in die Wege zu leiten. In unsicheren Zeiten bringt das große Herausforderungen mit sich, denen man am Theater im Moment nur mit Optimismus begegnen kann. Bleiben die Kontaktbeschränkungen bis zum September bestehen, fällt der neue Ablaufplan ins Wasser. Einen „Plan B“ gebe es zwar, doch der sei aufgrund der volatilen Lage nicht fest ausformuliert.

Dich, teure Halle, grüß ich wieder

Und so muss man nach dem Prinzip Hoffnung planen. Geht alles gut, dann startet die neue Spielzeit am 5. September mit der „Deutschen Operngala“. Auf dem musikalischen Menü stehen Auszüge aus Wagner’s „Tannhäuser“, „Lohengrin“ und die Arie „Dich, teure Halle, grüß ich wieder“, „Ariadne auf Naxos“ und „Der Rosenkavalier“ aus der Feder von Richard Strauss, Lortzings „Wildschütz“ und Beethoven’s „Fidelio“.

Zu den Opfern der Corona-Zeit gehörte auch die „Lustige Witwe“, die ab dem 25. September wieder auf der Bühne zu sehen sein wird. Freilich darf im Musiktheater auch der Dauerbrenner „Veronika, der Korn ist da“ nicht fehlen.

Das ganz große Highlight des Jahres ist für Operndirektorin Anette Leistenschneider aber das Musical „Get on board“. Mit dem Stück von Dirk Michael Steffan steht dem Südharz eine Welturaufführung ins Haus. Der Herr ist in Nordhausen kein Unbekannter. Seine Interpretation des „Geist der Weihnacht“ hat am Theater an drei aufeinanderfolgenden Jahren für ausverkaufte Vorstellungen gesorgt. Die guten Erfahrungen hätten Steffan dazu bewogen, bei der Suche nach einem Premierenort für sein neues Stück der kleinen Nordhäuser Bühne die Ehre zu erweisen, sagte Leistenschneider der nnz.

Dem Wahnsinn nahe

Das zweite Highlight, auf das sich die Operndirektorin besonders freut ist das Libretto „Kain und Abel“, mit dem die Opernsparte wieder einem uralten, biblischen Stoff Raum geben wird.

Die Wurzeln der Geschichte um „Tristan und Isolde“ sind nur unbedeutend jünger, die Wagner’sche Adaption im Vergleich aber fast schon kontemporär. Die Oper gilt als besonders anspruchsvoll, Wagner selbst soll gesagt haben er erwarte Fehler in den Aufführungen, alles andere sei gar nicht möglich. Entsprechend ehrfurchtsvoll begegnet Generalmusikdirektor Michael Helmrath der Herausforderung. Bei der Ankündigung habe ihm „der Mund offen gestanden“. „Ich habe allergrößten Respekt vor dem „Tristan““, sagte Helmrath, es gebe kaum ein Stück das derart „intensiv“ sei. „Das ist fast wie eine Droge, wer sich näher damit befasst, der kommt dem Wahnsinn nahe“. Das sein Orchester die Herausforderung einstimmig annahm, habe ihn besonders stolz gemacht.

Das Orchester hat sich für das kommende Jahr viel vorgenommen: sechs Sinfonie-, vier Loh-, drei Schloss- und vier Kammerkonzerte sowie zahlreiche Sonderveranstaltung. Für Helmrath, der ursprünglich nur zwei Jahre an den Harzrand kommen wollte, wird bald das fünfte Jahr seines Wirkens anbrechen und es wird das letzte Jahr sein. „Ich bin der 70 näher als der 60“, erklärte Helmrath, die Arbeit am Dirigentenpult zehre zunehmend an seinen Kräften, sosehr er sie auch liebe.

Ein Nachfolger steht derweil nicht nur in den Startlöchern sondern konnte heute bereits im Podium begrüßt werden. Der gebürtige Bulgare Parel Baleff wird in der kommenden Spielzeit bereits ein Sinfoniekonzert dirigieren. Helmrath und Barleff sind alte Bekannte, letzterer hat den amtierenden Generalmusikdirektor noch als Weimarer Student erlebt. Seitdem sind 25 Jahre vergangen, in denen sich die beiden Musikliebhaber auch persönlich kennen lernen durften.

Barleff bringt viel Erfahrung mit, war in Halle, Rostock und Baden-Baden Kapellmeister und hat 13 Jahre lang Sinfonie-Orchester geleitet. Er hoffe die hohen Erwartungen erfüllen zu können und freue sich auf die Arbeit. Die Qualität und der Arbeitseifer des Loh-Orchesters hätten nach vielen Gesprächen letztlich den Ausschlag gegeben. Außerdem gebe es die Aufgabenkombination aus Musiktheater, Ballett und Orchester nur an wenigen Häusern.

