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Di, 11:34 Uhr
01.06.2021
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin):

Pilotprojekt Grundeinkommen startet heute

in Deutschland monatlich 1.200 Euro ausgezahlt – für insgesamt drei Jahre. Unter dem Motto „Wir wollen es wissen“ wird die Studie des Vereins Mein Grundeinkommen gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) durchgeführt...

1.200 Euro monatlich drei Jahre lang: Pilotprojekt zum bedingungslosen Grundeinkommen beginnt mit der Auszahlung
Gemeinsame Langzeitstudie des DIW Berlin und des Vereins Mein Grundeinkommen – 122 Teilnehmende wurden aus mehr als zwei Millionen BewerberInnen ausgewählt und werden nun drei Jahre lang durch private Spenden finanziert

„Wir wollen in den kommenden drei Jahren empirisch erforschen, ob und wie die bedingungslose, regelmäßige Auszahlung eines Geldbetrags, der mehr als das Existenzminimum deckt, bei Menschen überhaupt wirkt“, berichtete Jürgen Schupp vom DIW Berlin, der das Projekt wissenschaftlich verantwortet. Die 1.200 Euro werden den 122 Teilnehmenden jeweils monatlich und über einen Studienzeitraum von drei Jahren ausgezahlt. Finanziert wird das Projekt durch Spenden von rund 181.000 Privatpersonen. Die Finanzierung durch private Spenden sichert die politische Unabhängigkeit der Studie.

Wissen statt Glauben
Die gemeinsame Studie des DIW Berlin und des Vereins Mein Grundeinkommen soll erstmals Grundlagenforschung zum bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) liefern. „Die Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen ist von ideologischen Glaubenssätzen geprägt. Wir wollen wissen, was am BGE wirklich dran ist. Entwickeln wir mehr Gemeinsinn? Führt es zu weniger Burnout, ermöglicht es bessere Arbeit und mehr Weiterbildung? Treffen wir mutigere Entscheidungen? Haben die Menschen mehr Raum und Kraft, sich für eine lebenswerte Zukunft für alle einzusetzen?“, erklärte Michael Bohmeyer, Initiator der Pilotprojekts Grundeinkommen.

Da menschliche Entscheidungsprozesse hochkomplex sind und der Fokus auch auf Veränderungen von Entscheidungen und kognitiven Fähigkeiten der Teilnehmenden liegt, wird die Studie außerdem von WissenschaftlerInnen des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, der Universität zu Köln und der Technischen Hochschule Köln durch psychologische, verhaltensökonomische und qualitative Forschung unterstützt.

Die Auswahl der Teilnehmenden
Um statistisch aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, untersucht die Studie eine eingegrenzte, relativ homogene Gruppe, für die wissenschaftlich belastbare Aussagen getroffen werden können. Dank der zahlreichen Bewerbungen für das Pilotprojekt konnte aus einer großen und umfassenden Datengrundlage von 2.101.022 erwachsenen Personen ausgewählt werden. Die Parameter für die Auswahl der Studienteilnehmenden bezogen sich auf Haushaltsgröße, Alter und Einkommen.

Die Studienergebnisse werden verallgemeinerungsfähig für die Gruppe der 21- bis 40-Jährigen mit mittleren Einkommen in Ein-Personen-Haushalten in Deutschland sein. Nach drei Jahren wird untersucht und diskutiert, inwiefern sich diese Erkenntnisse auch vollständig oder teilweise auf andere Bevölkerungsteile übertragen lassen. „In dieser Altersgruppe werden wesentliche Lebensentscheidungen getroffen. Uns interessiert, ob und wie sich ein bedingungsloses Grundeinkommen auf diese Lebensentscheidungen auswirkt“, erläuterte Michael Bohmeyer.

„Da das von uns getestete Grundeinkommen individuell ausgezahlt wird, derzeitige Transfereinkommen aber pro Haushalt (Bedarfsgemeinschaft) berechnet werden, lassen sich Haushalte mit unterschiedlicher Personenanzahl nur eingeschränkt miteinander vergleichen. Um dieses grundsätzliche Problem der Trennung von individuellen und haushaltsbezogenen Wirkungen zu vermeiden, beschränkt sich unsere Studie auf Ein-Personen-Haushalte“, begründete Jürgen Schupp die Auswahl.

