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Do, 08:53 Uhr
13.02.2020
Allensbach Sicherheitsreport 2020

Das sind die Sorgen der Deutschen

Auf der ganz persönlichen Sorgenliste der Bevölkerung rangieren Gesundheitsrisiken nach wie vor an der Spitze: 42 Prozent machen sich große Sorgen, dass sie im Alter zum Pflegefall werden und unter Demenz leiden könnten, 35 Prozent fühlen sich durch gefährliche Krankheiten wie Krebs besonders bedroht...


Neben den Sorgen vor schweren Erkrankungen belegt auch die Furcht vor Auswirkungen des Klimawandels einen der vorderen Plätze in den persönlichen Sorgenkatalogen. Im Westen Deutschlands sind diese Klimaängste dabei deutlich verbreiteter als im Osten.

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Die wirtschaftlichen Sorgen der Bevölkerung sind in den letzten sieben Jahren kontinuierlich zurückgegangen: So machte sich 2013 noch rund die Hälfte der Bevölkerung große Sorgen über mögliche Einkommensverluste, aktuell belastet dies nur noch rund ein Viertel. Ebenso ist die Furcht vor Arbeitslosigkeit kontinuierlich gesunken. Dies ist ein Ergebnis des Sicherheitsreports 2020, einer aktuellen repräsentativen Bevölkerungsumfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung. Der Sicherheitsreport wird seit 2011 jährlich erhoben.

Düsteres Bild der Kriminalitätsentwicklung Clankriminalität und rechtsfreie Räume
Weite Teile der deutschen Bevölkerung beobachten die Entwicklung der Sicherheitslage mit großer Sorge. Jeweils
rund zwei Drittel sind sehr besorgt über zunehmende Gewalt und Kriminalität sowie extremistische Tendenzen in Deutschland. Die Mehrheit sorgt sich auch über Kriminalität unter Flüchtlingen, jeweils rund die Hälfte sieht ein hohes Risiko durch eine Zunahme von Gewalttaten im rechtsextremen Spektrum sowie von Terroranschlägen
generell.

Die Hälfte der Bevölkerung hat auch den Eindruck, dass die Zahl der Verbrechen in Deutschland zugenommen hat, in Ostdeutschland sogar rund zwei Dritte. 78 Prozent der Bevölkerung halten speziell Clankriminalität für ein großes Problem in Deutschland. Zwei Drittel der Bevölkerung sind auch überzeugt, dass der Staat zu wenig dagegen unternimmt. Und 70 Prozent der Bevölkerung haben den Eindruck, dass es in Deutschland rechtsfreie Räume gibt, also dass in bestimmten Gegenden oder Teilen der Gesellschaft die geltenden Gesetze nicht anerkannt werden, und der Staat Recht und Ordnung dort auch nicht mehr durchsetzt.

„Die Bürger sehen die Entwicklung teilweise kritischer, als es die offizielle Kriminalitätsentwicklung ausweist. Das hat auch damit zu tun, dass einzelne Delikte und bestimmte Deliktkategorien die Bürger besonders beeindrucken und besorgt stimmen“, erläutert Frau Prof. Dr. Renate Köcher, die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach. Ganz persönlich fühlt sich derzeit fast jeder vierte Bürger im Land nicht sicher, und nur 15 Prozent der Bevölkerung sind mit der Sicherheitssituation völlig zufrieden. Deutlich überdurchschnittlich verbreitet ist das Gefühl mangelnder Sicherheit dabei in Ostdeutschland. Hier fühlen sich 35 Prozent der Bevölkerung weniger oder gar nicht sicher. Hier ist das Unsicherheitsgefühl im Vergleich zum Vorjahr auch deutlich gewachsen.

Vor dem Hintergrund dieser Unsicherheitsgefühle und dem verbreiteten Eindruck mangelnder Durchsetzungskraft des Staates sprechen sich gut drei Viertel der Bevölkerung dafür aus, zur Verbrechensbekämpfung öffentliche Plätze mit Videokameras und automatischer Gesichtserkennung zu überwachen.

Angst vor Kriegen deutlich gestiegen
Aber auch die internationale Lage beunruhigt viele. So bereitet es 58 Prozent der Bevölkerung große Sorge, dass
aus ihrer Sicht die Lage in Europa und der Welt immer unberechenbarer wird; 44 Prozent fürchten, dass Deutschland in militärische Konflikte hineingezogen werden könnte. Ganz persönlich macht sich aktuell ein Viertel der Bevölkerung große Sorgen darüber, dass Deutschland in einen Krieg verwickelt werden könnte. Das ist im Vergleich zum Vorjahr mit einer Zunahme um 10 Prozentpunkte ein deutlicher Sprung nach oben.

Dabei wird die Stabilität in der Welt nach Einschätzung der deutschen Bevölkerung vor allem durch das Verhalten bestimmter Staatschefs gefährdet mehr noch als von militärischen Konflikten, Handelskriegen oder dem Klimawandel. Allerdings nimmt die Bevölkerung das Gefahrenpotenzial, das von militärischen Konflikten ausgeht, heute als höher wahr als in den vergangenen Jahren.

„Die Bundesbürger erkennen, dass Deutschland nicht mehr nur am Hindukusch verteidigt wird. Sie befürchten, dass kriegerische Konflikte uns auch direkt in Deutschland erreichen können“, erklärt Prof. Dr. Klaus Schweinsberg, der geschäftsführende Gesellschafter des Centrums für Strategie und Höhere Führung.

Der derzeit gefährlichste internationale Krisenherd ist aus Sicht der Bevölkerung der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. 61 Prozent halten diesen Konflikt für so gefährlich, dass er auch die Sicherheit Deutschlands gefährden könnte. Gleichzeitig werden die USA und der Iran auch am häufigsten als jene Länder gesehen, von denen in den kommenden Jahren die größte Bedrohung für den Weltfrieden ausgeht.

Und auch wenn die USA der Bevölkerung nach wie vor als wichtigster militärischer Bündnispartner Deutschlands gilt, zweifelt die Mehrheit ausdrücklich an der Verlässlichkeit der Vereinigten Staaten: Nur 21 Prozent halten die USA für einen zuverlässigen Bündnispartner Deutschlands, 53 Prozent würden das ausdrücklich nicht sagen.

Im neunten Jahr in Folge hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Rahmen des Sicherheitsreports die Bevölkerung zu persönlich empfundenen Gefahren und Risiken sowie zu Themen der inneren und äußeren Sicherheit befragt. Zwischen 9. und 22.Januar wurden dazu im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung 1.273 mündlich-persönliche Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der deutschen Bevölkerung ab 16 Jahren durchgeführt.
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