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So, 08:51 Uhr
30.05.2021
NATURVERLANGEN

Wildbienen, Blühstreifen, Rasenmahd

Wie erfolgreich bekämpfen wir das Insektensterben? Noch unzureichend, obwohl es auch im Eichsfeld lobenswerte Beispiele gibt. Leider aber machen einzelne Schwalben noch keinen Sommer. Meint Wilhelm Roth...

Das perfekte Bienenhotel (Foto: W. Roth) Das perfekte Bienenhotel (Foto: W. Roth)
Eichsfeld. Große Anerkennung verdienen die Naturfreunde der Initiative Umweltaktion Gernrode um Walter Preis, der mit seiner Überzeugungs- und Handlungsbereitschaft viele Bürger der Gemeinde für den Schutz der Natur begeistert. In Dieterode vermag Bürgermeister Uwe Günther mit der Regionalen Aktionsgruppe Eichsfeld und seinen fleißigen Helfern nicht nur dem Dorf eine neue Prägung zu geben, sondern auch die Gemarkung mit lebensspendenden Biotopen zu bereichern.

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So wie die Kreisstadt Unna in Nordrhein-Westfalen sich mit der Pflege und Gestaltung von Kopfweiden ihre „Märchenwelt“ geschaffen hat, schuf sie auch mit dem morschen Holz alter Bäume einen vielfältigen Lebensraum für seltene Insekten, die eine Entwicklungszeit von 5 bis 7 Jahren benötigen. Leider verlieren sich auch hierzulande viele kleine Parzellen von Blühstreifen oft ohne einen zusammenhängenden Biotop. So eine vom Menschen erdachte Blumengemeinschaft ist für Insekten trotz ihres Nahrungsangebotes nicht mit der bodenständigen Vielfalt von Wildkräutern zu vergleichen, die eine weitgrößere Biodiversität aufweisen und dringenden Schutz benötigen.

Das Ausmähen von Feldrainen, Gräben und Waldrändern ist überwiegend noch Praxis der Agrarbetriebe auch im Eichsfeld. Mit der Ökonomie der Feld- und Viehwirtschaft sollte auch die Ökologie zur Neuentwicklung der Natur verbunden sein. Neben der Güllebelastung führt vor allem die massive Bodenerosion durch mangelnde Fruchtfolgen und Schutzstreifen zum Verschwinden von Insekten. Viele Rasenflächen unterliegen der beständigen „Rasiermahd“, wie leider ebenso in Kleingartenanlagen üblich. Das muss nicht sein.

Im Mai 2020 versandte ich nach 13-jähriger Erfahrung an 12 Verwaltungsgemeinschaften des Landkreises Eichsfeld eine Bauanleitung für Wildbienen, die in neun Amtsblättern veröffentlicht wurde. Nur die Stadt Leinefelde-Worbis verweigerte mein Anliegen aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen. Eine Schule in Worbis gestaltete bedauerlicherweise aus mangelnder Sachkenntnis in mühevoller Arbeit mit den Schülern neun Insektenhotels, die zudem ohne einer Biotopbegleitung am Zaun befestigt wurden.

Die einen Quadratmeter großen Wildbienenvermehrungshäuser von Leo Hunold aus Worbis, der zu einer Beratung bereit ist, sind in den ausgesuchten Biotopen von einer kaum vorstellbaren Lebendigkeit belegt, um dann in neun Monaten zum Frühling auszuschwärmen. Entgegen der zahlreichen Empfehlungen im Internet und der unbrauchbaren Angebote von Insektenhotels in den Baumärkten stelle ich folgende Bauanleitung vor:

Hartholz, keine Weichhölzer mit Faserung in den kürzeren Bohrlöchern. Fester und glattwandiger Japanischer Knöterich, harte untere Schilfhalme, trockene gebohrte Holunderzweige, Höhlen bildende Ziersträucher sowie weiches Zierschilfrohr gleichmäßig geordnet. Lochziegeln sind zum Einstecken von Röhrchen zu verwenden.

Jahrzehnte lang haben sich in Jena tausende 12 cm lange Plastikröhrchen von den Sichtschutzmatten aus dem Baumarkt bewährt! Ein breites Dach mit Steingarten bewachsen, einer wasserdichten Rückwand sowie ein Rahmen mit 3x3 cm großen Kaninchendraht schützt im Abstand von über 10 cm vor Vogelschäden. Ein sonniger Standort mit feuchter Erde erleichtert den Bienen den Ausbau ihrer mit Blütenstaub und Eiern belegten Kinderstuben.
Wilhelm Roth
Autor: psg

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