„Ein Bürgerrecht auf ein bedingungsloses Mindesteinkommen hätte das Potenzial, einige Schwächen unseres derzeitigen Systems sozialer Sicherung zu überwinden“ Jürgen Schupp
„Das Grundeinkommen für Einkommensschwache wurde bereits weltweit vielfach wissenschaftlich untersucht“, sagte Michael Bohmeyer. „Da das Grundeinkommen aber keine Nothilfe, sondern eine universelle Investition in die Entwicklung der gesamten Gesellschaft ist, erforschen wir nun die Wirkung des Grundeinkommens in der Mittelschicht.“

„Unsere sozialen – überwiegend beitragsfinanzierten – Sicherungssysteme haben sich vielfach bewährt – nicht zuletzt in der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Krise. Deutlich wurde aber auch, bei welchen sozialen Gruppen, wie Geringverdienenden und Selbstständigen, sie an ihre Grenzen gestoßen sind. Und dieses Problem wird sich noch verschärfen“, ist Jürgen Schupp überzeugt. „Ein Bürgerrecht auf ein bedingungsloses Mindesteinkommen hätte das Potenzial, einige Schwächen unseres derzeitigen Systems sozialer Sicherung zu überwinden.“
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Kommentare

01.06.2021, 12.30 Uhr
Sonntagsradler 2 | Na dann wollen wir mal hoffen
das der Rechtstaat bzw Finanzamt ein Auge auf die Empfänger der 1200 € es bei der Steuererklärung als Zusätzliches Einkommen angeben.
Wir leben ja in einen Rechtsstaat.
Dieses Pilotprojekt wird ja nicht Staatlich durch geführt.
Spendengelder sind dadurch das man sie bei der Steuererklärung absetzen kann auch noch Steuergelder.

4   |  0     Login für Vote
01.06.2021, 12.41 Uhr
Psychoanalytiker | Ich bin für das bedingungslose Grundeinkommen, wenn ...
... es an eine Bedingung gekoppelt wird.

Es wäre nur dann gerecht, wenn Verdienste oder Renten nicht "gegengerechnet" werden. Es kann nicht sein, dass z.B. Menschen, die nie in diesem Land arbeiteten oder denen Geld und Leistungen quasi geschenkt wird, nur weil sie mal "Deutscheland" riefen und Ungarn, Polen oder andere EU-Länder sie nicht haben wollen, am Ende der Berechnung mehr Geld im Portemonnaie haben, als diejenigen, die arbeiten, dieses Land aufbau(t)en oder die nach einer wertvollen erbrachten Lebensleistung eine (im EU- Maßstab; z.B Österreich) verhältnismäßig geringe Rentenanwartschaft haben.

Wenn Grundeinkommen, dann als Basis für alle. Wie gesagt: Verdienste, Renten u.s.w. müssten dann unangetastet bleiben, das Grundeinkommen ist ohne Abzüge oder Steuern hinzuzurechnen, dann gebe auch ich mein o.k.. Ich wette aber, dass so nicht gerechnet wird. Das zeigt mir das Beispiel der Ablehnung der Doppelbesteuerung von Renten durch das Bundesfinanzgericht. Diese gibt es zwar, aber die Fälle sind angeblich so gering, dass sie unbedeutend sein sollen. Und es würde dem Staat "Milliarden" kosten, und so etwas kann ja nicht sein ....

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01.06.2021, 14.16 Uhr
HisMastersVoise | Der völlig falsche Ansatz!!
Anstatt das schöne weiche Bettchen der Sozialhilfe noch mit Seidenbettwäsche zu beziehen, sollten endlich Anreize zur Rückkehr in den Arbeitsmarkt geschaffen werden. Wie will denn jemand dem Millionen an Beiteitragszahlenden erklären, warum sie eine millionenköpfiges Heer an Untätigen versorgen soll. ich rede ausdrücklich von denen, die sich in mittlerweile zweiter und dritter Generation an das Leben auf Stütze gewöhnt haben und den Gedanken an Arbeit inzwischen vollständig verloren haben. Dabei reden wir von 70 bis 80 Prozent der z.Zeit Arbeitslosen. Das Deutschland als Sozialstaat seiner Verantwortung für in Not geratene Bürger nachkommen muss, steht ausser Frage. Aber wieso muss die Gemeinschaft für die jenigen weiter zahlen, welche keinerlei Verantwortung für Ihr Leben mehr tragen wollen. Mit diesem Projekt wird nicht Gerechtigkeit geschaffen sondern das Heer der Nichtarbeiter weiter vergrößert. Und in Deutschland des Jahres 2021 keine Arbeit zu finden, wenn sich ensthaft engagiert wird, kann hier niemand wirklich behaupten. Jede Arbeit ist besser als das Leben von Allmosen als Bettler.

