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Sa, 16:57 Uhr
16.11.2019
Marktcheck: Kinder-Tomatensoßen oft stark überzuckert

Was ist am klebrigsten?

Für Kinder beworbene Tomatensoßen sind oft stark überzuckert. Das hat ein Marktcheck der Verbraucherorganisation foodwatch ergeben. Zwergenwiese und Bio-Zentrale stellten die beiden zuckrigsten Tomatensoßen im Test mit 11 Prozent Zucker beziehungsweise 38,5 Gramm pro Glas...



Die Kinder-Tomatensoße von Hersteller La Selva hingegen enthält nur 2,9 Prozent Zucker und schneidet damit am besten ab. Zwergenwiese ist einer der fünf Kandidaten der diesjährigen Wahl zum Goldenen Windbeutel, bei der Verbraucherinnen und Verbraucher auf www.goldener-windbeutel.de über die dreisteste Werbelüge des Jahres abstimmen können. Der Bio-Pionier ist nominiert, da er bei Eltern den Eindruck erweckt, die Rezeptur seiner Tomatensoße sei kindgerecht. Dabei enthält das Produkt mehr als doppelt so viel Zucker wie die Erwachsenen-Variante.

„Die Lebensmittelindustrie macht Tomatensoße zur Süßigkeit und jubelt Eltern damit Zuckerbomben als Hauptmahlzeit unter. Dass ausgerechnet die Produkte der Bio-Pioniere am meisten Zucker enthalten, stellt der Branche kein gutes Zeugnis aus“, sagte Oliver Huizinga von foodwatch. „Kinder essen viel mehr Zucker als empfohlen. Zwergenwiese & Co. tragen mit solchen Produkten dazu bei – das ist unverantwortlich.“

Für den Marktcheck hat foodwatch alle auffindbaren Kinder-Tomatensoßen aus dem Sortiment der größten Handelsketten, Drogerie-Märkte und Bio-Ketten geprüft und neun unterschiedliche Produkte identifiziert. Die Produkte weisen große Unterschiede im Zuckergehalt auf. Zwergenwiese und Bio-Zentrale sind mit 11 Prozent Zucker die Spitzenreiter im Test, die Kinder-Soße „La Salsa dei piccoli“ von La Selva enthält hingegen nur 2,9 Prozent und damit am wenigsten Zucker. Im Mittelfeld liegen Produkte von Rapunzel mit 8,3 Prozent und Naturata mit 7 Prozent Zuckergehalt. Der Gesamtzuckergehalt setzt sich zusammen aus dem natürlicherweise in Tomaten und Gemüse enthaltenen Zucker sowie aus süßenden Zutaten.

In der Regel verwenden die Hersteller zur Süßung Fruchtsaftkonzentrate wie Apfeldicksaft. Auch Bio-Hersteller Zwergenwiese hatte nach der Nominierung für den Goldenen Windbeutel sein Kinderprodukt damit verteidigt, dass „kein zugesetzter Kristallzucker“, sondern Apfeldicksaft enthalten sei. Doch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert auch Fruchtsaftkonzentrate als freien bzw. zugesetzten Zucker, deren Konsum reduziert werden müsse, so foodwatch. Diese Einschätzung teilt auch Professor Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin: „Dieser Zucker gehört zu den ‚freien Zuckerarten‘ und ist deshalb nicht viel anders einzuschätzen als kristalliner Rübenzucker. Einen besonderen Gesundheitswert oder relevanten Vorteil gegenüber Haushaltszucker kann ich nicht erkennen“, so Professor Hans Hauner.

Kinder und Jugendliche in Deutschland essen deutlich mehr Zucker als von Fachorganisationen wie etwa der Weltgesundheitsorganisation, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und der Deutschen Diabetes Gesellschaft empfohlen wird. Die Organisationen empfehlen, dass Minderjährige maximal 10 Prozent der täglich aufgenommen Kalorien durch sogenannte freie Zucker aufnehmen. Tatsächlich aber nehmen Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren in Deutschland 16,3 Prozent ihrer Tagesenergie aus freien Zuckern auf – also 63 Prozent mehr als empfohlen.
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