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Mi, 10:25 Uhr
13.05.2020
Video-Meeting beim Rotary Club Obereichsfeld

Die Beziehung der Brüder Grimm zum Eichsfeld

In Corona Zeiten ist vieles anders. Auf manches Gewohnte muss man verzichten und vieles neu einrichten. Das sagten sich auch die Mitglieder des Rotary Club Obereichsfeld Heilbad Heiligenstadt. Das Club Hotel im Vital Park ist ja noch geschlossen, deshalb findet das wöchentliche Meeting per Video statt.....

Begrüßung (Foto: Ilka Kühn) Begrüßung (Foto: Ilka Kühn)

Der Präsident des Rotary-Clubs Obereichsfeld, Norbert Breitenstein, bei der Begrüßung zum Video-Meeting.

Dank bestimmter Software und technisch versierter Mitglieder war das kein Problem. Wenn noch etwas ungewohnt für einige Mitglieder, so können sie sich doch wenigstens per Video austauschen und müssen nicht auf die Vorträge verzichten. Wie beispielsweise am vergangenen Montagabend. Wir konnten als Gast an diesem Meeting teilnehmen.

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Nach und nach füllte sich der digitale Raum, die Teilnehmer hatten es sich zu Hause gemütlich gemacht und harrten der Dinge, die da kam kommen sollten. Der derzeitige Rotary Präsident des Clubs Obereichsfeld, Norbert Breitenstein, begrüßte alle aufs herzlichste und verkündete noch einiges Aktuelles.

Dann folgt auch schon der Vortrag. Referent war der Museumsleiter vom Eichsfelder Heimatmuseum Heilbad Heiligenstadt, Thorsten W. Müller. Er hatte sich ein sehr interessantes Thema ausgewählt: Die Brüder Grimm und deren Beziehung zum Eichsfeld, konkret auch zu Heiligenstadt.

Er erläuterte zu Beginn, wie es überhaupt dazu kam, dass die Brüder Wilhelm und Jacob ins Eichsfeld kamen. Beide waren Sprachwissenschaftler und als Professoren an der Uni tätig. Sie lebten einst in Göttingen, fielen dort aber beim König von Hannover in Ungnade und waren bald ihren Job los. Jacob ging nach Kassel, Wilhelm blieb mit seiner Familie in Göttingen. Die Zeit in der Verbannung nutzten beide, um an einem Großprojekt "Deutsches Wörterbuch" mitzuarbeiten. Damals war alles in Latein, die Brüder Grimm sorgten dafür, dass das Wörterbuch in deutscher Sprache erscheinen konnte. Während der Duden ein Werk der Orthografie ist, handelt es sich bei diesem Wörterbuch um ein Werk, wo die Entwicklung der einzelnen Wörter festgehalten ist.

1838 machten sich beide für das Projekt auf den Weg nach Heiligenstadt, wo sie sich mit dem Leipziger Verleger und anderen Leuten trafen, um das Projekt vorzubereiten. Heiligenstadt deshalb, weil es auf neutralem Boden lag. Übernachtet hatten sie damals im Deutschen Haus in der Wilhelmstraße. Später hat Jakob mal in einem Brief erwähnt, dass es eine hübsche Zusammenkunft in Heiligenstadt war. Gott sei Dank sei es etwas Positives gewesen, sagte Torsten W. Müller.

Im Oktober wurde dann der Vorvertrag über das deutsche Wörterbuch von den Brüdern Grimm unterzeichnet. Erst zehn Jahre später konnte es abgeschlossen werden. Das Wörterbuch sollte ein Heiligtum der deutschen Schrift werden und den gesamten deutschen Wortschatz erfassen, sagte Torsten W. Müller. Jedes deutsche Wort aus der Zeit von Luther bis Goethe, sollte darin vorkommen. Es gilt als das bedeutendste, was es an Wörterbüchern überhaupt gegeben hat, so der Referent.

Zahlreiche Helfer standen den Brüdern Grimm zur Seite. Ihre Arbeit wurde durch den Verlag bezahlt. Sie konnten allerdings ihr Werk nicht vollenden. Sie starben in ihrer Schaffenszeit. Es sollten noch 100 Jahre vergehen, bis das Werk weiter geführt und vor allem vollendet werden konnte. Das war im Jahr 1961. Es umfasst nun 16 Bände in 32 Teilbänden und einem Quellenverzeichnis, das aber erst 1971 herauskam.

Torsten W. Müller sagte, dass er im Museum gern mal den Besuchern solch ein Wörterbuch zeigen würde, es sei ihm aber noch nicht gelungen, eins kaufen zu können.

Eine Gedenktafel in Heiligenstadt erinnert an den ersten Besuch der Brüder Grimm. Im März 1848 kamen beide noch einmal nach Heiligenstadt. Sie waren auf dem Weg nach Berlin, das dauerte damals ja mehrere Tage mit der Pferdekutsche. Der preußische König war den beiden wohlgesonnen, sie wollten nach Berlin ziehen. Von dem zweiten Besuch erfuhr man nur durch einen Brief des Sohnes Hermann, der darin schrieb, dass sich seine Mutter beim Aussteigen aus der Kutsche in Heiligenstadt den Fuß und das Schienbein verletzte. Von einem Wirtshaus mit lustigen Namen in Uder fertigte der Sohn Skizzen an, die noch erhalten sind, erklärte Torsten W. Müller.

Eine weitere Verbindung gibt es zum Eichsfeld dadurch, dass die Märchen-Sammlung der Brüder Grimm im zweiten Weltkrieg von einem Archiv in Kassel ausgelagert wurde in ein bombensicheres Gebiet, ins Eichsfeld, und zwar nach Wendehausen in das Gut Karrenberg. Zum Kriegsende diente das Gut als Unterkunft für Flüchtlinge und Soldaten. Das Depot wurde damals mehrfach geplündert. 1950 war aber noch ein größerer Bestandteil der Märchen-Sammlung eingelagert, so Torsten W. Müller. 1952 wurde das Gut von den Kommunisten wegen der Grenznähe gesprengt. Wo der überwiegende Teil der Sammlung abgeblieben ist, sei bis heute unklar. Die Sammlung gilt als verschollen. Torsten W. Müller sagte, aber vielleicht findet ja jemand noch irgendwo im Keller o.ä. Original-Manuskripte der Brüder Grimm…

Übrigens heiße es nicht mehr Gebrüder Grimm, sondern nur noch Brüder Grimm fügte er zum Schluss an.

Während die Mitglieder des Rotary-Clubs nach dem Vortrag immer noch gemeinsam zusammen sitzen, ist das Meeting nach einer kurzen Fragerunde in Corona-Zeiten mit dem Vortrag beendet. Aber immerhin haben alle die Möglichkeit, sich wenigstens per Bildschirm zu treffen.
Ilka Kühn








Autor: ik

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