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01.06.2021, 14.22 Uhr
N. Baxter | Chapeau!
königliches Sprachrohr.

Sehe ich genauso...

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01.06.2021, 15.21 Uhr
Kama99 | Nur wer ...
mindestens 25 Jahre in den Sozialtopf eingezahlt hat, sollte auch das Recht auf Grundeinkommen erhalten. Ansonsten würde das Land von Wirtschaftsmigranten überrannt werden. Mit dem Ergebnis Deutschland ist nach 12 Monaten endgültig Pleite und am Boden.

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01.06.2021, 18.09 Uhr
coreolius | Zweifel
Unter den gegebenen Umständen halte ich dieses voraussetzungslose Grundeinkommen für eine äußerst zweifelhafte Strategie. Warum: Noch nie gab es so viele Werte und so viel Geld auf der Welt. Noch nie waren alle Güter auf so wenige obszön Reiche und so viele Mittellose verteilt. Warum werden leistungsarme Einkommen durch Kapitalgewinn geringer besteuert als Einkommen aus harter Arbeit? Warum werden Gelddynastien, die den Grundstein ihrer Imperien aus Zwangsarbeit in der NS Zeit generierten nicht endlich herangezogen? Warum schaffen wir es nicht, die ständigen Kriege, einfach durch den Stop von Waffenlieferungen auszutrocknen? Wann hört Deutschland auf, gegen Russland aufzurüsten? Dann können wir alle eine Friedensdividende haben. Warum werden finanziell gut ausgestattete Bereiche, die sich auf wenig relevante Gendersprach- und Randgruppenzentrierte Themen konzentrieren nicht auf ein angemessenes Maß zurückgestutzt? Dazu kommt noch die Altersversorgungskasse mit angehängtem Fernsehstudio "ÖRR". u.s.w. Die Marktwirtschaft ist der Wohlstandsschaffende Faktor, das ist nicht der zügellose Turbokapitalismus. Wenn Waren nach Bedarf und nicht nach Gewinn produziert werden würden, dann bräuchte sich niemand nach so einem Einkommen sehnen müssen. Es wäre für alle reichlich. Zum Schluss ein Zitat: "Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier" Mahatma Gandhi

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01.06.2021, 20.00 Uhr
diskobolos | Zur steuerlichen Frage...
Empfänger müssen das BGE nicht versteuern, denn es ist keine der Einkunftarten des Einkommenssteuer-Gesetzes.
Die Spender können ihre Spende absetzen, wenn die Empfängereinrichtung als gemeinnützig anerkannt ist, aber auch dann gibt es dafür Grenzen.
Im Übrigen bin ich der Meinung, das ein BGE heute weder sinnvoll noch finanzierbar ist. Ganz schwierig ist auch die Frage der Abgrenzung: Wer soll es denn erhalten? Je länger man darüber nachdenkt, um so schwieriger wird es.
Wie es in 30 Jahren ausssieht, wenn die Roboter und Computer die meiste Arbeit erledigen, kann ich mir heute noch nicht vorstellen.

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01.06.2021, 21.35 Uhr
Sonntagsradler 2 | Ein Hab ich noch zum Thema Pilotprojekt Grundeinkommen / und @ diskobolos
Ich finde es immer wieder Klasse was so manch ein Zeitgenosse für Geld so alles an persönlichen Daten so Preiß gibt.
Hatte auch mal in die Ausfüllformulare die damals im Netz bereitstanden geschaut.
Ich kann nur sagen die Staasi waren demgegenüber Weitgehens Weisenknaben. Soviel zu Bedingungslos

@ diskobolos
Eine "Spende" etwas anders ist es in diesen Fall auch nicht,an Privatpersonen ist eine Schenkung und grundsätzlich steuerpflichtig (Schenkungsteuer) - daran ändert sich auch nichts, wenn das Geld an ein Hilfsprojekt weitergeleitet wird oder, wie hier wohl, für ein krankes Familienmitglied verwendet wird.
Wenn die Einzelspende unter den Schenkungsfreibeträgen liegt, dann werden die Schenkungen nicht versteuert.
Nach § 30 ErbStG (Erbschaftsteuergesetz) sind die Spenden innerhalb von 3 Monaten dem Finanzamt zu melden - hier wird dann geprüft ob man eine Steuererklärung abgeben muß oder nicht.

Na ja! Jeder Denkt sich die Sachen für sich rechtens oder richtig zusammen. Ist halt über all und in jeder Lage so. Wir leben ja in der Moderne. Oder soll ich sagen in einer Demokratie? : -) :-D

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