Auf Tanzreise

Die Vorzüge mehrere Sparten bedienen zu können genießt auch das Nordhäuser Ballett. Den Auftakt der neuen Spielzeit wird man am 5. Oktober mit der großen Ballettgala geben. Mit „Inside Us“ steht dann auch eine alte Choreographie auf dem Programm, die eigentlich noch in die aktuelle Spielzeit gehört, aufgrund des Corona-Virus aber nur zwei mal aufgeführt werden konnte. Die erste Premiere wird man am 6. November mit „Carmen“ feiern. Er wolle seine eigene Lesart der tragischen Liebesgeschichte auf die Bühne bringen, sagte Ballettchef Ivan Alboresi, „eines ist sicher: dieses Ballett steckt voller Leidenschaft, Liebe, Tragödie und Enttäuschung“.

Die zweite Premiere folgt im Februar mit einem dreifachen Aufschlag. Alboresi choreographiert „Petruschka“ mit der Musik von Igor Strawinsky, als Gäste zeigen Douglas Lee und Itzik Galili ihre Interpretationen von „Playdead“ und dem „explosiven Gruppenstück“ „OR“.

Den Abschluss der „Tanzreise“ werden der Tradition nach die „Freiträume“ bilden, bei denen sich die Tänzerinnen und Tänzer des Hauses sich als Choreographen versuchen können.

Macht durch Disziplin

Das Schauspiel wird in gewohnter Weise durch die Rudolstädter Kollegen zur Verfügung gestellt, die unter anderem den „Hamlet“ auf die Bühne bringen werden. Aus den eigenen Reihen kann man sich, trotz Corona, auf die „Silberdisteln“ stützen. Die Seniorenschauspieler werden mit „Alle schwarze Schafe“ eine dunkelhumorige Komödie zum Besten geben.

Unterstützt werden sie dabei von Eva Lankau, die kommissarisch das junge (und das alte) Theater leitet. Der Nachwuchs wird sich ebenfalls mit dem dänischen Prinzen aus Shakespear’scher Feder befassen. Zumindest periphär. Wie der Name „Nur Ophelia“ schon vermuten lässt, dreht sich bei dem Schauspiel von Theresa Sperling alles um die Tragödie der jungen Frau. In fünf Akten werden sich junge Schauspielerinnen mit verschiedenen Aspekten von Verliebtheit bis Verzweiflung auseinandersetzen.

Einen Beitrag zum Schulunterricht will man mit der Wiederaufnahme des Solo-Stücks „Effi Briest“ leisten. Gleiches gilt für das große Projekt des neuen Jahres: das junge Theater wird „Die Welle“ auf die Bühne bringen. Die literarische Vorlage basiert auf den Erfahrungen eines kalifornischen Lehrers, der in den späten 60er Jahren ein folgenschweres Sozialexperiment in seiner Klasse startet. Was im weiteren geschieht gehört in Deutschland seit langem zum festen Bestandteil des Lehrplans, soll auf der Bühne aber in die heutige Zeit, ihre Sprache und Bedingungen überführt werden.

Hinzu kommen zahlreiche pädagogische Angebote und natürlich das Programm des jungen Zirkus Zappelini, das erst durch das wilde „Tumultistan“ führen wird und dann Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ akrobatisch umsetzen wird.

Theaterkasse bleibt geschlossen

Von den Schlossfestspielen bis zum Theaterfest der etwas anderen Art finden sich noch eine ganze Reihe weiterer Highlights im Spielzeitheft. Selbiges ist in seiner üblichen Form aber auch dem Corona-Virus zum Opfer gefallen. Die weiter volatile Lage bringt es mit sich, das man auf den Druck des physischen Heftes aus Kostengründen bis auf weiteres verzichtet hat. Bis klar ist ob die Spielzeit in ihrer geplanten Form stattfinden kann, wird man den Überblick über das Programm lediglich online abrufen können.

Die Lage wirkt sich auch auf den Kartenverkauf aus. Die Theaterkasse bleibt geschlossen, Karten können lediglich reserviert werden, was Stornierung und Rücknahme für den Fall der (Corona-)Fälle sowohl für das Theater wie auch die Gäste des Hauses unkomplizierter mache, erklärte Intendant Klajner.

Das vollständige Programm findet sich hier .
Angelo Glashagel
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