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Fr, 09:30 Uhr
27.11.2020
Lichtblick zum Wochenende

Alles Leben kommt aus der Dunkelheit

Sind Sie die Dunkelheit auch schon leid? Morgens im stockfinsteren aufstehen, da wird man doch kaum wach. Nachmittags beginnt es schon wieder zu dämmern. Und dazwischen wird es an manchen Tagen kaum richtig hell. Für Pfarrerin Theresa Hauser sind sogar die Nächte schwärzer, als ich es bisher gewohnt war...

Denn fast mein ganzes Leben habe ich in größeren Städten verbracht, wo es immer ein bisschen hell war. Auch mitten in der Nacht gab es überall Straßenbeleuchtung, Reklametafeln strahlten bunt und immer war noch mehr oder weniger viel Verkehr auf den Straßen.

Jetzt bin ich viel auf den Landstraßen zwischen Dörfern und Städtchen unterwegs. Ohne Straßenbeleuchtung, ohne Reklametafeln und manchmal auch ohne dass weit und breit noch ein anderes Auto in Sicht wäre. So eine Dunkelheit kannte ich bisher nicht. Alles finster, nur die Windräder blinken rot durch die Schwärze. Erst hatte ich das Gefühl, gar nichts mehr zu sehen. Die Finsternis war bedrohlich. Doch dann begann ich langsam Dinge in der Dunkelheit zu entdecken, die ich vorher nie gesehen hatte. Die Augen eines Fuchses auf dem Feld. So viel mehr Sterne als nur die vom Großen Wagen. Die Milchstraße. Die Dunkelheit steckt voller Leben.

Mit der Bibel können wir sogar sagen: Alles Leben kommt aus der Dunkelheit, auch das Licht. Am Anfang war die Erde wüst und leer und finster, heißt es im 1. Buch Mose. Alles begann in der Dunkelheit. Vielleicht hatte Gott seine Augen geschlossen und es war deshalb so dunkel. Immerhin lässt es sich im Dunkeln am besten träumen. Die besten Ideen brüten eine Weile in unserem Inneren verborgen. Und jedes Leben kommt aus dem warmen Dunkel des Mutterleibes.

Am Anfang scheint die Dunkelheit wüst und leer. Aber wenn man ein bisschen Geduld mitbringt, dann tauchen da Formen auf. Eine vage Idee, ein schemenhafter Gedanke, kaum erkennbare Finger auf dem Ultraschallbild. Das Leben wächst langsam in der Dunkelheit.

Wie lange Gott wohl in der Finsternis des Anfangs gewartet hat? Über seinen Ideen für die Welt gebrütet hat bis sie reif waren für das, was wir Schöpfung nennen? Ich wette, er hat auch so seine Zeit gebraucht. Denn erst mal muss man seine Augen doch an die Dunkelheit gewöhnen, bevor man da Sterne entdecken kann oder Ideen.

Ich wünsche Ihnen für die letzten dunklen Tage vor der ersten Kerze am Adventskranz und für die ganze dunkle Jahreszeit Geduld und wache Augen in der Finsternis. Halten Sie Ausschau in der Dunkelheit draußen und in der Dunkelheit in Ihrem Inneren. Denn ganz sicher regt sich dort schon Leben.
Pfarrerin Theresa Hauser, Greußen
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