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Fr, 19:40 Uhr
14.12.2018
tlv lehnt Schulgesetzentwurf ab

„Höchste Zeit, die Reißleine zu ziehen“

Den am heutigen Vormittag erstmals im Thüringer Landtag beratenen Schulgesetzentwurf lehnt der tlv thüringer lehrerverband ab...


Gleichzeitig kritisierte der Landesvorsitzende Rolf Busch das Vorgehen der Landesregierung, die trotz aller Einwände auf ihrem Kurs beharre und dem Landtag trotz eines intensiven Dialogprozesses nun einen kaum verbesserten Entwurf vorgelegt hätte.

„Ich habe noch nie erlebt, dass ein Schulgesetzentwurf noch vor der ersten Behandlung im Thüringer Landtag solche Wellen geschlagen hat“, so Busch. „Schon vor Tagen haben Eltern auf der Plattform des Landtages eine Online-Petition mit dem besonderen Blick auf die Regelungen zur Inklusion eingereicht.

Ebenfalls erreicht den tlv seit Tagen von aufgebrachten Kolleginnen und Kollegen die dringende Aufforderung, etwas gegen die viel zu niedrigen Schülermindestzahlen und die extrem ungleiche Behandlung von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien zu unternehmen.“ Lehrer und Eltern liefen Sturm, so Busch weiter, „aber der Regierung ist das Ausmaß des Gegenwinds offensichtlich nicht wirklich bewusst. Dabei ist es höchste Zeit, die Reißleine zu ziehen.“

Mängel bei Inhalten und Timing

Auch der tlv sieht bei den Themen Inklusion und Schülermindestzahlen die größten Probleme. „Die zentralen Themen Inklusion und Schulgrößen sollen mit dem neuen Schulgesetz völlig unzureichend gelöst werden. Die Gelingensbedingungen für eine Inklusion in dem Ausmaß, wie es die Regierung wünscht, bestehen nach wie vor nicht. Und wenn die Schülerzahlen so beschlossen werden, dann werden 70 Prozent der Schulen in eine Standortdebatte gedrängt. Dabei scheint die Landesregierung jedoch zu vergessen, dass Schulkooperationen den Personalmangel nicht beheben können.“ Stattdessen würden über den aufgezwungenen Prozessen noch mehr Ressourcen gebunden, die an anderer Stelle dringender benötigt werden, so der tlv-Landesvorsitzende.

Auch das Timing der Landesregierung verurteilte der Verband scharf. „Man hat sich ewig Zeit gelassen, um trotz des intensiven Diskussionsprozesses einen kaum veränderten Entwurf einzubringen. Und nun soll dieser nach den uns vorliegenden Informationen bereits am 7. Februar zur Anhörung kommen. Bis dahin sind es keine zwei Monate, Feiertage und Zeugnisvorbereitungen fürs Halbjahr eingeschlossen. Ich werde den Eindruck nicht los, dass es gar nicht wirklich um die Entwicklung neuer Perspektiven und einer höheren Qualität in den Schulen geht, sondern nur um ein Prestigeprojekt, das die Landesregierung noch vor den Wahlen durchdrücken will. Aber der tlv wird Stellung nehmen – egal, wie wenig Zeit man uns dafür einräumt.“
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Kommentare

14.12.2018, 21.59 Uhr
Hans Dittmar | RRG versagt bei Schulplanung
Ähnlich wie beim Prozess der Gebietsreform verfährt die Landesregierung nun auch in Sachen Schulgesetz.
Inklusion bedeutet Rückführung in eine mittelalterliche Schulbildung. Sozialarbeiter statt Lehrer sind zudem der falsche Weg.

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15.12.2018, 07.49 Uhr
Pinzgauerin | Es wäre wichtig.....
....den Schulgesetzentwurf erst einmal zu sehen, ohne diesen, halte ich einen Kommentar für schwierig. Es wird ja derzeit viel über Transparenz gesprochen, leider trifft das wohl nur wenig auf wirklich wichtige gesellschaftliche Themen zu. Das ist schade. Aber vielleicht kann man das ja noch nachholen?
Was die Schule beftriift, Experten*innen aus Praxis und Theorie zuerst. Klar weiß jede*r bei pädagogischen Themen immer bestens Bescheid, aber da es um langfristige, die Zukunft einer ganzen Gesellschaft bestreffende Entscheidungen geht, würde ich mich ungern auf Allgemeinwissen verlassen. Das soll jedoch nicht heißen, dass ich für Meinungen der Eltern, Großeltern, Tanten, fachfremden Politiker*innen nicht offen bin, es befremdet mich nur, dass alle in pädagogischen Fragen zu Experten*innen werden. Da ja der zweite Teil des Wortes "Pädagoge*in" also "agogos" "Leiten, Führen bzw. Begleiten" bedeutet, was wiederum den Willen zur Verantwortungsübernahme zwingend voraussetzt, frage ich mich, ob alle diese selbsternannten Experten*innen denn auch bereit sind, die Verantwortung a) für ihre Aussage und b) für die Auswirkungen ihrer Aussage (auf die Gesellschaft, Kinder, die die der BegLeitung bedürfen) zu übernehmen? Und dann, wenn ich mir diese Frage Stelle, komme ich zu dem Schluss, dass Schule/Bildung/Erziehung nicht getrennt von den anderen gesellschaftlichen Themen betrachtet werden kann. Häufig scheitert die Verantwortungsübernahme ja schon vorgeburtlich (bei der Zeugung, dem Akt wie auch immer), von der Geburt und der frühen Kindheit gar nicht zu sprechen. Es wird gehandelt oder eben hâufig nicht gehandelt, die Verantwortung für das Ergebnis wird dann geleugnet oder anderen zugeschoben. Dies zieht sich durch alle Bereiche in der Gesellschaft. Und die Politik ist das beste und schrecklichste Beispiel. Kinder wachsen ja nicht im Vakuum auf, natürlich bekommen sie die gesellschaftlichen (politischen) Widersprüche mit und stellen sich (ihr Handeln, Denken, Fühlen) darauf ein. Natürlich bekommen sie (finanzielle) Schwierigkeiten der Eltern (Mütter) und das damit verbundene Stigma mit. Da kann der*die Pädagoge*in schon Wasser predigen wenn alle Wein saufen. Die Aggression in der Schule nimmt zu? Ja klar! Sie nimmt in der kleinsten Einheit, der Familie, schon zu, durchzieht die Behörden, den Arbeitsmarkt, die Sozialsysteme (z.B. Seniorenheime), die Politik. Wohin sollen wir Pädagogen*innen denn die Kinder führen, wenn in der Gesellschaft Aggression, lautes Poltern und Schreien, verbale und physische Angriffe, Lügen etc. an der Tagesordnung sind und schlimmer noch, als gângiges Mittel die "Meinung" durchzusetzen toleriert wird. Und vor allem, wie soll das mit immer weniger Fachleuten funktionieren? Quereinsteiger, Menschen die eine zweijâhrige nebenberufliche Zusatzausbildung absolvieren sind keine Experten (können aber welche werden), sie brauchen ebenfalls BegLeitung und Orientierung.

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